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24. März 2015

Review: Griffin (Griffin L.O.G.) über „Threshold“ (Funeral Throne)

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Verfasst von: Conny
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Die Geschichte eines Videos, das nicht ist

Es ist eine Ehre, wenn man von einem Portal wie dem DeepGround Magazine gefragt wird, ob man eine Rezension in der Position eines „Stars“ beitragen möchte, gerade wenn der Status der eigenen Band so klein ist wie der von Griffin L.O.G. Da will man dann alles, am besten ein Video machen, das so pfiffig und ideenreich und lustig ist, dass es auf der Stelle ein viraler Web-Hit wird. Was dann passiert, kennt wohl jeder, der irgendwie künstlerisch tätig und mit plötzlichem Leistungsdruck bekannt ist: vollständige Blockade.

Es gibt einiges Videomaterial von mir, wie ich beim Kochen und Autofahren über das Album spreche, das mich so beeindruckt hat wie kaum ein anderes in den letzten Jahren. Redselig, wie ich nun mal bin, habe ich vor mich hin geplaudert und dabei ausgeklügelte Metaphern von mir gegeben. Aber jedes Mal war am Ende das Resultat dasselbe: ein kotzlangweiliges Video. Mit so etwas kann man „Threshold“ von Funeral Throne aber nicht gerecht werden. Und so habe ich mich dazu entschieden, das zu tun, was ich fast so gut beherrsche wie die vier Engländer ihren Black Heavy Metal: Schreiben.

Funeral Throne – „Threshold“

Westlich von Birmingham liegt das Black Country, vor langer Zeit das Herz der Revolution, vor etwas weniger langer Zeit eine Keimzelle des Heavy Metal und heute Brutstätte einer reichen Metal-Kultur. Es ist aber kein Lokalpatriotismus, der Funeral Throne zur Genrebezeichnung Black Heavy Metal bewegt hat, sondern schlicht die treffende Beschreibung ihrer Musik: Auf einer Basis derb-rohen Black Metals ragt ein Gerüst traditioneller 80er-Einflüsse, vom frühen Thrash über Klassiker wie Mercyful Fate bis hin zu neueren Revival-Formationen wie Grand Magus.

Cover zu "Threshold" von Funeral Throne (Copyright: Exitium Productions)

Cover zu „Threshold“ von Funeral Throne (Copyright: Exitium Productions)

Der Musik indes hört man zunächst vor allem die dunkle Seele an: Watain schimmert durch, von Dissection ist es mehr als nur ein Schimmer. Atmosphärisch arbeitet neben der stiltypisch vordergründigen Aggression vor allem die subtil okkulte Mystik, die im Hard Rock und Metal der 70er beliebt war und durch Bands wie The Devil’s Blood jüngst eine Renaissance erlebt hat. Plakatives Satansgebrüll findet man woanders, auf „Threshold“ ist vielmehr die Rede von abstrakteren Konzepten wie neuer Geburt („Novus Ortus“), zweiter Ankunft oder hypnotischen Windungen sowie kryptisch vom schwarzen heiligen Glauben.

Faszinierend ist, dass trotz aller Abstraktion die so wichtigen Catch-Phrases, die Verse mit sprichwörtlichen Widerhaken, nicht zu kurz kommen und die Songs stellenweise geradezu mitsingbar machen. Noch sehr viel faszinierender ist weiter, dass der Band mit dem etwas fantasielosen Namen die Gratwanderung gelingt zwischen einem konsequenten, eigenen Stil und ausreichend Abwechslung zwischen den Nummern. Jeder Song, vom dissonanten, das Chaos beschwörenden Intro bis zum fast schon versöhnlich-melodischen Ausklang, hat seine eigene Identität, ist aber in Riff- und Struktursprache unverwechselbar Funeral Throne.

Vor allem aber ist jeder Song ein in Songwriting und Performance ausnahmslos gelungenes Kunstwerk zwischen treibendem Rhythmus, sägendem Vortrieb, zärtlicher Melodie und dichter Stimmung. Der beeindruckende Übersong „Victory“ wird zur Selbstbeschreibung, wenn mit authentischer Inbrunst gebrüllt wird: Streich um Streich, Schlag auf Schlag („strike after strike, blow following blow“). „Through Transforming Fire“, „Hypnotic Coils“, „Vessel“, „Gateways To Lucifer“ – es reihen sich die Hits aneinander und bilden ein Album, das sich in der Attitüde wiederum ein klassisches Metal-Credo auf die Fahne schreibt: All killers, no fillers.

Funeral Throne 2012 (Copyright: Funeral Throne)

Funeral Throne 2012 (Copyright: Funeral Throne)

Bei all diesen Qualitäten wirkt die Scheibe zu keiner Zeit aufgesetzt oder übertrieben, vielmehr entsteht der Eindruck eines natürlichen Wachstums über die gesamte Full-Length-Distanz. In unaufgeregter Weise präsentieren die vier britischen Reiter der Apokalypse ein durch und durch aufregendes Album, das mich seit mittlerweile zwei Jahren (damals noch ungemastert) begleitet – und immer noch begeistern kann. Die Energie und Intensität dieser Band beeindruckt auf der Bühne und wurde auf „Threshold“ kongenial eingefangen und im perfekten Sound zwischen Klarheit und Rohheit in Szene gesetzt. „Threshold“ ist für mich das beste Black-Metal-Album seit den 90ern.

Text: Griffin exklusiv für DeepGround

 

Über Griffin L.O.G.

Zwar lässt sich die Geschichte von GRIFFIN L.O.G. bis ins Jahr 1999 zurückverfolgen, doch offiziell geboren wurde das Projekt 2004 als Spielwiese für ruhigere und Gothic-orientierte Musik (im Gegensatz zu den vom Black Metal beeinflussten anderen Projekten, die Griffin zu dieser Zeit noch unterhielt). […]
Schon bald wurde GRIFFIN L.O.G. die wichtigste, schließlich die einzige musikalische Aktivität von Griffin. An diesem Punkt hatten sich die härteren und metallischeren Elemente bereits im Sound des neuen Projekts niedergeschlagen.

Im Jahr 2005 stellte Griffin sechs unabhängig voneinander entstandene Songs zur ersten offiziellen GRIFFIN L.O.G.-Veröffentlichung „Sleep Gargoyle“ zusammen. Etwa eineinhalb Jahre später veröffentlichte er spät im Jahr 2006 das erste Album „The Sting Of Life“, dem ein weiteres Jahr darauf das zweite Album „Viva La Inquisición“ folgte. Zu dieser Zeit war Griffin bereits damit beschäftigt, eine Live-Band zusammenzustellen – was sich als schwieriger als erwartet herausstellen sollte. Es dauerte nochmals zwei Jahre, bevor GRIFFIN L.O.G. das Live-Debut feierte.

Mit der dreiköpfigen Besetzung aus Bine, Fell und Griffin (erweitert um The Machine alias Leif, eine Schaufensterpuppe, die das eingesetzte Playback visualisiert) erlebte das Jahr 2011 GRIFFIN L.O.G. wieder verstärkt auf der Bühne und außerdem die Veröffentlichung des dritten Albums „Breathe Into Me“.

(Quelle: Griffin L.O.G. Homepage)

Diskografie

2005 – Sleep Gargoyle
2006 – The Sting Of Life
2007 – Viva La Inquisición
2011 – Breathe Into Me



Über den Autor

Conny
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"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde




 
 

 

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