Review

Xandria machen dort weiter, wo sie mit ihrem letzten Album „Sacrificium“ aufgehört haben: nämlich mit schnellem, eingängigem Opera Metal. Die Stippvisite in die musikalischen Gefilde der Bielefelder Band ist jedoch nicht von langer Dauer, denn bei ihrer aktuellen Veröffentlichung „Fire & Ashes“ handelt es sich lediglich um eine EP.

Sieben Songs, davon drei brandneue Titel, zwei Coverversionen und zwei Remakes, und eine Spielzeit von knapp 35 Minuten spiegeln die Fakten des Silberlings wider. Aber wie hört sich das Ganze an und ist „Fire & Ashes“ einen Kauf wert?

Die drei neuen Songs bilden den Anfang der EP. Schon „Voyages Of The Fallen“ weiß zu gefallen und geht schnell ins Ohr. Einige Tempowechsel zieren den Track, dessen Refrain eingängig, mehrstimmig und durch Chöre bombastisch aus den Boxen knallt. Ebenfalls mit von der Partie ist der bewährte Wechsel von klassischem Gesang in die ebenso klassisch intonierte soprane Lage.

Einen Tick härter folgt „Unembraced“. Birgt die Songstruktur an sich zwar keine nennenswerten Überraschungen, erfüllen der von Doublebass dominierte Refrain und die soliden sinfonischen Arrangements dennoch die Erwartungen.

Neues präsentieren Xandria auch im balladesken Bereich, denn „In Remembrance“ zeigt die ruhige Seite der Band.
Im Mittelpunkt steht der Gesang von Dianne van Giersbergen, die damit einmal mehr beweist, dass sie eine ausgezeichnete Sängerin ist. Weil nach und nach die anderen Instrumente den Song komplettieren, weiß dieser sich zu steigern. Man sollte jedoch schon etwas für den professionellen klassischen Gesang übrig haben, um durch die Perfektion hindurch wenigstens ein bisschen Emotionalität zu spüren. Diese bleibt nämlich – lässt man sich nicht vollständig auf die durch den Track führende Stimme van Giersbergens ein – andernfalls auf der Strecke und wird vorrangig durch die sich entwickelnde instrumentale Breitseite hervorgerufen.

Etwas „seelenlos“ bleibt aus gleichem Grund das Remake von „Ravenheart“. Insgesamt sind nur wenige Unterschiede zur Originalfassung auszumachen, darunter u.a. dichtere Chöre und ein opulenteres sinfonisches Klanggewand, im Vergleich zur Stimme von Vorgängerin Lisa Middelhauve geht van Giersbergen den Song jedoch „technischer“ an. Indem der Gesang derart professionell klingt, büßt der Ohrwurm etwas an Stimmung, Gefühl und Natürlichkeit ein.

Xandria (Copyright: Tim Tronckoe)

Xandria (Copyright: Tim Tronckoe)

Während die Covernummer des Sonata Arctica-Songs „Don’t Say A Word“ fast schon aus der Feder von Xandria hätte stammen können, erfrischend auch zu hören, wie van Giersbergen hier zunehmend mit Rock-Attitüde intoniert und dabei phasenweise an After Forever bzw. Floor Jansen erinnert, will der Meat Loaf-Klassiker „I’d Do Anything For Love (But I Won’t Do That)“ einfach nicht zur Symphonic Metal Band passen. Der ursprüngliche Rocksong klingt als Xandria-Interpretation zu sehr nach Musical, insbesondere da die „Theatralik“ des Titels hier zu aufgesetzt wirkt.

Das neue Material sowie die Coverversion des Sonata Arctica-Titels „Don’t Say A Word“ liefern schließlich die ausschlaggebenden Kaufanreize der EP. Alles Weitere kann als nette Zugabe des Rundlings gewertet werden; nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Wer nach „Sacrificium“ bereits nach neuem Material lechzt oder wem die Wartezeit auf ein weiteres Studioalbum zu lange dauert, der kann sich mit der EP „Fire & Ashes“ gut die Zeit vertreiben.

Tracklist

01 Voyage Of The Fallen
02 Unembraced
03 In Remembrance
04 I’d Do Anything For Love (But I Won’t Do That) (Meat Loaf Cover)
05 Ravenheart (Remake)
06 Now & Forever (Remake)
07 Don’t Say A Word (Sonata Arctica Cover)

Details

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Label: Napalm Records
Vö-Termin: 31.07.2015
Spielzeit: 34:59

Copyright Cover: Napalm Records



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde