Review

„Willst du Krebs heilen oder aber die Hungersnot beenden?“ Was? Ich möchte doch eigentlich nur spielen. Nach den ersten zehn Minuten ist das allerdings die erste Frage, die ihr per Entscheidung beantworten müsst.

Ich denke, dass hiermit bereits klar ist, in welche Richtung Volition mit „Sains Row IV“ geht: Total abgedreht, total wahnsinnig und einfach voll mit schwarzem Humor, Sexismus und miesen Prollo-Sprüchen.
Natürlich könnte man „Saints Row“ als billigen Abklatsch von „GTA“ anpreisen, aber das würde dem Spiel nicht gerecht werden. Sowohl „GTA“ als auch „Saints Row“ haben ihre Vor- und Nachteile. Jene von „Saints Row IV – Re-Elected“ schauen wir uns heute an.

Story:
Puh, gar nicht so einfach hier durchzusteigen.
Zuerst sind wir der aktuelle Präsident der Vereinigten Staaten. Quasi Klein-Obama. Mit Machosprüchen und dummen Kommentaren erinnern wir zwar eher an George W. Bush, aber das sei nur am Rande erwähnt.
Als Mitglied der Saints-Gang sind wir im Namen der Welt unterwegs und kämpfen für das Gute. Und das ist auch nötig, denn die Menschen werden von einer Alien-Invasion heimgesucht. Zinyak, ihr Anführer, möchte die gesamte Menschheit auslöschen. Soweit also nichts Neues, jedoch kann der Charakter mit seinem Sarkasmus überzeugen und ist eher ein lustiger Sidekick als eine wirkliche Bedrohung.

Auch in den Mini-Events und -spielen lauern die Gefahren an jeder Ecke. (Copyright: Deep Silver)

Auch in den Mini-Events und -spielen lauern die Gefahren an jeder Ecke. (Copyright: Deep Silver)

Hinzu kommt eine simulierte Welt, die sehr nah an „Matrix“ angelehnt ist. Nicht nur, dass wir dort Superkräfte entwickeln, nein, wir erleben auch allerlei abgedrehte Mini-Events oder -spiele. Jeder ist uns feindlich gesonnen und will uns umbringen. Überall findet man Aliens oder Polizisten, die gegeneinander kämpfen. Der perfekte Spielplatz für Spätpubertierende.

Im Verlauf des Spiels trifft man auf alte Bekannte und nähert sich ihnen im „Mass Effect“-Stil.
Zu ihnen gehören Matt Miller oder Kinzie, die eher als Operator dient; allesamt Freunde von uns und Mitglieder der Saints-Crew.
In unserem riesigen Raumschiff kommen alle zusammen, um die Missionen zu planen. Es dient als Hauptquartier und hält die eine oder andere Überraschung für euch bereit.

Gameplay:
Von diesen Überraschungen bietet „Saints Row“ eine ganze Menge. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich bis jetzt keinen anderen „Saints Row“-Teil gespielt habe, weshalb ich auch nicht weiß, ob die Reihe schon immer so krank war, aber dieser Teil ist es definitiv.
Es paaren sich „GTA“, „Infamous“, „Matrix“, „Mass Effect“, „Prototype“, „Tron“, „Independence Day“ und „Double Dragon“. Ach, und ein klein wenig „Mortal Kombat“. Die Mischung klingt überladen, falsch oder gar lächerlich. „Saints Row 4“ schafft es aber, diese Spiele und Filme zu vereinen, was daran liegt, dass sich das Spiel zu 0,0% ernst nimmt. In Verbindung mit der Spielwelt und den abgedrehten Charakteren ist wirklich alles möglich und die Entwickler schöpfen dieses Potenzial voll aus.

Die simulierte Welt ist ein Spielplatz voller Möglichkeiten. Läden werden gehackt, um sie betreten und dort einkaufen zu können. Man kann rennen, laufen oder eine Art Killing Spree veranstalten. Im „Professor-Genkhi“-Spiel schmeißt man Menschen und Autos durch bestimmte Ziele. In einer Mission müssen wir Claus, die böse Seite von Santa Claus, besiegen; nur so kann Weihnachten gerettet werden.
Falls ihr also gerne Zeitangaben in Spielen habt, dann vergesst das für „Saints Row“ direkt wieder.

Die Location erinnert stark an New York oder eine andere x-beliebige amerikanische Stadt. Damit kommen wir zu einem Punkt, den „GTA“ und „Saints“ gemeinsam haben. Der Vergleich muss einfach gezogen werden, denn es ist so offensichtlich beim großen Bruder abgeschaut, dass einem die Nutella vom Brot fällt. Allerdings spielt sich „Saints Row“ nicht wie „GTA“. Die Superkräfte lockern das ganze Geschehen extrem auf. Ob schnelleres Rennen, das Springen bis zum größten Gebäude oder der schnelle Angriff, sozusagen ein One-Hit Kill, „Saints Row“ spielt sich deutlich fluffiger. Leider ist der Spielfluss durch die hackelige Steuerung etwas getrübt.

Das HUD hat man sich ebenfalls beim großen Bruder abgeschaut, aber mal ehrlich, was will man da groß verändern? Links die Karte, rechts die Waffen und Energieanzeige. Zwischendurch poppt sämtlicher Kleinkram auf, der das Ganze ab und an etwas unübersichtlich macht. Das passiert gerade dann, wenn man Gegnermassen niedermetzeln muss.
Dies macht oft keinen Spaß, denn so viele Gegner sind schwer unter Kontrolle zu bringen. Hier helfen die Begleiter (vier sind optisch frei wählbar), die ordentlich loslegen. 

Skillsystem und Charaktergestaltung fallen durch unzählige Entscheidungsmöglichkeiten positiv auf. (Copyright: Deep Silver)

Skillsystem und Charaktergestaltung fallen durch unzählige Entscheidungsmöglichkeiten positiv auf. (Copyright: Deep Silver)

So oder so ist die Charaktergestaltung einmalig. Ihr liebt „The Elder Scrolls“ für seine Charakterauswahl? Bullshit, „Saints Row“ gibt euch alles.
Mein Charakter war beispielsweise eine Mischung aus weiblichem Prollo-Hulk mit Dante Mantel, Son Goku Haaren und sexy hochhackigen Stiefeln. Die Morpheus Brille durfte in Kombination mit Hot Pants ebenfalls nicht fehlen. Das ist nur eine Möglichkeit von vielen. Das Speichern mehrerer Charaktermodelle macht die Entscheidung einfach, da man immer wieder zwischen den Chars wechseln kann. Hier lässt „Saints Row“ keine Wünsche offen.

Gepaart mit dem (im positiven Sinne) „miesen“ Humor, der teilweise wirklich ziemlich übel ist, nimmt „Saints Row“ so gut wie alles auf die Schippe, was den Entwicklern vor die Flinte lief. Des Öfteren wird euer Herz vor Freude aufgehen.

Fähigkeiten/Skill:
Das Skillsystem ist für einen Third-Person-Shooter sehr breit gefächert.
Es beginnt bei Aufwertungen für die Lebensenergie und streckt sich über die Panzerung durch Waffenaufwertungen bei bestimmten Angriffen. Genauigkeit oder Schaden spielen hier große Rollen. Dazu sei gleich noch gesagt, dass die Auswahl phänomenal ist. Dubstep-Gun trifft auf Riesendildo-Schläger. Mit seinem Riesenprügel knüppelt man so ziemlich alles nieder.
Es endet bei den Superkräften. Dazu zählen ein hoher Sprung und das schnelle Laufen, Telekinese, um Gegenstände und Menschen schweben zu lassen, oder eine Bodenwelle, die mächtig Radau mit sich bringt. Diese ganzen Fähigkeiten sind nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern wirklich wichtig. In kleinen Tutorials à la „Matrix Übungsraum“ lernt man sie kennen und zu nutzen. Mit bloßer Waffengewalt kommt man nicht weiter.

Die Skills setzen natürlich Geld und Skillpunkte voraus. In „Saints Row“ sammelt man durch Missionen sein digitales Geld und steigt auch im Level. Die „Erfahrungspunkte“ verdient man sich durch das Einsammeln von sogenannten „Datensammlungen“. Das sind kleine glitzernde Elemente, die man nicht übersehen kann und die über die gesamte Spielwelt verteilt sind. Wichtig: Fähigkeiten können nur in der Simulation verwendet werden. Außerhalb dieser passiert gar nichts und euer Held ist so sprunggewaltig wie ein Sack Reis.

Sack Reis? Wohl eher ein leckerer Schluck Saints Flow? Oh nein, PAUL!

Grafik:
Bei Paul handelt es sich um einen übergroßen und aggressiven Energy Drink, den es zu töten gilt. Der ist grafisch auch richtig gut umgesetzt, denn seine fiese Optik passt zum extrem unsympathischen Energy Drink. Leider kann „Saints Row 4“ nicht immer so glänzen. Es hat seine schwachen Momente und obwohl es sich um die Remastered Version mit allen DLCs und optimierter Optik handelt, ist das Gesamtkonzept nicht mehr zeitgemäß. Die Next Gen Konsolen sind mittlerweile etabliert und verdienen „good looking“ Titel und nicht nur diverse miese HD Remakes, denn das scheint derzeit ein großer Trend zu sein. Versteht mich nicht falsch, „Saints Row 4“ sieht okay aus, stellenweise auch richtig chic, aber oft lachen einen matschige Texturen an, des Öfteren gehen Sound und Bild auseinander und 3 bis 4 Mal hing sich das Spiel komplett auf oder ein Charakter, der eine Aktion ausführen sollte, war einfach weg. In einer Mission sollte zum Beispiel ein Schlüssel transportiert werden. Vor meinen Augen verschwand er im Boden und wurde mir auf dem Grund des Meeres angezeigt. Mitten in einer Mission. So etwas darf 2015 nicht mehr passieren. Auch der Spielfluss wird durch diverse Ruckler und Sprünge gehemmt, die nicht nachvollziehbar sind, denn meist geschieht das, wenn nicht viel los ist.

Die Kulisse ist oftmals zu eintönig, dafür überzeugen Gameplay, Humor und Ideenreichtum der Entwickler. (Copyright: Deep Silver)

Die Kulisse ist oftmals zu eintönig, dafür überzeugen Gameplay, Humor und Ideenreichtum der Entwickler. (Copyright: Deep Silver)

Die Optik ist im Grunde eher düster und eintönig. Die einzigen Knaller bieten sich in den Gefechten. Aliengeschosse und Skills krachen über das Schlachtfeld und machen eine Menge Laune. Ist das aber vorbei, dann sind wir wieder in der langweiligen Simulation, die optisch nicht viel hermacht. Schade …

Fazit:
„Saints Row IV -Re-Elected“ macht vieles richtig. Das Gameplay und der Humor können wahrlich überzeugen und fesseln einen für locker 30-40 Stunden vor dem Bildschirm. Wer auf schwarzen Humor und mit viel Liebe inszenierte Sidekicks auf verschiedene Spielklassikern steht, der hat hier extrem viel Spaß. Danach fehlt es aber an Substanz und dem Drang, das Ganze noch einmal zu erleben. Die optische Präsentation ist leider nicht mehr zeitgemäß und trübt das sonst sehr gute Spielgeschehen. Für Freunde von DLCs und Add-Ons warten in der „Re-Elected“-Version alle DLCs, die jemals für das Spiel veröffentlicht wurden.

Trailer

Beschreibung

In „Saints Row IV“ geschieht das Unfassbare: Der Obermuckel der Saints wird Präsident der Vereinigten Staaten. Was könnte „Saints Row IV“ jetzt noch abgedrehter machen?
Richtig, eine krasse Alien-Invasion! Die Saints landen in einer bizarren Steelport-Simulation. Mit enormen Superkräften gilt es, die Menschheit aus den Fängen des Ober-Aliens Zinyak zu befreien. Frei nach dem Motto: „Escape or die tryin'“ ist es an den Spielern, die Saints aus ihrem Dilemma zu befreien und die Welt zu retten … wenn man das so nennen möchte.

„Saints Row IV: Re-Elected“, die brandneue, für Next-Gen Konsolen angepasste Version lässt dich über riesige Gebäude springen, Lieder singen, in 2D (!) und 3D kämpfen, Krebs heilen, Santa Claus retten und noch vieles mehr. So erwartet dich in „Saints Row IV: Re-Elected“ ein unglaubliches „Special-Pack“, das den preisgekrönten Blockbuster „Saints Row IV“ mit allen seinen DLCs enthält.

(Quelle: Deep Silver)

Saints Row – Homepage
Saints Row – Facebook
Saints Row – Twitter

Details

Hersteller: Volition / Deep Silver
Sprache: Englisch ( Untertitel / Handbuch auf Deutsch )
Schwierigkeit: Mittel
Freigabe: FSK 18
Anzahl Spieler: Einzelspieler / Koop
Vö-Datum: 23.01.2015
Homepage Hersteller: Volition / Deep Silver

Copyright Cover: Volition / Deep Silver



Über den Autor

Marcus
Marcus