Review

Erstmals in ihrer Bandgeschichte präsentieren Ignis Fatuu mit dem aktuellen Werk „Meisterstich“ ihren Mittelalter-/Folk-Rock auf einem Konzeptalbum. Inspiriert von Albrecht Dürers Kupferstichen fanden 13 Tracks ihren Platz auf dem Silberling und entsprechend kunstvoll gibt sich das Sextett in musikalischer und lyrischer Hinsicht.

Da der Fan und Hörer jedoch trotz des Konzepts nicht auf die typische Handschrift von Ignis Fatuu verzichten muss, stößt man während der Spielzeit von knapp 50 Minuten sowohl auf hervorragende Passagen, die für Aufhorchen sorgen (wie beispielsweise das kurzzeitig vom Bass begleitete Drum-Solo im Song „Nemesis c. 1501“), als auch auf zahlreiche melodische Abschnitte, die sofort ins Ohr gehen.

Sobald Ignis Fatuu jedoch die liedhaften Pfade verlassen, wird das Album anstrengend. Die teils etwas mutwillig getexteten Inhalte werden des Öfteren durch Rezitation an die Hörer transportiert. Dies verleiht „Meisterstich“ phasenweise einen gewissen Hörspielcharakter.
Zudem brechen einige Songphasen die Tracks immer wieder auf, was ihnen jedoch zum Nachteil gereicht. „Rhinocerus 1515“ ist ein Beispiel dafür, dass ein Song durchbrochen wird und somit an Dynamik verliert. Dafür besitzt der Refrain sehr viel Livepotenzial.

Im Gegensatz dazu fallen die gesungenen Texte mit reichlich Melodie sehr viel vorteilhafter aus, denn sofern Ignis Fatuu melodisch singend zu Werke gehen, wirken auch die Lyrics nicht dermaßen auffällig gewöhnungsbedürftig. Kaum aber, dass die Texte mehr „inszeniert“ und rezitiert werden, wie u.a. in „Die wunderbare Sau von Landser“, erscheinen sie sogar zuweilen befremdlich. Ausgehend davon, mit „Meisterstich“ ein Musikalbum vorliegen zu haben, enttäuschen vor allem jene Passagen, die stattdessen mehr an mittelalterliche Bühnenstücke erinnern. Die Erwartungshaltung sollte somit dahingehend ein wenig angepasst werden, um über die gesamte Spielzeit Freude am neuen Album von Ignis Fatuu zu haben.

Ignis Fatuu (Copyright: Ignis Fatuu)

Ignis Fatuu (Copyright: Ignis Fatuu)

Auf der Habenseite kann die Band hingegen abwechslungsreichen Gesang verbuchen. Insbesondere die ab und an zu hörende Frauenstimme lockert das musikalische Geschehen auf und bringt der Band das gewisse Etwas, das sie von den unzähligen Kollegen des Genres abhebt.

Insgesamt kommt „Meisterstich“ also nicht ganz ohne Kritikpunkte aus, allerdings muss jenen stets ein großes Aber nachgestellt werden. Damit folgen auf negative Aspekte umgehend die positiven, welche letztlich die Überhand gewinnen. Fans der Band und Genre-Freunde greifen zu und werden nicht nur mit einigen vielversprechenden potenziellen Live-Hymnen belohnt, sondern ebenfalls mit Ohrwürmern und sogar gefühlvollen Momenten für daheim versorgt.

Video

Tracklist

Die vier Reiter der Apokalypse c. 1497
02 Nemesis c. 1501
03 Ritter, Tod und Teufel 1513
04 Rhinocerus 1515
05 Der Liebestraum des Doktors c. 1498
06 Satyr und Nymphe 1505
07 Die wunderbare Sau des Landser 1496
08 Melencolia I 1514
09 Adam und Eva 1504
10 Das Meerwunder c. 1498
11 Sternenfall (Die Eröffnung des sechsten Siegels) c. 1497
12 Der Dudelsackspieler 1514
13 Der hl. Hieronymus im Gehäus 1514

Details

Ignis Fatuu – Homepage
Ignis Fatuu – Facebook
Ignis Fatuu – Twitter

Label: Trollzorn / Soulfood
Vö-Termin: 08.07.2016
Spielzeit: 50:23

Copyright Cover: Trollzorn



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde