Review

Zam Helga hält auf seinem neuen Soloalbum „Monster“ nicht lange mit seinem großen musikalischen Talent hinterm Berg. Und so eröffnet der Song „Krieg und Frieden“ bereits mehr als gelungen dieses elf Tracks umfassende Akustik-Wunderwerk.

Bewaffnet mit seiner aussagekräftigen Stimme und einer Gitarre zelebriert Zam Helge auf „Monster“ vor allem die leisen Töne und ergänzt seine Songs immer mal wieder durch interessante Zutaten. Damit wandelt er zwischen mainstreamentferntem Pop, Singer-Songwriter-Professionalität und folkigen Klängen, dessen Elemente harmonisch ineinanderfließen und jegliche Genregrenze einreißen.

Insbesondere Opener „Krieg und Frieden“ erinnert sowohl durch den Gesang als auch durch die Instrumentierung an die balladesken Titel von Subway to Sally. Über sieben Minuten dauert der Song an und wirkt doch niemals langweilig oder langatmig. Neben den Lyrics zieht zudem jeder gespielte und gesungene Ton den Hörer in seinen Bann. Indem sich der Titel kurzzeitig u.a. durch Backingvolcals spannend und vor allem an Intensität steigert, stellt man ihn selbst nach der langen Spielzeit gerne auf Repeat.

Die Gefahr besteht also schon beim ersten Track, sich in der Musik von Zam Helga zu verlieren und diesen Song in Dauerrotation laufen zu lassen. Da jedoch noch weitere Perlen auf den Hörer warten, geht es ohne Umschweife mit „Die Hand“ weiter, an dem es ebenfalls nichts auszusetzen gibt.

Erst „Nathalie“ bricht mit seinen präsentierten Gesang-Zwischeneinlagen, die nicht jedermanns Geschmack treffen werden, aus dem ruhigen bisherigen Geschehen heraus.

Nach der Melancholie von „Sommerwind“ wirkt das anschließende „Herbst ist da“ geradezu quirlig.
Es fällt schwer, nicht jeden Titel separat auseinanderzunehmen und doch würde dies das Review sprengen. Konzentrieren wir uns also noch einmal explizit auf die hier im Vordergrund stehende Stimme.

Zam Helga (Copyright: fishing-light / Zam Helga)

Zam Helga (Copyright: fishing-light / Zam Helga)

Die bisherigen Liedtitel verraten es schon – und Fans des Musikers, der bereits zahlreiche Erfolge mit seinen Bands Helga Pictures und Rauhfaser vorweisen kann, wissen es sowieso: Zam Helga singt hier auf Deutsch. Seine Texte sind hochwertige poetische Erfahrungsberichte über die Licht- und Schattenseiten eines Menschenlebens.
Diese werden stimmlich eher zart und gefühlvoll vorgetragen, Zam Helga verleiht ihnen jedoch an passender Stelle stets auch genügend Ausdruckskraft, da er z.B. die Lautstärke seiner Stimme variiert. Auf laute und leise sowie tiefe und hohe Töne trifft man also,  und immer, wenn man befürchtet, die Stimme bricht an den sehr hohen Tönen, überrascht Zam Helga mit perfekter Phrasierung. Für derart positive Überraschungen und Eindrücke sorgt auch die Artikulierung. Deutlich wird die deutsche Sprache gesanglich zum Ausdruck gebracht und meint man, der Text sei zu Ende, Rhythmus und Melodie geben jedoch noch Raum für Vocals, so füllt Zam Helga diesen auch gekonnt aus.

Ebenso wie die Zartheit des Gesangs geht die begleitende Instrumentierung unter die Haut. Auch hier arbeitet man mit dem Wechsel aus lauten und leisen Klängen, während das Ganze insgesamt sehr reduziert, aber nichtsdestotrotz intensiv arrangiert wird.

„Monster“ wird seinem Namen nur allzu gerecht, denn gewaltig und monströs (beides im positiven Sinne) legt sich das Album von Zam Helga auf den Hörer und verleitet nicht nur zum interessierten Lauschen, sondern regt auch zum Nachdenken an. Auch wenn einige musikalischen Zugaben vom individuellen Geschmack des Hörers abhängig sind, überzeugt dieser epische Silberling, der eine entsprechende Bewertung zur Folge hat.

Preview

Tracklist

01 Krieg und Frieden
02 Die Hand
03 Nathalie
04 Sommerwind
05 Herbst ist da
06 An Deiner dunklen Wand
07 Bin ein König
08 Der Damm muss brechen
09 Monster
10 Stumme Kreatur
11 Nimm es nicht fort

Details

Zam Helga – Homepage
Zam Helga – Facebook

Label: GIM Records / Soulfood
Vö-Termin: 20.03.2015
Spielzeit: 68:33

Copyright Cover: GIM Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde