Review

Spätestens mit ihren letzten beiden Studioalben „Neverworld’s End“ (2012) und „Sacrificium“ (2014) haben sich Xandria in der Spitzengruppe des Female Fronted Metal etabliert. Mit ihrem neuen Longplayer „Theater Of Dimensions“ soll die Erfolgsgeschichte nun fortgesetzt werden.

Ein Einstieg nach Maß gelingt mit „Where The Heart Is Home“ – ein kraftvoller, symphonischer Song mit leichtem progressiven Einschlag. Der Titel wirkt trotz aller Zugaben in seinen Arrangements nicht überfrachtet; besonders der dosierte Einsatz der Chöre harmoniert perfekt mit Dianne van Giersbergens Gesangsstimme.

Das anschließende „Death To The Holy“ rollt dann aufgrund seines Tempos fast schon lawinengleich über die Hörer hinweg. Der markante und eingängige Refrain offenbart schnell seine Ohrwurm-Qualitäten. Und als ob das nicht bereits ausreichend wäre, wird als Höhepunkt zum Schluss der Refrain auch noch in verschiedenen Stimmlagen dargeboten. Metal-Herz, was willst du mehr!

Ein in der Tat bezaubernder Song folgt mit „Forsaken Love“. Durch eine wunderschöne Kombination aus Emotionalität und Härte hat der Track wahrlich Gänsehautmomente und entpuppt sich als echter „Seelenstreichler“.

„Call Of Destiny“ ist dann wieder ein klassischer Symphonic Metal-Kracher mit massiver Chorunterstützung im Refrain, der den Hörer automatisch zum Mitbangen zwingt.

Das folgende „We Are Murderers (We All)“ fällt dann ein wenig aus dem musikalischen Rahmen. Mit seiner düsteren Grundstimmung, seinen Growls, seinem anklagenden Credo und repetitiven „We are murderers“ setzt er zwar die zugrunde liegende Thematik angemessen um, wird damit aber nicht jedermanns musikalischen Geschmack treffen.

Mit „Dark Night Of The Soul“ erklingt dann die einzige Ballade des Albums, die wieder gekonnt Wellen voller Melancholie verbreitet.

Leider können die Tracks danach das hohe Niveau der ersten Albumhälfte nicht halten. Man bewegt sich im soliden Symphonic Metal-Bereich, aber es fehlt den Songs dann doch das Besondere, das individuelle Highlight oder einfach der durchgehende musikalische rote Faden. „Ship Of Doom“ hebt sich beispielsweise zwar durch seinen Male-Gesang und Zählreim von anderen Titeln ab, der progressive Zwischenpart erscheint allerdings deplatziert. Von der Anlage weist „Song For Sorrow And Woe“ zu viele Parallelen zu „Deep Silent Complete“ von Nightwish auf, um als besonders innovativ zu gelten. Und ein „Ceilí“ als reine Instrumentalnummer trägt an dieser Stelle des Albums auch nicht unbedingt dazu bei, die Spannung beim Hörer aufrechtzuerhalten.

Aber Xandria fangen sich schließlich wieder und haben noch „Queen Of Hearts Reborn“ am Start, ein recht flotter Song mit einem starken Chor im Refrain.

Und dann präsentieren Xandria das letzte Kapitel ihres neuen Albums, den Titeltrack „A Theater Of Dimensions“. Wobei der Begriff „Track“ dem nun folgenden über 14 Minuten dauernden musikalischen Reigen in keinster Weise gerecht wird. „A Theater Of Dimensions“ ist fast schon eine Mini-Metal-Oper, so komplex in allen Belangen und auch theatralisch (in positivem Sinne) wird hier zu Werke gegangen. Es werden in dieser Kurzgeschichte verschiedene Szenerien dargeboten, einhergehend mit entsprechenden Wechseln im Gesang, in Tempo, Melodie und Instrumentierung. Wenn nach ca. vier Minuten das erste Mal der stark von einem Chor getragene Refrain erklingt, sagt das schon viel über die Komplexität des Stücks aus. Mit Björn „Speed“ Strid (Soilwork), Henning Basse (Firewind, MaYaN) und Ross Thompson (Van Canto) konnten Xandria ganz nebenbei gleich mehrere Gastsänger für einen Beitrag auf ihrer neuen CD gewinnen. „A Theater Of Dimensions“ ist in dieser Form Epik pur und sicherlich nicht nur für Metal-Fans ein Genuss.

Xandria (Copyright: Stefan Heilemann)

Xandria haben 2017 mit „Theater Of Dimensions“ ein starkes Album am Start, mit welchem die Band ihren musikalischen Weg konsequent weitergeht. Produktionstechnisch bar jeder Kritik fehlt es – nach einem beeindruckenden opulenten Beginn – einigen Songs in der zweiten Albumhälfte zwar etwas an Raffinesse und Individualität, nichtsdestotrotz wird immer noch Female Fronted Metal vom Feinsten geboten. Besonders erwähnenswert ist dabei Dianne van Giersbergens Gesangsstimme, die mit ihrem sehr angenehmen Timbre in allen Tonlagen überzeugt. Trotz aller bombastischen Arrangements bleibt sie stets (mit Ausnahme des Instrumentalstücks) der Dreh- und Angelpunkt eines jeden Songs.
Alle Symphonic Metal Hörer können bei „Theater Of Dimensions“ daher bedenkenlos zugreifen!

Video

Tracklist

01 Where The Heart Is Home
02 Death To The Holy
03 Forsaken Love
04 Call Of Destiny
05 We Are Murderers (We All)
06 Dark Night Of The Soul
07 When The Walls Came Down (Heartache Was Born)
08 Ship Of Doom
09 Céilí
10 Song For Sorrow And Woe
11 Burn Me
12 Queen Of Hearts Reborn
13 A Theater Of Dimensions

Details

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Label: Napalm Records
Vö-Termin: 27.01.2017
Spielzeit: 74:33

Copyright Cover: Napalm Records



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde