Review

Indie-Rock mit punklastigen Sounds sowie einer starken Portion Emotion – dafür stehen You Blew It! aus Florida. „Abendrot“ ist das bereits dritte Studioalbum der Jungs, welches im Gegensatz zu den Vorgängern deutlich gefasster und fokussierter klingt.

Die Band behält es sich immer noch vor, eine gewisse Komplexität in ihre Songs einzubringen, ohne dass dies den Zuhörer direkt überfordert. Gleichzeitig nimmt man sich für jeden einzelnen Klang alle Zeit der Welt. So kann ein anfänglich langsames Tempo aber auch schnell wieder in energetischen Refrains enden.

Auf „Abendrot“ zeigt sich, wie schön abgerundet der Sound von You Blew It! klingen kann. Jegliche Elemente greifen passend ineinander und sorgen so für jede Menge Wohlgefallen innerhalb der Gehörgänge. Auch wiegt der Einfluss des Emo-Genres nicht allzu schwer, als dass es zu kitschig klingen würde. Vielmehr verleiht dies dem Ganzen eine feine Note, an der man sich sehr angenehm entlang hangeln kann.

Doch direkt wird auffallen, dass sich die Band nicht sehr weit aus dem Fenster gelehnt hat, was die Experimentierfreudigkeit angeht. Allzu viele Überraschungen sollte man also nicht erwarten. Natürlich klingt hier alles sehr schön, aber das Album hat zu kaum einer Zeit diesen „Klick-Effekt“, den man an vielen Stellen der Titel erwartet hätte.

Dafür sticht die Arbeit an den Drums als weitaus stärkster Teil besonders hervor. Neben vielen Akzentuierungen und Effekten gibt es dazu noch viele Muster in den Rhythmen. Dadurch gewinnen Songs wie „Arrowhead“ oder „Minorwyne“ an viel mehr Substanz.

You Blew It! (Copyright: You Blew It!)

You Blew It! (Copyright: You Blew It!)

Ansonsten muss man sagen, dass „Abendrot“ von Indie-, Emo- und Punk-Rock alles abhandelt – und leider auch nicht mehr. Teilweise gestaltet sich das Songwriting sehr generisch, sodass es schwerfällt, Highlights auf der Platte auszumachen bzw. vielleicht sogar Passagen, die typisch für You Blew It! stehen. Denn die Ansätze könnten auch von jeder x-beliebigen anderen Band kommen. Das musikalische Prinzip ist überschaubar und die Abläufe vorhersehbar.

Sicherlich werden Fans der Band sich hier wiederfinden, aber im Großen und Ganzen gibt es kaum etwas, mit dem sich „Abendrot“ auch nur ein wenig differenzieren kann. Trotz der soliden Produktion und musikalischen Erfahrung tröpfelt die Platte nur so vor sich hin.

Video

Trackliste

01 Epaulette
02 Like Myself
03 Sundial Song
04 Greenwood
05 Autotheology
06 Hue
07 Canary
08 Forecasting
09 Minorwye
10 Arrowhead
11 Basin & Range
12 Kerning

Details

You Blew It! – Facebook

Label: Big Scary Monsters
Vö-Termin: 11.11.2016
Spielzeit: 36:27

Copyright Cover: Big Scary Monsters



Über den Autor

Christopher