Review

Vor über zehn Jahren ist der erste Teil der „Sherlock Holmes“-Reihe für den PC erschienen, im September 2014 legte Frogwares in Zusammenarbeit mit Focus Home Interactive nach, denn „Crimes & Punishments“ eroberte den Bildschirm vieler Adventure-Fans.

Ein großes Kompliment gilt dabei zunächst einmal der Pressearbeit, von der die eigentliche Spielerschar im Normalfall ja gar nichts mitbekommt. Die Aufmachung des Pressetextes in Form und Optik einer Scotland Yard Akte begeistert und macht sogleich Lust auf „Crimes & Punishments“. Das durchdachte und visuell ansprechende Konzept der Veranschaulichung wichtigster Informationen und Details überzeugt. Dies sei aber nur am Rande erwähnt, denn mit dem eigentlichen Spielerlebnis hat das natürlich nichts zu tun. Dennoch sei die Liebe zum Detail und die Mühe, die sich die PR-Abteilung gemacht hat, an dieser Stelle auch einmal positiv herausgestellt.
Schade, dass dieses Konzept nicht auch auf die Kaufversion von „Sherlock Holmes: Crimes & Punishments“ angewandt wurde, beispielsweise auf das Handbuch oder die Verpackung. Beides kommt „nur“ im herkömmlichen Format daher und bietet keine derlei spiel- oder themenbezogenen optischen Extras. Aber vielleicht kann der neue „Sherlock Holmes“ ja auf andere Art überzeugen?

Verdächtigen kann mit 14 Vernehmungstechniken auf den Zahn gefühlt werden (Copyright: Frogwares / Focus Home Interactive)

Verdächtigen kann mit 14 Vernehmungstechniken auf den Zahn gefühlt werden (Copyright: Frogwares / Focus Home Interactive)

Die Installation des Spiels über Steam läuft schon einmal vorbildlich ab. Weder mit langen Wartezeiten noch mit Komplikationen muss sich der Spieler, der sich in den folgenden ca. 15 bis 20 Stunden in die Rolle des wohl bekanntesten Detektivs begibt, herumärgern.

Startet man „Crimes & Punishments“ dann und taucht in das viktorianische London von „Sherlock Holmes“ ein, so fällt die – für ein Adventure mit Point-and-Click-Elementen zwar nicht so bedeutende, hier aber hervorragend umgesetzte – Grafik auf. Details wie beispielsweise gelungene Schatteneffekte tragen ungemein zur Atmosphäre bei. Auch wenn sich die Mimik der Figuren nicht immer klar und deutlich abzeichnet, übertrifft das Spiel die grafischen Ansprüche, die man an dieses Genre stellt.

Ein gewisser Detailreichtum ist jedoch nicht nur die Grafik betreffend auszumachen, auch inhaltlich werden Fans von „Sherlock Holmes“ auf ihre Kosten kommen. Einige Anspielungen auf das „Sherlock Holmes“-Universum (hauptsächlich basierend auf der literarischen Vorlage von Sir Arthur Conan Doyle, aber im Falle von „Crimes & Punishments“ erweitert um moderne Elemente, die den Protagonisten des Adventures der Neuzeit mehr anpassen) können wiedererkannt werden. Für Nicht-Fans sind diese „Extras“ sicherlich wie die sprichwörtlichen Perlen, die vor die Säue geworfen werden, werden sie doch als Anspielungen nicht erkannt, das macht aber gar nichts, denn das Spielerlebnis wird durch Kenntnis oder Unkenntnis über „Sherlock Holmes“ nicht beeinflusst.

Anders als in den“Holmes“-Vorgängerteilen trifft man bei „Crimes & Punishments“ allerdings nicht auf eine offensichtlich zusammenhängende Geschichte. Vielmehr gilt es, sechs einzelne Fälle zu lösen, die in sich geschlossen sind, jedoch nicht aufeinander Bezug nehmen.

Interessante Fälle sorgen für Abwechslung und mitunter für eine Herausforderung. (Copyright: Frogwares / Focus Home Interactive)

Interessante Fälle sorgen für Abwechslung und mitunter für eine Herausforderung. (Copyright: Frogwares / Focus Home Interactive)

Die einzelnen Fälle bzw. Episoden variieren dabei nicht nur thematisch (darunter Altbewährtes wie ein klassischer Mord oder Diebstahl, aber auch „Fantastisches“), sondern auch vom Schwierigkeitsgrad.
Den Episodencharakter des Spiels muss man zwar mögen, er bringt aber die Vorteile, dass zum einen auch nach längeren Pausen der Spielfluss nicht unterbrochen wird, indem man etwa den Anschluss an die Story verpasst, und zum anderen kann „Crimes & Punishments“ auch als zwischendurch stattfindende Unterhaltung und Ablenkung vom Alltag fungieren, da die Fälle zwar teilweise komplex, oftmals aber auch sehr kurzweilig angelegt sind.

Doch wie löst man in der Rolle als Sherlock Holmes denn nun einen Fall?
Ähnlich wie der investigativ und beobachtend vorgehende literarische Holmes, der für sein Kombinationsgeschick bekannt ist, ermitteln auch wir Spieler. Gut integrierte obligatorische Minigames sorgen für zusätzliche Abwechslung und lockern das Spielerlebnis weiter auf.
Der „Krimi“-Aspekt ist dabei verbunden mit Point-and-Click-Mechaniken. Daneben stehen 14 Vernehmungstechniken zur Auswahl, die die Befragung eines Verdächtigen gleich viel interessanter machen und die Freiheiten der Spieler von „Crimes & Punishments“ unterstreichen, allen voran die Entscheidungsfreiheit über Schuld und Unschuld eines Verdächtigen. Diesbezüglich gibt es kein klassisches Richtig oder Falsch, Fehlentscheidungen ziehen jedoch Konsequenzen nach sich. Es empfiehlt sich also, das Hirn nicht vollständig beim Zocken abzustellen.

Dabei dürfte die Spielweise wie aus dem Effeff funktionieren.
Wir bewegen uns als Sherlock Holmes durch die Bedienung der Tastatur und Maus (wahlweise und nach Geschmack kann auch ein Xbox 360 Controller für Windows verwendet werden). Insbesondere was die Mausführung angeht, sollte aber ein ruhiges Händchen Voraussetzung sein, ansonsten sind nach kurzer Zeit Kopfschmerzen vorprogrammiert, denn es „ruckelt“ ganz schön. Schuld daran sind jedoch nicht die Grafik oder technische Versäumnisse, sondern die Bewegungen laufen durch zu hektisches Maus-Bewegen einfach zu schnell und wackelig ab, als dass das Auge folgen kann. Mit einiger Zeit gewöhnt man sich jedoch daran (oder nimmt eine Kopfschmerztablette).
Auch die Perspektive kann man wechseln, was eine gute Übersicht gewährt.

Genaues Beobachten, Hinweisen nachgehen und geschicktes Kombinieren ist gefragt, wenn die Spieler in die Rolle des weltberühmten Detektivs schlüpfen. (Copyright: Frogwares / Focus Home Interactive)

Genaues Beobachten, Hinweisen nachgehen und geschicktes Kombinieren ist gefragt, wenn die Spieler in die Rolle des weltberühmten Detektivs schlüpfen. (Copyright: Frogwares / Focus Home Interactive)

Betrüblich ist „Sherlock Holmes: Crimes & Punishments“ für jene Zocker, die der englischen Sprache nicht mächtig sind, denn auf eine deutsche Sprachausgabe muss in diesem Fall verzichtet werden. Obschon deutsche Untertitel für Verstehen bei Fremdsprachen-Amateuren sorgen, ist es gerade die Sprachausgabe des (Oxford) Englischen, die eine zusätzliche stimmungsvolle Note in das Spiel bringt und für Authentizität sorgt.
Auch wenn es also ein großes Versäumnis ist, dem Spiel keine deutsche Sprachausgabe verpasst zu haben, so fördert das Englischsprachige doch ungewollt dessen Stimmung und Glaubwürdigkeit.

Sieht man dann noch von längeren Ladezeiten ab, ist „Sherlock Holmes: Crimes & Punishments“ ein gutes Adventure, das insbesondere für Holmes-Fans empfehlenswert ist, da man in keinem vorherigen Teil näher an dieser Figur dran war.

Trailer

Beschreibung

Sherlock Holmes: Lebe mit deinen Entscheidungen!

Folgst Du deinem moralischen Kompass oder den Buchstaben des Gesetzes? Löse spannende und abwechslungsreiche Fälle im viktorianischen England: Vermisste Personen, blutige Morde oder spektakuläre Diebstähle erfordern deine Ermittlungen, die dich sogar ins Reich des Paranormalen führen.

„Crimes & Punishments“ erlaubt es dir erstmals so zu ermitteln und zu kombinieren, wie du es für richtig hältst. Nutze die Deduktion, folge Hinweisen, verhöre Verdächtige und konfrontiere sie mit deinen Beweisen. Ihr Schicksal liegt in deinem Urteil! … die Konsequenzen deines Handelns werden dich genau dann heimsuchen, wenn du es am wenigsten erwartest!

(Quelle: Focus Home Interactive)

Sherlock Holmes: Crimes & Punishments – Homepage
Sherlock Holmes: Crimes & Punishments – Twitter

Systemanforderungen

Minimale Systemvoraussetzungen:
• Betriebssystem: Windows Vista SP2 / 7 / 8
• Prozessor: AMD / Intel Dual Core 2.4 GHz
• Speicher: 2048 MB RAM
• Grafik: 256 MB 100% DirectX 9 kompatibel / AMD Radeon HD 3850/NVIDIA Geforce 8600 GTS oder höher
• Festplatte: 14 GB freier Speicher
• Soundkarte (DirectX 9 kompatibel), DVD-Laufwerk, Maus

Internetverbindung für Spielaktivierung erforderlich (Steam)

Details

Hersteller: Frogware / Focus Home Interactive
Sprache: Englisch (Spiel) / Deutsch (Handbuch)
Freigabe: FSK 12 / Pegi 16
Anzahl Spieler: 1
Vö-Datum: 30.09.2014
Homepage Hersteller: Focus Home Interactive

Copyright Cover: Focus Home Interactive



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde