Review

Klaus Teuber gilt als einer der kreativsten Köpfe in der deutschen Brettspielbranche – und das völlig zu Recht, denn schließlich hat er unter anderem das Kultspiel „Die Siedler von Catan“ entwickelt, welches sich nach wie vor größter Beliebtheit erfreut.
Auch das Brettspiel „Norderwind“ stammt aus seiner Feder, wodurch eine innovative Spielidee quasi garantiert ist.

In „Norderwind“ müssen die Spieler möglichst schnell und effektiv zehn Siegpunkte erreichen. Dieses geschieht durch eine Kombination mannigfaltiger Optionen.
Zum einen – und dabei handelt es sich um das Kernelement dieses Spieles – sollte man Aufträge für drei nordische Städte erfüllen. Diese reichen vom schnöden Zahlen von Goldmünzen über das Einfangen garstiger Piratenkapitäne bis hin zur Lieferung bestimmter Waren – oder einer Kombination mehrerer dieser Faktoren. Denn je mehr Aufträge man erfüllt, desto gieriger werden die Stadtoberen.

Aber auch das Aufrüsten des eigenen Schiffes oder der besondere Fleiß bei der Erfüllung der Aufträge werden mit Siegpunkten belohnt. Diese kann man jedoch genauso schnell wieder verlieren, wie man sie bekommt.

Klaus Teuber (Copyright: Klaus Teuber)

Klaus Teuber (Copyright: Klaus Teuber)

Das Prinzip ist so simpel wie genial: „Norderwind“ wird ohne ein klassisches Spielbrett gespielt und es gibt auch keine klassischen Würfel, die festlegen, wie weit man sich bewegen kann. Vielmehr besitzt jeder Spieler ein Schiff, mit welchem er in See stechen kann.
Die unternommene Reise wird durch einen von drei Kartenstapeln dargestellt, bei dem man (je nach Ausrüstungsstufe des eigenen Schiffes) eine entsprechende Anzahl von Karten aufdecken darf.
Jede dieser Karten bietet eine Interaktionsmöglichkeit. Man kann beispielsweise Waren kaufen oder verkaufen, ein Schiffswrack durchsuchen, um an Goldmünzen zu gelangen, sein eigenes Schiff aufrüsten oder man trifft auf die Schrecken der Meere, die Piraten.
Letzteres Szenario stellt die einzige Situation im Spiel dar, in der Würfel zum Einsatz kommen, denn diese entscheiden über die Stärke der Piraten und darüber, ob man sie besiegt. Auch hier spielt die Ausrüstungsstufe des Schiffes eine wichtige Rolle.

Es gilt, geschickt zwischen Aufrüsten des Schiffes, dem Anschaffen von Waren oder der gezielten Piratenjagd zu entscheiden, um schnell zum Ziel zu kommen. Trotz der Tatsache, dass natürlich auch das Glück ein entscheidender Faktor dieses Spieles ist, gewinnt in der Regel derjenige mit der besten Taktik. Denn man muss sich nicht nur eine eigene Strategie zurechtlegen, sondern auch flexibel auf die Aktionen der Mitspieler reagieren.

Im Gegensatz zum Spiel „Die Siedler von Catan“ gibt es allerdings in „Norderwind“ weniger Kommunikation am Tisch, da der Faktor des untereinander Handelns nicht existent ist. So spielt im Grunde jeder für sich. Man kann allerdings durchaus bei einigen Aktionen der Mitspieler – wie zum Beispiel dem Beschaffen von Waren bei Händlern – ebenfalls tätig werden.

Das Spielmaterial ist – wie bei Spielen des Kosmos Verlags üblich – extrem liebevoll gestaltet, besitzt in diesem Fall jedoch einige kleinere Schwächen.
Zum einen sind die Schiffe gänzlich aus Pappe. Dieses Material ist zwar ob der hervorragenden Optik die richtige Wahl (die Schiffe sehen wirklich genial aus!), besticht aber eben nicht unbedingt durch Langlebigkeit. Es sei jedoch erwähnt, dass der gewählte Karton sehr dick ist und durchaus eine gewisse Haltbarkeit besitzen sollte.
Die Waren hingegen sind aus gutem altem Holz gefertigt, was zwar eine wunderbare Haptik und Haltbarkeit bietet, dafür aber das Design auf der Strecke lässt. Nur mit viel Fantasie lässt sich erahnen, was welche Ware sein soll. Eine individuelle Farbe hilft jedoch beim Unterscheiden.
Vielleicht wäre bei einigen Elementen dieses Spiels Plastik die bessere Materialwahl gewesen, obwohl es nicht den besten Ruf genießt.

Die Anleitung ist – ebenfalls Kosmos-typisch – umfangreich und mit vielen Bildern versehen. So reicht ein einmaliges Durchlesen aus, um das Spiel zu verstehen und den Mitspielern die Regeln nahe zu bringen.
Durch die intelligente Struktur können unter Umständen während der Partie aufkommende Fragen schnell nachgeschlagen und geklärt werden.

Der Spielaufbau (Copyright: Kosmos)

Der Spielaufbau (Copyright: Kosmos)

Wenn man „Norderwind“ zum ersten Mal spielt, laufen die ersten Runden noch etwas holprig ab, man findet aber insgesamt sehr schnell in den Spielfluss.
Die einzelnen Elemente sind intelligent gestaltet und sorgen dadurch dafür, dass man sofort erkennt, was zu tun ist.

Innerhalb einer Partie wendet sich das Blatt sehr häufig, man kann sich nie sicher sein, zu gewinnen, auch wenn man zunächst einen gewissen Vorsprung erarbeitet hat. Dadurch ist eine durchgehende Spannung vorhanden.

Zudem sorgen abwechslungsreiche Partien für eine gewisse Langzeitmotivation, was erneut dafür spricht, das Material auf Langlebigkeit auszulegen.

Die Redaktion des DeepGround Magazine hat es sehr genossen, „Norderwind“ zu spielen und es wird sicherlich noch etliche weitere Partien geben.
Es bleibt also abschließend festzustellen, dass Klaus Teuber wieder einmal ein Meisterwerk geschaffen hat, welches auf spielerischer Ebene keinen Raum für Kritik lässt. Lediglich beim Material gibt es einen kleinen Punktabzug, dies muss aber jeder selbst beurteilen.

Video

Details

Hersteller: Kosmos
Sprache: Deutsch (Spiel & Handbuch)
Schwierigkeit: Mittel
Freigabe: Empfohlen ab 10 Jahren
Anzahl Spieler: 2-4
Vö-Datum: 15.01.2014
Homepage Hersteller: Kosmos

Copyright Cover: Kosmos



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.