Deepground Magazine
Mehr als nur ein weiteres Magazin



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10. Dezember 2014

Zum Tode von Stefan Förster

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Verfasst von: Conny
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In meinem bisherigen Leben habe ich schon etliche Texte geschrieben. Zu keinem Zeitpunkt mangelte es mir an Ideen und den passenden Worten – bis zum 03. Dezember 2014, als Stefan Förster, Mitbegründer des DeepGround Magazines, Kollege, Freund und Wegbegleiter, vollkommen plötzlich, unerwartet und viel zu früh verstarb.

Der Schock und der Schmerz über seinen Tod sitzen immer noch tief, und obwohl mir zahlreiche Gedanken durch den Kopf gehen, lähmt mich die Trauer um ihn so sehr, dass mir dieser Nachruf weder leicht fällt noch zu meinen ganz großen Werken gehören wird, und dass, obwohl Stefan nichts anderes verdient hätte.
Daher möchte ich mich dieser Herausforderung stellen, die gleichzeitig unmöglich erscheint. Denn wie soll man die richtigen Worte für einen so außergewöhnlichen Menschen wie Stefan finden, die ihm auch nur ansatzweise gerecht werden.

Um dies halbwegs hinzubekommen, habe ich recherchiert, denn nie habe ich damit gerechnet, so unvermittelt mit dieser unlösbaren Aufgabe konfrontiert zu werden.
Was sollte erwähnt werden, warum gibt es einen Nachruf überhaupt und wann ist der richtige Zeitpunkt, diesen zu schreiben, waren nur einige der Fragen, die mich beschäftigten.
Noch bei der Recherche sah ich Stefan vor meinem inneren Auge über mich schmunzeln und hörte ihn sagen: „Mach einfach so, wie du denkst!“. Denn so war er, er glaubte stets an das Gute in einem, erkannte die Talente und Fähigkeiten der anderen und vertraute blind darauf.

Um ihm diesbezüglich gerecht zu werden, schreibe ich nun auch einfach so, wie ich es denke. Ich werde mich im Folgenden an keine formellen Regeln halten, noch möchte ich die persönliche Note, die in jeder Zeile hoffentlich herauszulesen ist, aus diesem Text verbannen, denn Stefan war und ist für mich nicht nur ein Kollege und Freund, sondern ein großer Teil meines Lebens. Er ist zu einem Teil meiner Familie geworden und einer der wichtigsten, wertvollsten und liebenswertesten Menschen, die ich kenne.

Stefan01Dass auch er selbst das Gute in sich trug und mit vielseitigen Talenten gesegnet war, hat Stefan erst spät gelernt. Vielleicht war ihm dies sogar bis zu seinem Tod gar nicht so bewusst, wie es für seine Freunde ganz offensichtlich war, und vielleicht hätte ich ihm noch viel öfter sagen sollen, wie stolz ich auf ihn bin und wie klug und begabt er auf sehr vielen unterschiedlichen Gebieten war.

Eine seiner herausragenden Fertigkeiten führte dazu, dass es DeepGround überhaupt gibt.
Stefan war ein Visionär. Ein großes Wort, doch es erscheint mir passend, denn er jagte nicht nur seinen Träumen und Visionen hinterher, er versuchte sie auch zu verwirklichen.

Ein großer Traum war, ein eigenes Onlinemagazin mit mir zu gründen. Diesen Schritt zu gehen, kostete mich viel Mut, doch Stefans Optimismus war ansteckend.
Seine Kreativität und sein sich selbst angeeignetes technisches Know-how waren grenzenlos und so starteten wir das Projekt „DeepGround“ gemeinsam im Mai dieses Jahres.
Voller Enthusiasmus investierte er all seine rare Freizeit in diese Arbeit und werkelte Tag und Nacht an der immer konkreter werdenden Webseite. Auch wenn es nur ein Hobbyprojekt war und ist, so wollte er immer das Beste für das Magazin, die Mitarbeiter und die zukünftigen Leser.
Er ruhte nicht eher, bis ein technisches Problem gelöst und unsere ersten unzähligen Ideen realisiert worden waren. Stundenlang arbeiteten wir gemeinsam an der Konzeption, Umsetzung und Optimierung, und auch nach Onlinestellung des Magazins reiften in ihm immer wieder neue Ideen heran, die er in naher Zukunft realisieren wollte.
Unser Slogan „Mehr als nur ein weiteres Magazin“ zu sein, war von Anfang an hochgegriffen, doch Stefan war für mich eine Quelle der Inspiration und sprudelte selbst vor Kreativität und innovativen Ideen nur so über. Auch für die Ideen jedes einzelnen zu uns gestoßenen Redakteurs hatte er immer ein offenes Ohr; obwohl nicht oft sofort die nötige Zeit vorhanden war, um diese Neuerungen in Angriff zu nehmen, so behielt er sie doch stets im Hinterkopf.

Stefan04Ohne ihn würde es DeepGround nicht geben. Doch Stefan beschränkte sich nicht nur auf die Arbeit hinter den Kulissen seines Magazins und hielt es in technischer Hinsicht in Schuss.
So war er ebenfalls unser Mann „an der Front“. Er liebte es, Rezensionen zu schreiben, doch noch begeisterter besuchte er Konzerte, Veranstaltungen und Festivals. Fest hatte er – wie es sich für ein Metalhead wie ihn gehörte – bereits seinen Urlaub für Wacken 2015 geplant, wo er sich ebenso heimisch fühlte wie in zahlreichen persönlichen Gesprächen mit Bands, Künstlern und Autoren. Trotz aller Professionalität, die er dabei an den Tag legte, gab er sich so, wie er war. Authentisch, ehrlich, begeisterungsfähig, aufgeschlossen, gesellig, kommunikativ und engagiert. Umso peinlicher, aber auch amüsant waren für ihn Situationen, in denen ihm technische Pannen in die Quere kamen.
Unvergessen werden mir in diesem Zusammenhang seine zahlreichen missglückten Versuche in Erinnerung bleiben, mit der Band „Das Niveau“ ein Interview zu führen. Mit viel Geduld seitens aller Beteiligten und dem Versprechen „Ihr dürft mich jetzt selbstverständlich beschimpfen, auslachen oder offiziell für unfähig erklären, doch ich möchte trotzdem den Versuch wagen, Euch zu bitten, ob wir das Ganze eventuell als Phoner wiederholen könnten.“ konnten Stefan und Das Niveau den scheinbar auf ihnen und ihren Interviews liegenden Fluch brechen. Seine Freude und Erleichterung waren groß.

Noch am Freitag, den 28.11.2014, brach Stefan zum Konzert der Letzten Instanz in Karlsruhe auf. Ich weiß, dass es ein unvergesslicher Abend für ihn war, auch wenn dies sein letzter Konzertbesuch sein sollte.

Doch nicht nur für die Live-Angelegenheiten war Stefan unsere unersetzliche Geheimwaffe. Er war auch unser „Joker“. Während jeder einzelne des DeepGround-Teams seine Vorlieben hat, war Stefan auf vielen Gebieten interessiert und auch qualifiziert. Obschon eines seiner Steckenpferde das Rezensieren von Thrillern und Krimis war, mimte er uns immer den „Retter in der Not“, sobald wir mit unserem Wissen und eigenen Geschmack an unsere Grenzen stießen. Er sprang ein, wenn es nötig war, und schreckte neben seinem regulären Beruf nicht vor Mehrarbeit zurück.
Dies und vieles mehr drückte seine Leidenschaft für das Magazin, aber auch seine Hilfsbereitschaft für seine Kollegen und Freunde aus.

Stefan02Stefan war eine Stütze, ein wahrer Freund und noch dazu ein Gentleman, der für die Menschen, die er mochte, alles getan hätte. Selbst in kleinen Gesten war er der Größte. Es war ihm ein Anliegen, andere glücklich zu machen und sei es auch nur durch die banalsten Nebensächlichkeiten wie das Brühen köstlich duftenden Kaffees inmitten eines Festivalzeltplatzes, um einem Kaffee-Junkie wie mir eine Freude zu machen.
Stefan steckte auch zugunsten anderer stets zurück und engagierte sich für Bands, die ihm gefielen. Selbst ein großer Fan der ersten Stunde von der Band In Legend, setzte er alles daran, Sänger Basti für mein ganz persönliches Geburtstagsständchen auf dem Wacken Festival gewinnen zu können. Und auch, was unmöglich erschien, konnte er tatsächlich realisieren.

Dies sind nur einige Momentaufnahmen, die ich in dankbarer und ewiger Erinnerung behalten werde, doch gerade jetzt weiß man diese Aufmerksamkeiten auf ein Neues mehr denn je zu schätzen.

Bei all seinen vielseitigen Interessen wundert es nicht, dass Stefan zudem sehr begeisterungsfähig war und mit seiner Begeisterung auch andere anstecken konnte. Seine Freude über gute Musik, schöne Bücher oder von ihm gemochte Filme war so überschwänglich, dass ich bei der Korrektur seiner Artikel binnen weniger Sätze mehrmals auf seinen Enthusiasmus gestoßen bin. Denn wenn ihn die Begeisterung gepackt hat, dann drückte er sie gerne durch den inflationären Gebrauch von Adjektiven wie „großartig“ aus; so oft, dass ich nicht umhin kam, das eine oder andere „großartig“ dann doch wieder zu streichen.

Sein Ziel war es außerdem, das Wort „fazitär“ in seinen Reviews zu etablieren. Jenes fand er so „großartig“, dass ich mich irgendwann dazu hinreißen ließ, es doch nicht in seinen Artikeln abzuändern. Mittlerweile bin auch ich dafür, dass dieses in den Duden gehört und ich werde es ihm zu Ehren das eine oder andere Mal sicherlich fortan selbst benutzen.

Stefan03Durch seine aufgeschlossene Art musste man Stefan einfach mögen. Er war vertrauensselig und verlässlich. Dies erkannten sogar diejenigen Personen, die ihn gerade erst kennengelernt haben, sodass er während eines Konzertbesuchs kurzerhand vom T-Shirt-Käufer am Merchstand zu dessen Betreuer wurde und mit großem Verkaufsgeschick in dieser Zeit sogar die eine oder andere CD an den Mann und die Frau gebracht hat.

Es gibt an dieser Stelle noch so viel über ihn zu erzählen. Vermutlich reicht das, was ich angerissen habe, nicht einmal ansatzweise aus, um ein Bild von Stefan zu vermitteln, welches ihm gerecht wird und ihn annähernd würdigt.

Ich bin Stefan auf ewig dankbar dafür, dass ich ihn kennenlernen durfte und dass es ihn gab. Dass er so war, wie er war und dass ich ihn einen großen und wichtigen Teil seines Lebens begleiten durfte. Er war einzigartig und ich vermisse ihn.
Es wird noch lange brauchen, bis ich gelernt habe, mit dem Schmerz umzugehen, den sein Tod verursacht hat, und bis die Wunden verheilt sind, die jede einzelne Erinnerung an ihn wieder aufreißt.

Stefan hinterlässt sowohl in meinem Privatleben als auch bei DeepGround eine große Lücke, die niemals geschlossen werden kann. Und auch, wenn ich diesen Nachruf aus meiner Perspektive geschrieben habe, so weiß ich doch, dass es viele Menschen dort draußen gibt, die Stefan berührt, geliebt und geschätzt hat. Und sie ihn!

Für uns alle ist sein Tod ein großer, schmerzvoller Verlust.
Es kam daher auch der Gedanke auf, DeepGround zu beenden. Da das Magazin – neben all unseren gemeinsamen Erlebnissen und Erinnerungen – jedoch das Einzige ist, was uns von ihm geblieben ist, werden wir weitermachen. In seinem Sinne, ihm zu Ehren und als Andenken an ihn. Wir hoffen, dass uns das gelingt.
Es steckt sein Herz in DeepGround und wenigstens dieses wollen wir weiterschlagen lassen.

Diesbezüglich versuchen wir, langsam in seine Fußstapfen zu treten, unser Bestes dabei zu geben und allmählich den Betrieb wieder aufzunehmen. Für Stefan und für Euch! Denn das ist es, was er gewollt und von uns erwartet hätte!

The life that we shared, is the life that I know.
Is the thing that I miss, since you had to go.
(In Legend, „Universe“)

In tiefster Trauer um Stefan!
In unserer Erinnerung und in unseren Herzen lebst du weiter!

 



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde




 
 

 

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5 Comments


  1. Timo Z.

    Sehr schön geschrieben und es hat einige Erinnerungen wieder geweckt…. Rest in Peace, Dude, du hinterlässt eine Lücke….


  2. Frank M.

    Sehr schöner Text, Lieber Stefan, Du wirst uns sehr fehlen … 🙁


  3. JD

    Hypnotoad, Kroete, Stefan,

    dort wo du jetzt bist, werden wir alle irgendwann landen… aber warum bist du so früh dort? Ich auf jeden Fall bin stolz, dich gekannt zu haben. Einen Menschen, mit dem man reden und teilen vermochte, einen Freund. Ich bin sehr traurig.

    Und danke auch für diesen tollen Text an Conny.


  4. Patricia K.

    Ich kannte ihn nicht sehr lange, aber er war ein toller Klassenkamerad. R.I.P.


  5. Ruta

    Am kommenden Montag, 30.03.2015 ist sein Geburtstag…



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