Review

Viel wurde im Vorfeld über „Lords of the Fallen“ gesprochen. „Das ist doch nur ein schlechter „Dark Souls“-Klon“ oder „bleib bei „Dark Souls““ etc. hieß es. Doch was Deck13 Interactive hier geschaffen hat, ist doch schon eine Kunst. Bedenkt man die Größe des Unternehmens und die Möglichkeiten im Spiel, fällt auf, dass sich Deck13 des Öfteren bei Genregiganten bedient hat. Aber ist „Lords of the Fallen“ nun ein klassisches Rollenspiel oder doch ein Action-RPG? Unser Test klärt es:

Unser Held: Harkyn (Artwork; Copyright: CI Games, Deck13)

Unser Held: Harkyn (Artwork; Copyright: CI Games, Deck13)

Story:
Wir spielen Harkyn, der für die Rettung der Menschheit verantwortlich ist.
Merkwürdig, dass wir ein ehemaliger Sträfling sind, der ohne nennenswerten Grund freigelassen wurde und nun die Welt retten soll. Keine Sorge, das Ganze wird auch im Verlauf des Spiels nicht weiter aufgeklärt.

Zur Seite steht ihm Kaslo, ein alter und zerbrechlicher Magier, der ihm durch die Story hilft.

Auf unserer Reise durch die Spielwelt treffen wir zahlreiche unbedeutende Charaktere, für die wir unwichtige Aufgaben erledigen können. Klassisch winken hier Erfahrungspunkte oder Gegenstände.

Doch wer oder was bedroht uns eigentlich? Die Antwort: Rhogar!

Sie überfallen das Land und wollen die Menschen unterdrücken. Ihr Anführer ist im ersten Augenblick der Buhmann, doch hier kommt es noch zu einem Twist. Mehr sei nicht verraten.

Die Story ist, ganz ehrlich, leider belanglos. Zwar ist das Grundgerüst, dass ein ehemaliger Sträfling die Welt rettet, ganz cool, aber das Potenzial dieser Story wird überhaupt nicht ausgeschöpft. Keine Backgroundstory, keine Rückblicke. Warum bin ich der, der ist jetzt bin? Wie kam es dazu? All das fehlt und nimmt der Story den Wind aus den Segeln. Einzig die im Spiel verteilten Schriftrollen erzählen ab und an ein paar Fetzen der Story. Viel zur Atmosphäre tragen aber auch sie nicht bei. Hier wäre deutlich mehr drin gewesen, aber vielleicht äußert sich das ja in Form des Gameplays.

Gameplay:
Der Vergleich zur „Dark Souls“-Reihe reißt gerade in diesem Bereich nicht ab. Dabei hat „Lords of the Fallen“ gar nicht so viel mit ebendieser zu tun; einzig das Anvisieren sowie das Umrunden des Gegners. Der Rest erinnert an Action-RPGs im Stile von „Darksiders“ oder „Kingdoms of Amalur“.

Allem voran spielt sich das Spiel extrem träge. Wer sich ein fixes „Dark Souls“ erhofft, muss komplett umdenken, denn das klassische „Schild hoch und hinter den Gegner“ greift gar nicht mehr. Das Schild ist vielmehr als Deko zu betrachten. Eher kommt es darauf an, im richtigen Augenblick auszuweichen und somit die kurze Pause des Gegners für einen Angriff zu nutzen. Das kann aber schon mal in die Hose gehen, wenn man zu schwere Rüstung anhat und somit extrem langsam ist. Da sollte man immer ein Auge drauf haben.

Aus drei Klassen sowie drei Arten von Zaubersprüchen kann gewählt werden. Klassisch unterscheiden sich diese in Krieger, Schurke und Kleriker. Somit die drei klassischen Klassen. Hat man seinen Zauberkreis und die Klasse gewählt, ist es auch schon vorbei mit der Charaktererstellung. „Lords of the Fallen“ ist eben kein „Skyrim“. Selbst in „Dark Souls“ gab es mehr Entscheidungsmöglichkeiten bezüglich der Erstellung des Charakters. Hier ist dann Schluss und das Spiel beginnt. Keinen Bart, Haarfarbe oder Angaben zu Narben. Das alles ist vorgegeben.

In den ersten paar Minuten wird ein jeder Schritt erklärt. Schlagen, blocken … das Übliche eben.

Die LotF-Spielwelt scheint nicht innovativ, trumpft aber mit hoher Weitsicht und schöner Optik auf. (Copyright: CI Games, Deck13)

Die LotF-Spielwelt scheint nicht innovativ, trumpft aber mit hoher Weitsicht und schöner Optik auf. (Copyright: CI Games, Deck13)

Sofern man die Gebiete wechselt, erfreut der Ladebildschirm mit seinem Auftritt. Ich erinnere mich an Aussagen wie „auf den Next-Gen Konsolen wird es keine Ladezeiten mehr geben“. Komisch, hier sind sie und geben Informationen zum Spiel, zu Zaubern und Items. Davon gibt es ziemlich viele und so kann ein anfänglicher Kleriker über das Spiel hinweg doch noch zum Schurken werden. Leichte Rüstung und Dolche kann natürlich auch der Krieger tragen.

Hinzu kommt der Einsatz von Runen, die an Rüstungsteilen und Waffen angebracht werden können. Man erhält je nach Rune einen Bonus für verschiedene Widerstände oder aber Feuerschaden etc. Da bleiben keine Wünsche offen. Natürlich macht es Sinn, sich im Vorfeld Gedanken zu machen, wie der Charakter geskillt werden soll. Womit wir zum nächsten Punkt kommen.

Skillsystem:
Das Skillsystem lässt keinen Platz für große Sprünge. Wer Krieger ist, wird seine Punkte in Stärke und Ausdauer setzen. Der Kleriker eher in Magie und vielleicht Stärke. Ein flinker Schurke eher in Geschick und Ausdauer.

Dazu dürfen HP nicht fehlen. Die EP dafür erhält man im Kampf gegen Gegner oder für kleine Aufgaben im Spiel.
Eine interessante Funktion ist der Multiplikator für die EP. Hält man längere Zeit durch, ohne zu sterben, wird der Prozentsatz der EP pro Kill erhöht. Zwar nur um ca 0,1 bis 0,4 %, dennoch motiviert das kurzfristig, ein wenig auf seinen Energiebalken zu schauen.

Die Aufgaben sind allesamt nicht so weit gefächert, dass man sie als Quests bezeichnen könnte. Wer nur die Hauptstory spielt, fährt genauso gut und verpasst nicht viel. Selbst die wenigen NPCs sind nicht sehr interessant. Viel interessanter sind die Gegnertypen.

Gegnertypen:
In diesem Fall macht „Lords of the Fallen“ ziemlich viel richtig. Man kämpft natürlich gegen allerlei Fußvolk, jedoch sind diese Gegner, ähnlich der „Dark Souls“-Reihe, auch schon recht stark und bringen somit die eine oder andere taktische Note mit rein.
Darüber hinaus haben wir es mit sehr starken Magiern zu tun und Bosskämpfen, die definitiv öfter gespielt werden müssen, da sie sehr zäh sind. Das Ganze wird aber sehr gut dargestellt, denn die Schwerter knallen auf die Schilder und prallen ab. Das macht richtig Spaß und fühlt sich gut an. Dazu trägt die grafische Komponente sehr bei.

Grafik:
„Lords of the Fallen“ kann in puncto Grafik richtig punkten. Gelegentliche Ruckler und Slowdowns sind nach zwei bis drei Stunden Spielzeit fast verschwunden und man merkt sie gar nicht mehr, dennoch sehr ärgerlich für so eine patente Konsole. Dazu kommt noch ein 4,72 GB Update zum ersten Tag. Bei einer DSL 6000 Leitung kann man sich den Nachmittag erst mal freinehmen, bis das Spiel auch gespielt werden kann.

Dynamische Kämpfe durch schöne Grafik (Copyright: CI Games, Deck13)

Dynamische Kämpfe durch schöne Grafik (Copyright: CI Games, Deck13)

Nichtsdestotrotz sieht es klasse aus. Die Partikeleffekte im Kampf sind grandios. Ebenso die Bewegungen der Charaktere, wenn auch die Syncro ziemlich miserabel ist. Umgebung und Spielwelt können nicht mit Innovation trumpfen, aber mit einer schönen Optik inklusive einer hohen Weitsicht.

Großes Lob auch in Bezug auf die Items; eine schwere Rüstung fühlt sich auch massig an und bewegt sich realistisch mit der Spielfigur.

Fazit:
„Lords of the Fallen“ ist leider nicht der große Wurf geworden. Ein grundsolides Spiel, welches in große Fußstapfen tritt. Bedenkt man, wie klein das Studio ist und was geschaffen wurde, ist das schon beachtlich. Dennoch ist nach entspannten 18 – 19 Stunden alles vorbei und der „New Game“-Modus beginnt. Vorteil hier: man kann nun auch andere Zaubersprüche lernen.
Grafisch zwar ein Leckerbissen, kann „Lords of the Fallen“ vom Gameplay nicht überzeugen und bleibt leider nur ein Spiel für zwischendurch. Mit diesem Spiel wurde jedoch ein guter Grundstein für eine erfolgreiche Serie gelegt. Die nächsten Teile könnten das Potenzial vollkommen ausschöpfen und das Spielerlebnis deutlich nach oben pushen.
Ich bin gespannt, was Deck13 in dieser Richtung noch in petto hat. Viel Spaß beim Spielen, ich gehe jetzt „Dark Souls II“ zum x-ten Mal durchzocken.

Trailer

Cinematic Trailer

Beschreibung

Die Spieler von Lords of the Fallen folgen dem Gewissen von Harkyn, einem Kämpfer mit einer finsteren Vergangenheit, gespickt mit Greuel und Taten des Bösen. Diese dunkle Geschichte ist es, die aus ihm diesen einsamen Kämpfer erschaffen hat, um die Welt vor der ewigen Dunkelheit zu retten. Nur Harkyn kann der Gewalt trotzen und die Armeen der Dämonen aufhalten, die ein gefallener Gott unter der Führung der „Lords of the Fallen“ entsendet hat, um die Menschheit zu zerstören. Die Rebellion gegen eine unvorstellbar grausame Macht und die Hoffnung, die im entlegensten Winkel der Welt erwacht, stellen das Rückgrat der Geschichte in dieser phantastischen Welt dar.

(Quelle: Koch Media)

Lords of the Fallen – Homepage
Lords of the Fallen – Twitter

Details

Hersteller: Namco Bandai / Deck13 / CI Games
Sprache: Deutsch (Spiel & Handbuch)
Schwierigkeit: Schwer
Freigabe: FSK 16
Anzahl Spieler: Einzelspieler
Vö-Datum: 28.10.2014
Homepage Hersteller: Namco Bandai / Deck13 / CI Games

Copyright Cover: Namco Bandai / Deck13 / CI Games



Über den Autor

Marcus
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