Review

Als „Kartenspaß im Wolfspelz für 2 – 4 Spieler ab 10 Jahren kündigt die Beschreibung das taktische Kartenspiel „Silver – Amulett“ aus dem Hause Ravensburger an.

Jenes kommt in handlicher Mitbringspielgröße daher und wurde von den Machern von „Werwölfe Vollmondnacht“ erdacht, darunter Spieleautor Ted Alspach.

Dies erklärt auch die Hintergrundstory von „Silver – Amulett“.

Die Hintergrundstory

So haben sich garstige Werwölfe in die Dörfer der Spieler eingeschlichen. Es gilt, die pelzigen Plagen schneller wieder loszuwerden als die Mitspieler, indem man Karten zieht, ausspielt und austauscht.

Die Darstellung der Werwölfe reduziert sich dabei allerdings auf die Abbildung von Zahlen (0 – 13) in der oberen linken Ecke auf den im Spiel enthaltenen 52 Charakter-Karten.

Diese wiederum stellen die Dorfbewohner der Spieler dar und bringen unterschiedliche Fähigkeiten mit sich, die den Spielverlauf des betreffenden Spielers positiv, aber auch negativ beeinflussen können. Denn der Clou an „Silver – Amulett“ ist auch, dass man lange nicht weiß, wer in seinem eigenen Dorf (symbolisiert durch die Auslage von 5 Karten) eigentlich wohnt.

Was sich – die Story betreffend – eigentlich spannend anhört und sicherlich nicht nur Fantasy-Fans ansprechen dürfte, entpuppt sich jedoch schnell als äußerst konstruiert. Denn das Motiv der Werwölfe in „Silver – Amulett“ ist leider komplett austauschbar und entbehrlich, da sich im Spiel selbst kaum respektive viel zu wenig offensichtliche Bezüge zu dieser Geschichte wiederfinden. Diesbezüglich wäre eine konkretere Visualisierung der Werwölfe wünschenswert gewesen. So aber scheint es, als habe man nur dringend einen Bezug zur Bestseller-Bluffspiel-Reihe „Werwölfe“ herstellen wollen, um an deren Erfolg anknüpfen zu können.

Der Spielverlauf

Davon abgesehen kann das Kartenspiel über vier Runden bezüglich seines Spielverlaufs aber durchaus gefallen.

Los geht es mit dem Aufbau des Spiels und dem damit einhergehenden Austeilen der 52 Charakter-Karten.
Zu Beginn einer Partie hat jeder Spieler davon fünf verdeckte Karten mit verschiedenen Charakteren vor sich liegen, darunter aus der „Werwölfe“-Welt bekannte Figuren wie die Seherin, der Leibwächter oder die Doppelgängerin.

Im weiteren Spielverlauf gilt es herauszufinden, welche Charaktere sich unter den verdeckten Karten verbergen, und wie man diejenigen mit hohen Zahlen loswerden kann, da diese Zahlen – wie erwähnt – die Anzahl der Werwölfe, die dieser Charakter ins Dorf lockt, widerspiegeln.
Die Spieler versuchen daher ihre Auslage kennenzulernen, zu verbessern und möglichst wenige Werwölfe zu besitzen. Dies geschieht in drei wählbaren Aktionen. Zieht man also eine Karte, kann man sie mit einer Karte aus der Auslage tauschen oder wieder ablegen und die besondere Fähigkeit des jeweiligen Charakters nutzen.

Ein Extra bildet dabei die Aktion „Ruf die Abrechnung aus“. Diese kann jedoch nicht gleich zu Beginn zum Einsatz kommen, da ein Spieler als Voraussetzung dafür nur noch 4 oder weniger Karten in der eigenen Auslage liegen haben darf.

Insgesamt gilt: Wer seine Karten clever ausspielt und austauscht sowie ein gutes Gedächtnis beweist, hat am Ende die wenigsten Werwölfe am Hals – und sichert sich den Sieg. Entsprechend werden am Ende eines jeden Durchgangs die sogenannten Strafpunkte gezählt, um den Gewinner zu ermitteln.

Nach durchschnittlich 45 Minuten ist „Silver – Amulett“ schließlich beendet und der Gesamtsieger aus allen vier zu spielenden Runden steht fest.

Der Spieleindruck

Spielt man „Silver – Amulett“ das erste Mal, ist es zunächst unabdingbar, des Öfteren in der Spielanleitung nachzulesen, um den Überblick über die möglichen Aktionen und Regeln zu bewahren. Hierfür erweisen sich aber die mitgelieferten Spielzugübersichten – im kompakten Kartenformat der übrigen Spielkarten – als äußerst hilfreich. Platziert in bzw. neben der eigenen Auslage, behält man so den Ablauf gut im Blick.

Ein immer wiederkehrender Blick in das ebenfalls im Lieferumfang enthaltene „Kartenglossar“ ist außerdem zu Beginn dringend von Nöten. Denn nur so erfährt man, welche Fähigkeiten die einzelnen Charaktere besitzen und wie diese zu nutzen sind.

Es entsteht dadurch eine zunächst eher zähe erste Partie, nach der man schließlich aber in ein flüssiges Spiel findet, das dann auch seinen Charme entfaltet.

Einblick in das Spielmaterial von „Silver – Amulett“. (Copyright: Ravensburger / team dv GmbH)

Wie schon bei vielen anderen Spielen, ist „Silver – Amulett“ durchaus zu zweit gut spielbar. Dennoch empfiehlt es sich, mit mehreren Mitspielern das Kartenspiel zu bestreiten, denn erst dann entfalten sich der Spaß und die Spielentwicklung umso mehr.

Die Altersempfehlung ab 10 Jahren ist plausibel, allerdings sind etwas taktisches Geschick und vor allem ein gutes Gedächtnis hier nicht unbedingt von Nachteil. Diesbezüglich könnten erwachsene Spieler den jüngeren Mitstreitern daher ein wenig überlegen sein.

Schnell zeigt sich auch, dass das Timing bei der „Abrechnung“ entscheidend über Sieg oder Niederlage sein kann. Ein Spielkniff, der den Ausgang des Spiels schnell oder auch verzögert immer noch ändern kann und so die Spannung aufrechterhält.

Das Spielmaterial

Durch das nicht allzu umfangreiche und gut händelbare Spielmaterial, das in Optik und Haptik absolut ansprechend ausfällt, ist „Silver – Amulett“ problemlos für unterwegs geeignet. Die Karten wirken zudem ausreichend strapazierfähig, sodass sie dem sicherlich stattfindenden mehrmaligen Spielen standhalten werden.

Fazit

„Silver – Amulett“ erweist sich nach einigen Partien als kein Hexenwerk – leider aber auch nur bedingt als Werwolf durchzogenes Kartenspiel. Das gewählte Thema bzw. die Hintergrundstory hätten sich – vor allem visuell – weitaus deutlicher im Spielmaterial wiederfinden können. Trotzdem ein kurzweiliger Zeitvertreib, der die Spielesammlung um ein empfehlenswertes Kartenspiel bereichern kann.

 

Spielinfo

Kartenspaß im Wolfspelz!

Wilde Werwölfe suchen eure Dörfer heim! Wirst du deine Wölfe schneller los als deine Mitspieler?

Nutzt beim Ausspielen und Austauschen eurer Karten die Fähigkeiten der Seherin, des Leibwächters und vieler anderer Dorfbewohner und sichert euch das wertvolle Silber-Amulett.

Wer am Ende die wenigsten Wölfe in seinem Dorf hat, gewinnt!

(Quelle: Ravensburger)

Spielmaterial

60 Karten (52 Charakter-Karten / 8 Übersichtskarten)
1 Silber-Amulett
Kartenglossar
Spielanleitung

Details

Hersteller: Ravensburger
Sprache: Deutsch
Freigabe: Empfohlen ab 10 Jahren
Anzahl Spieler: 2-4
Spieldauer: 45 Min.
Vö-Datum: 01/2020
Homepage Hersteller: Ravensburger

Copyright Cover: Ravensburger



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde