Review

Im Ballon auf Entdeckertour

„Eine Seefahrt, die ist lustig. Eine Seefahrt, die ist schön.
Denn da kann man fremde Länder und noch manches andre sehn.“

Gleiches trifft auch auf eine Ballonfahrt zu, und diese gilt es im Entdeckungsspiel „Die Inseln im Nebel“ von Spieleautor Volker Schächtele zu bestreiten, um einen Blick hinter die Nebel erhaschen zu können.

Die Altersempfehlung: Ist es zu schwer, bist du zu jung?

Das bei Schmidt Spiele erschienene Legespiel ist für 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren angedacht und wird unter der Rubrik „Familienspiel“ geführt. Doch schon bei einer ersten Partie wird klar, allzu jung sollte man für dieses etwas andere Zockervergnügen nicht gerade sein.

So sprechen zum einen die thematische Ausrichtung, die damit einhergehende vorausgesetzte Kenntnis über Windrichtungen, die eher erwachsenengerechte Optik des Spielmaterials, die veranschlagte Spielzeit von 45 bis 60 Minuten sowie ein umfangreiches Regelwerk und ein auf den ersten Blick nicht ganz respektive sofort durchschaubares Wertungssystem für etwas ältere Spieler als Zielgruppe. Zum anderen hebt dies zusammengenommen „Die Inseln im Nebel“ zu einem Kennerspiel empor.

Ergo sind „Die Inseln im Nebel“ nur unter voller Konzentration und mit einiger Geduld und strategischem Geschick zu entdecken.

Und wie entdeckt man sie? Nun:

Die Spielidee: Nutze die Richtung des Windes!

Dahinter verbirgt sich ein cleverer und neuartiger Bewegungsmechanismus, der den Spielern die Möglichkeiten gibt, den Wind zu nutzen und den eigenen Ballon (als Spielfigur) entsprechend zu ziehen, ggf. Energie zu verwenden, um gegen den Wind zu steuern und letztendlich Inseln zu entdecken und damit wertvolle Gebiete für die Punktewertung am Ende zu sichern.

Schmidt Spiele beschreibt die Spielidee wie folgt genauer:

Die Spieler fliegen mit ihren Ballonen über die Insel und entdecken damit die Landschaft, die zunächst im Nebel liegt. 
Dabei gilt es, den Wind geschickt zu nutzen oder zum richtigen Zeitpunkt gegen den Wind zu steuern. 

Jeder Spieler zieht mit seinem Ballon in die vom Würfel vorgegebene Windrichtung – und zwar so viele Felder weit, wie die Zahl auf dem Feld vorgibt, auf dem er steht. Der Spieler entdeckt dort die benachbarten Landschaften, indem er Landschafts-Plättchen (wahlweise auch Monumente oder Städte, falls vorhanden) von seinem Okular auf angrenzende Felder platziert. So entsteht Plättchen für Plättchen die Landschaft

Weht einmal der Wind nicht in die gewünschte Richtung, kann der Spieler durch Einsatz von Energie gegensteuern und eine andere Richtung einschlagen.

Hat ein Spieler alle Landschaften mit der Inselmitte verbunden, kommt es zum Spielende.
Jede Landschaft, die mit einer identischen Küste verbunden ist, bringt Siegpunkte ein. Der Spieler mit den meisten Siegpunkten gewinnt. 

Hört sich einfach an, wird aber in der beiliegenden Spielanleitung eher teils umständlich, teils kompliziert und oft lang, aber lückenhaft erklärt. Der ebenfalls auf der Spielschachtel zu findende QR-Code zu einem „Gameplay Video“ ist daher eine große Hilfe und ermöglicht dann doch noch einen zügigen ersten Spielbeginn, der schließlich zeigen wird: in der Praxis ist „Die Inseln im Nebel“ weit weniger schwierig.

Abwechslung: Keine Ballonfahrt gleicht der anderen

Einblick in das Material des Legespiels „Die Inseln im Nebel“. (Copyright: Schmidt Spiele)

Mehr noch, überzeugt das Spiel doch dann mit einem wachsenden, sich entwickelnden Spielplan, der sehr entfernt Assoziationen an Spielvarianten der „Seefahrer“-Erweiterung von „Catan“ (zuletzt: „Catan – Die Legende der Seeräuber (Szenarien für Seefahrer)“) weckt. Durch die in jeder Partie neuen dynamischen Szenarien gleicht kein Durchgang dem anderen und das Spiel ist immer wieder auf ein Neues spannend. Letzteres insbesondere auch deshalb, da bei allem strategischen Agieren immer auch eine gehörige Portion Glück eine Rolle spielt, um hier als Sieger hervorzugehen.

Wem diese Abwechslung jedoch noch nicht ausreicht, der kann durch mehrere (im Umfang des Spiels enthaltene) Module den Anspruch von „Die Inseln im Nebel“ individuell verändern. Dabei bildet Modul 1 das Grundspiel, während Modul 2 (Der Hafen) und Modul 3 (Der Ausbau) sowohl aufeinander aufbauen als auch für noch mehr Abwechslung sorgen und den Umfang des Spiels enorm steigern.

Das Spielmaterial erweist sich dabei als solide, wohl entsprechend langlebig und schön sowie stimmungsvoll illustriert.

Fazit

Das Brettspiel „Die Inseln im Nebel“ ist anspruchsvoll und fordert permanent die Konzentration und ein taktisches Denken von seinen zwei, drei oder maximal vier Ballonfahrern. Wer auf der Suche nach einem schnellen Spielvergnügen für zwischendurch ist, der ist hier daher fehl am Platz.

Dafür punktet die Novität aus dem Hause Schmidt Spiele mit einer interessanten „Spielmechanik“ und bietet – in jeder Hinsicht – „mal etwas anderes“ an einem Spieleabend. Für Zocker-Freunde daher eine sehr angenehme Abwechslung inmitten ihrer Sammlung, die durch zwei zusätzlich spielbare Module äußerst umfangreich daherkommt, und sowohl für viele weitere Spielmöglichkeiten als auch für einen hohen Wiederspielwert sorgt.

Video

Spielinfo

Noch liegen die Inseln im dichten Nebel.
Je weiter du mit deinem Ballon über die Insel fährst, desto mehr lichtet sich der Nebel und du erkundest die atemberaubende Landschaft.

Nutze den vor Ort herrschenden Wind geschickt und spare dadurch Energie. Denn die brauchst du noch oft genug, um zu beschleunigen oder abzubremsen. Steuere zum richtigen Zeitpunkt komplett gegen den Wind, um dein Ziel zu erreichen.

Dort wo sich der Ballon befindet, entdeckst du die benachbarte Landschaft, indem du Plättchen auf die angrenzenden Felder platzierst. So werden Städte gebaut, Monumente errichtet und die Landschaften wachsen.

Als erster der Spielrunde hast du die Möglichkeit mehr Landschafts-Plättchen zu bekommen. Als letzter bekommst du wahrscheinlich nur ein Plättchen, dafür bestimmst du aber die Windrichtung, was auch ein entscheidender Vorteil sein kann.

Hat ein Spieler alle Landschaften mit der Ballonwerft verbunden, endet das Spiel.

(Quelle: Schmidt Spiele)

Spielmaterial

4 Inseln | 4 Energieleisten | 1 Hafen | 169 Plättchen | 1 Richtungswürfel | 1 Bonuswürfel | 8 Okulare | 4 Energiemarker | 7 Wolken | 4 Ballone | 4 Pfeile | 1 Beutel | 1 Wertungsblock

Details

Hersteller: Schmidt Spiele
Sprache: Deutsch
Freigabe: Empfohlen ab 10 Jahren
Anzahl Spieler: 2-4
Spieldauer: 45-60 Min.
Vö-Datum: 2019
Homepage Hersteller: Schmidt Spiele

Copyright Cover: Schmidt Spiele



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde