Review

Du bist ein Virus und hast endlich deinen ersten Patienten infiziert! Jetzt musst du dich schnell ausbreiten, mutieren und möglichst viele Organe befallen. […] Tummeln sich zu viele von euch in einem Organ, gibt es einen Kollaps und das Immunsystem mischt sich auch noch in dieses verrückte Treiben ein!

Dies ist nicht etwa die Beschreibung der derzeitigen weltweiten pandemischen Situation, sondern vielmehr ein Auszug aus dem Informationstext der deutschen Ausgabe des Brettspiels „Viral“. Erschienen bei Corax Games, bringt jener Spieleverlag das Strategiespiel von den Autoren Antonio Sousa Lara und Gil d’Orey im Juli bereits in der zweiten Auflage heraus.

Heikles Thema in heiklen Zeiten!?

In Zeiten von Corona ein Spiel namens „Viral“ zu zocken und auch noch zu rezensieren, mag für manch einen fehl am Platz wirken. Wissen sollte man aber, dass dieses „heikle“ Thema jedoch bewusst flapsig und mit viel Ironie umgesetzt wird und das Spiel dadurch zu keinem Zeitpunkt respekt- oder pietätlos ausfällt. Mehr noch kommt der spielbare Stratege unter den Brettspielen mit einem Lerneffekt daher, der Auszüge aus dem Biologieunterricht gut veranschaulicht und verständlich erfahrbar macht.

Kniffliger Stratege auf gehobenem Kennerspielniveau

Doch aufgepasst! Nicht ohne Grund lautet die Altersempfehlung hier ab 10 Jahren. Denn „Viral“ entpuppt sich als kniffliges Strategiespiel auf gehobenem Kennerspielniveau. Und dieses kann schon mal zwischen 60 und 90 Minuten dauern.

Worum geht es?

Wie der Name schon verrät, agieren hier mindestens 2, maximal 5 Spieler als unterschiedliche, lustig illustrierte Viren gegeneinander und infizieren die Organe und Körperzonen eines Patienten. Dabei gilt es zu mutieren, um sich auf möglichst viele Organe auszubreiten, sie zum Kollabieren zu bringen und dadurch sogenannte Viruspunkte zu sammeln.

Doch während jedes Spielelement der Kontrolle eines jeden Spielers unterliegt, können Interaktionen der Mitspieler die eigene Taktik beeinflussen. Abwechslungsreiche Ereigniskarten, das starke Immunsystem des Patienten sowie die Erforschung eines Heilmittels gestalten das Spielgeschehen zusätzlich sehr variabel und können den Spielstand nach jeder Runde immer wieder ändern.

Eine komplette Partie „Viral“ geht über insgesamt sechs Runden. Diese sechs Runden bestehen wiederum aus sechs Phasen, darunter das Auswählen der Mutations- und Zonenkarten, die Forschung, das Event, die Reaktion des Immunsystems, die Heilbehandlung und das Ende der Runde, welches in der Punktevergabe und Ermittlung des Rundensiegers mündet.
Den Überblick über diese einzelnen Spielsequenzen verliert man nicht, da sich am linken Spielfeldrand eine selbsterklärende und bebilderte Übersicht befindet, dessen Stand zusätzlich durch einen Phasenzähler markiert ist.

Das Spiel endet nach der sechsten Phase der sechsten Runde. Gewonnen hat derjenige, der dann die meisten Viruspunkte gesammelt hat.

Ansteckender Spielspass

Sind die Illustrationen zwar nicht die allerhöchste Unterhaltungskunst, aber trotzdem noch thematisch ansprechend dargestellt, weist „Viral“ als solches eine hohe Wiederspielbarkeit auf.

Es braucht eventuell die eine oder andere Runde, um in den Spielfluss zu kommen, sind die Regeln und Phasenabläufe aber dann einmal verinnerlicht, läuft es wie am Schnürchen und der Virus verbreitet sich hier – wie in der Realität auch – quasi wie von selbst.

Einblick in das Spielmaterial von „Viral“. (Copyright: Corax Games)

Behilflich ist dabei eine umfassende Spielanleitung, die keine Wünsche offenlässt. Kompakte Regeln und einfache Spielerklärungen inklusive zahlreicher Abbildungen und Beispiele erleichtern das Verstehen des komplexen Spielsystems. Ebenfalls enthalten und gut verständlich sind in dem beiliegenden 16-seitigen Spielregel-Heft die Erklärungen zum Spielprinzip für zwei Spieler sowie zu einer zusätzlichen Variante für erfahrene Spieler, die mehr Strategien erlaubt.

Für Spieler, die sich herkömmlicherweise lieber auf ihr Glück denn auf ausgeklügelte Strategien verlassen, könnte der Spielspaß nicht ganz so ansteckend ausfallen. Daher kommen vor allem Allrounder-Brettspieler und Taktik-Fans mit „Viral“ voll auf ihre Kosten.

Fazit

Während man beim Gang nach draußen momentan definitiv zum Mund- und Nasenschutz greifen sollte, schleudert man in „Viral“ liebend gern mit seinen Viren um sich. Der Spaßfaktor bleibt konstant aufrecht und so dürfte hier schnell das Motto lauten: Zocken bis der Arzt kommt. Letzteres aber hoffentlich dann besser doch nicht!

Video

Spielinfo

Du bist ein Virus und hast endlich deinen ersten Patienten infiziert! Jetzt musst du dich schnell ausbreiten, mutieren und möglichst viele Organe befallen. Aber aufgepasst, die anderen Viren haben das gleiche Ziel! Tummeln sich zu viele von euch in einem Organ, gibt es einen Kollaps und das Immunsystem mischt sich auch noch in dieses verrückte Treiben ein!

Im Kern ist Viral ein taktisches Mehrheiten- und Programmierspiel. Es gibt keine Glückselemente, nur das eigene Können zählt. Man muss in Form eines Virus die verschiedenen Organe des menschlichen Körpers befallen und mutieren. So erhält man Punkte. Zu Beginn einer Runde legt man immer Organe und Mutationen aus, um zu bestimmen wo etwas passiert und was. Für eine Runde sind ausgespielte Karten dann nicht nutzbar, anschließend kommen sie aber wieder zurück auf die Hand. Um sich im Körper zu bewegen muss immer die Flussrichtung beachtet werden.

(Quelle: Corax Games)

Spielmaterial

1 Spielregel
1 Spielbrett
5 Spielertafeln
40 Virusplättchen
8 Zonenmarker
4 Kollapsmarker
1 Phasenzähler
5 Vorrangmarker
5 Forschungsmarker
1 Startspielermarker
5 Wertungssteine
85 Karten

Details

Hersteller: Corax Games
Sprache: Deutsch
Freigabe: Empfohlen ab 10 Jahren
Anzahl Spieler: 2-5
Spieldauer: ca. 60-90 Min.
Vö-Datum: 07/2020
Homepage Hersteller: Corax Games

Copyright Cover: Corax Games



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde