Review

Ellipse ist eine Band aus Frankreich und Frankreich ist nicht unbedingt für grandiosen Hardcore bekannt, allerdings setzen Ellipse – u.a. mit ihrem Album „À Nos Traîtres“ – die Messlatte diesbezüglich schon sehr hoch an.

2007 fand man sich zum Musizieren zusammen und konnte 2012 mit der ersten EP an den Start gehen. Die Kombo scheint mit ihrem Stil gut angekommen zu sein; sie bewegen sich irgendwo zwischen The Ghost Inside, Killswitch Engage und August Burns Red. Was sie von jenen Truppen ein wenig unterscheidet, ist Frontfrau Claire, die in bester Walls of Jericho-Manier das Mikro zermürbt.

Nach dem ersten Durchlauf fallen den Hörern noch andere Bands mit Frontfrauen ein, die mit Ellipse recht vergleichbar sind. Dazu gehören Straight Line Stitch, dessen Frontfrau mehr Eier als ein heutiger Hipster aufweist, und zum anderen Vanity Ruins, die sich 2009 leider auflösten. Diese Bands gehen mit so viel Kraft zur Sache, dass man auch sofort in einer Livesituation sein könnte. Ellipse kombinieren dieses Gerüst noch mit einer gehörigen Packung Deathcore. Gute Breakdowns in Verbindung mit dissonanten Klängen führen zu gekonnten Twists in den Tracks.

„Ascension“ ist so ein Song. Er beginnt ruhig im August Burns Red-Stil und klassischen Metalcore-Gewand. Wenn man das lange nicht gehört hat, dann klingt das sogar richtig gut. Der Groove im Track bringt allerdings die Würze rein. Hier und da findet man auch ein paar Spielereien, ob es nun die Schlagzeugarbeit oder aber die guten Leadstimmen aus der Gitarrenfraktion sind. Bassist Arthur knattert sich recht hardcore-artig durch den Track. Zum Ende hin wird „Ascension“ sogar etwas episch und derb metallastig. Ein Sahnestück. Hier kommt dann auch die dissonante Komponente zum Tragen, die etwas in Richtung Emmure geht.

Zwischen den Powertracks rundet die Band mit ihren Interludes I, II, III und IV das Album ab. Zwar ist da jetzt die Frage, ob man das braucht, aber schlecht klingt es nicht. Außerdem wird man die wenigen Minuten auch überstehen.

In „Dans La Gueule Du Loup“, der zur Mitte die Ill Niño-Nu-Metal-Keule herausholt, gibt Claire nochmal Gas. Man merkt ihr an, dass sie Bock auf ihre Musik hat und das hört man mittlerweile so selten, dass es bei Ellipse direkt ins Auge springt.
Schaut man sich zudem die Fotos der Band an, so wird einem klar, dass sie sich in der Szene sehr wohlfühlen. Man könnte fast von einer ziemlich „truen“ Band sprechen.

Ellipse (Copyright: Ellipse)

Ellipse (Copyright: Ellipse)

Ein Punkt, der dennoch negativ auffällt: das allseits bekannte Schema F. Zwischen den wirklich grandiosen Parts kommt es immer wieder zum 0-8-7 Riffing, das wir alle so lange ertragen mussten. Daran muss die Band noch etwas arbeiten. Im  Titeltrack „À Nos Traîtres“ fällt dies besonders ins Gewicht. Seine emotionalen Parts werden durch dieses verhasste Riffing zerstört. Schade. Trotzdem ist der Titeltrack mit seinem Endbreakdown eine Wucht.

Ellipse haben Bock und sprühen vor Energie. Sie haben ein schönes Hardcore-Gerüst mit vielen Elementen erschaffen. „À Nos Traîtres“ ist somit eine derbe und echte Platte, die vor Hardcore und metallischen Klängen nur so strotzt. Bei den Standardriffs ist noch Luft nach oben, dennoch empfehle ich jedem Fan der genannten Bands, hier unbedingt reinzuhören.

Video

Trackliste

01 I
02 Calvaire
03 Enseveli
04 Epsilon
05 II
06 A Nos Traîtres
07 Ascension
08 Dans La Gueule Du Loup
09 III
10 Ruines
11 IV
12 La Chute

Details

Ellipse – Facebook

Label: Finisterian Dead End
Vö-Termin: 12.12.2015
Spielzeit: 41:56

Copyright Cover: Finisterian Dead End



Über den Autor

Marcus
Marcus