Review

Daedalic Entertainment ist nicht umsonst ein Platzhirsch im Bereich der Point-&-Click-Adventures. Spiele aus diesem Hause überzeugen regelmäßig durch eine unglaublich hohe Qualität und sorgen dadurch automatisch für einen sehr hohen Spielspaß, wodurch man ihre Titel in der Regel – ohne sich vorab informieren zu müssen und die Anschaffung zu bereuen – kaufen kann. Wie gesagt, in der Regel, denn „1954: Alcatraz“ bricht aus der Reihe hochqualitativer Veröffentlichungen heraus und kann nicht auf ganzer Linie überzeugen. Immerhin handelt es sich nicht um eine Produktion von Daedalic Entertainment, sondern wird nur von dieser Firma vertrieben.

Auch die Lokalisierung des Spiels übernahm Daedalic, was man bereits binnen kürzester Zeit merkt. Denn – und das ist eines der wenigen Highlights dieses Spieles – die Sprachausgabe ist, wie man es von diesem Publisher gewohnt ist, schlichtweg großartig. Es wurden nur Profis engagiert, wodurch die Dialoge wunderbar stimmig wirken. Auch der recht dunkle Humor des Spieles wurde bei der Übersetzung gut übernommen und kommt durch die Sprachausgabe wirklich gut rüber.

Auf den ersten Blick ist das Spiel noch recht hübsch... (Copyright: Daedalic Entertainment)

Auf den ersten Blick ist das Spiel noch recht hübsch… (Copyright: Daedalic Entertainment)

Der zweite bemerkenswerte Aspekt ist der Soundtrack. Jazz- und Bluestracks sorgen musikalisch für die richtige Atmosphäre. Die Songs sind sehr abwechslungsreich, sodass einem der Soundtrack eigentlich nicht – wie bei anderen Games – durch zu häufige Wiederholung auf die Nerven geht. In diesem Punkt wurde alles richtig gemacht.

Das war es aber leider auch schon mit der Lobhudelei. Der Rest von „1954: Alcatraz“ ist mehr so „naja“.

Die Story besitzt eine Menge Potenzial, welches leider nur im Ansatz genutzt wird.
Joe wurde zu vierzig Jahren Gefängnis verurteilt und muss diese Strafe im berüchtigten Hochsicherheitsknast Alcatraz absitzen. Allein diese ungemütlichen Umstände lassen bei den meisten Betroffenen Fluchtpläne keimen, doch zusätzlich wird Joes Frau Christine mit dem Tod bedroht, was ein weiterer Motivator für eine möglichst frühe Flucht aus dem Gefängnis ist.

Das Gameplay: Basierend auf dem Plot kontrolliert der Spieler abwechselnd Joe oder Christine und muss in klassischer Point-&-Click-Manier dafür sorgen, dass die beiden ihr ganz persönliches Happy End erleben. In Zeiten von grandiosen Serien wie „Prison Break“ hätte man aus den Rahmenbedingungen sehr viel mehr herausholen können.

Stattdessen wird der Spieler permanent vor Entscheidungen gestellt, die das Spiel nur marginal beeinflussen und dafür sorgen, dass man am Schluss eines von zwei Enden zu sehen bekommt, je nachdem in welche Richtung der Spieler tendiert hat.

Die vielen recht einfachen (und dadurch auch für Genre-Einsteiger geeigneten) Rätsel schaden der Story leider mehr, als dass sie diese unterstützen, denn sie strotzen vor Logikfehlern. Im Knast quasi neben einem Wärter Gegenstände in die Tasche stecken, die sich als Fluchthelfer eignen? Kein Problem! Dies ist nur eines von vielen markanten Beispielen.
Zudem gibt es wenig innovative Rätsel. Alle Aufgaben sind sehr „klassisch“ und vor allem Fans des Genres werden sie so oder ähnlich schon in vielen Spielen gesehen haben. Lediglich an einigen Stellen wird „1954: Alcatraz“ knifflig, aber leider nicht durch gehobenen Anspruch, sondern weil die Rätsel schlicht unlogisch sind und nur durch stumpfes Probieren der Möglichkeiten gelöst werden können.

... bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass die Grafik schwächelt. (Copyright: Daedalic Entertainment)

… bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass die Grafik schwächelt. (Copyright: Daedalic Entertainment)

Auch die Grafik betreffend kann das Spiel leider nicht überzeugen. Denn optisch hinkt es einfach einige Jahre hinterher. Dabei kann man den eigenwilligen Stil der Figuren sogar noch verschmerzen und auch die einzelnen Locations sehen durchaus nett aus, im Detail missfällt es aber gewaltig.
Es gibt keinerlei vernünftige Animationen, was man bereits dann bemerkt, wenn sich die Figuren bewegen. Auch das Ansichnehmen diverser Gegenstände wird entweder durch ein schwarzes Bild, welches nur durch passenden Sound untermalt ist, oder – schlimmer – durch simpelste Animationen, in denen die Figuren auch schon mal in geschlossene Schubladen greifen, gelöst.

Man kann also sagen, dass „1954: Alcatraz“ lediglich ein mäßiges Spiel ist, welches sich eigentlich nur für Einsteiger des Genres wirklich eignet. Jene, die sich für die Story interessieren, werden schnell enttäuscht sein und auch versierte Point-&-Click-Spieler werden nicht unbedingt lange Freude an diesem Game haben.

Video

Beschreibung

Im San Francisco der 50er Jahre wurde Joe für einen bewaffneten Raubüberfall zu 40 Jahren Haft verurteilt und brennt darauf, aus Alcatraz auszubrechen. Hierfür benötigt er die Hilfe seiner Frau Christine, die jedoch mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen hat. Ihr gemeinsamer Gangster-Kumpane Mickey droht Christine umzubringen, falls diese sich weigern sollte, ihm die Beute vom Überfall auszuhändigen. Doch wo befindet sich das Diebesgut? Einzig Joe kennt das Versteck und so macht sich ganz North Beach auf die Jagd nach dem Jackpot.

Drogen-Deals, Erpressungen und Mord sind im San Francisco der 50er Jahre an der Tagesordnung.
Gelingt dir mit Joe als Erster die Flucht von Alcatraz? Schaffst du es mit Christine ihren Erpresser Mickey zu überleben?

(Copyright: Daedalic Entertainment)

Systemanforderungen

Betriebssystem: Windows XP/Vista/7/8
Prozessor: 2,5 GHz (Single Core) oder 2GHz (Dual Core)
RAM: 3 GB
Grafikkarte: GeForce 200er/Radeon 300er/Intel HD 3000er oder besser
Festplatte: 6 GB freier Speicher

Details

Hersteller: EuroVideo Medien GmbH / Daedalic Entertainment
Sprache: Deutsch (Spiel & Handbuch)
Schwierigkeit: Mäßig
Freigabe: FSK 12
Anzahl Spieler: 1
Vö-Datum: 24.01.2014
Homepage Hersteller: EuroVideo Medien GmbHDaedalic Entertainment

Copyright Cover: Daedalic Entertainment



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.