Review

Within Temptation sind im Symphonic Metal Sektor kaum mehr wegzudenken. Ihre Erfolge, darunter hohe und Top-Chartplatzierungen, ausverkaufte Konzerthallen und zahlreiche Auszeichnungen, sprechen für sich. 2012 feierte die Band um Frontfrau Sharon den Adel ihr 15-jähriges Bühnenjubiläum – und das keineswegs im kleinen, stillen Kreis. Vielmehr stellte man eine symphonische Rock Show namens „Elements“ auf die Beine, die man gemeinsam mit 15.000 enthusiastischen Fans am 13. November 2012 im Sportpaleis in Antwerpen gebührend zelebrierte.

Dieses Event wurde zugleich visuell für die Ewigkeit festgehalten und befindet sich nun auf der zu erwerbenden DVD (oder Blu-ray) „Let Us Burn“. In vier verschiedenen Versionen (als DVD + 2CD, Blu-ray + 2CD, 2CD und als digitales Album) erhältlich, hält die Live-Publikation außerdem ein weiteres, im Rahmen ihrer europäischen „Hydra“-Arena-Tour am 02. und 03. Mai 2014 in der Heineken Music Hall in Amsterdam aufgenommenes Konzert parat.

„Let Us Burn“ ist nicht die erste Liveveröffentlichung, die Within Temptation verzeichnen können, reiht sich diese doch nach dem erfolgreichen „Black Symphony“ und „An Acoustic Night at the Theatre“ in die Diskografie der Band ein. Sieht man sich die ca. 170-minütige Livedarbietung an, wird man aber sicherlich davon sprechen können, es hier mit einer ihrer besten und opulentesten Live-Produktionen zu tun zu haben.

Die uns vorliegende Version ist die DVD-Variante inklusive der zwei Audio-CDs. Entsprechend viel Material gibt es anzusehen und -zuhören und entsprechend geflasht sind wir vom Umfang.
Bevor wir uns den beiden Konzerten in rein akustischer Form, verteilt auf je 16 Songs auf zwei CDs widmen, legen wir zunächst die DVD in den Player und starten als Erstes das Jubiläumskonzert „Elements“.

„Elements – Live In Concert“
Empfangen wird der Zuschauer von einem cineastischen Intro – und was für einem Sound! Wären da nicht hin und wieder die Publikumseinspieler, käme man nicht sofort auf die Idee, sich einen Konzertmitschnitt anzusehen, denn wie ein steampunkiger Sci-Fi-/Fantasyfilm leiten Within Temptation ihr Konzert ein. Dieser „Filmeinspieler“ fügt sich gelungen in das Bühnenbild ein und mündet schließlich im Orchesterbeitrag, der das Opening erst dezent, dann recht opulent untermalt. Der Kameraschwenk auf Dirigent und Orchester (The Il Novecento Orchestra unter Führung von Robert Groslot) zeigen dies. Die Neugier auf das Folgende ist geweckt und die Erwartungen angesichts dieses Einstiegs hoch.

Sobald die Gitarren und die Drums zusätzlich zum orchestralen Arrangement einsetzen, wird der Ton insbesondere vom Schlagzeug sehr (im positiven Sinne) dumpf und dunkel. Auch dem Gesang ist die Livesituation deutlich anzuhören, dies bleibt aber alles in einem authentischen, gut klingenden Rahmen und unterstützt die Liveatmosphäre, die sich umgehend auf den Zuschauer vor dem Fernseher überträgt. Das Konzert liefert somit auch für Daheimgebliebene einige Gänsehautmomente.

Eigentlich muss solch ein Spektakel tatsächlich hautnah miterlebt werden, um das nachempfinden zu können, was das Publikum vor Ort sicherlich in vollem Ausmaß gesehen und gefühlt hat. Nichtsdestotrotz zeigt der Mitschnitt eindrucksvoll die Live-Qualitäten der Band Within Temptation und was mit großzügig vorhandenem Budget möglich ist.

Eine riesige Location, Kostümwechsel seitens Sharon den Adel und die Massen an Zuschauern werden durch die dynamischen Kameraführungen gelungen eingefangen, allerdings wurde mit vielen Schnitten und Wechseln gearbeitet, sodass man sich kaum auf eine Aufnahme längere Zeit konzentrieren kann. Diesbezüglich hätte man ruhig ein wenig ausgiebiger auf ein Bild halten können, schließlich ändert man als Livezuschauer ja auch nicht seinen Blickwinkel wie ein Eichhörnchen auf LSD derart rasant, sondern verharrt bei interessant, schön und sehenswert Dargebotenem.

Die Bildqualität ist nicht immer bedingungslos gestochen scharf; Konzertfotografen werden dies kennen, dass die spezielle Beleuchtung die Aufnahmen manchmal ein wenig körniger und „krisseliger“ werden lässt. Schön fallen aber die Panoramaaufnahmen des gesamten Bühnenbildes inklusive Lichtshow und Pyroeffekten aus. Effektvoll wurden teilweise auch Bilder übereinandergelegt, sodass beispielsweise Gitarrist Robert Westerholt sowohl in Gänze als auch im Profil gleichzeitig gezeigt wird.

Auch wenn man nicht alle einzelnen Details des Bühnenbildes und der Bühnenshow aufgrund der Vielfalt und der verschiedenen Elemente wie Tänzer, Performer, Chöre (genauer gesagt The Fine Fleur Choir, besonders gut eingefangen im Song „Our Solemn Hour“) etc. beim ersten Ansehen sofort ausmachen kann, füllt insbesondere die Band die Bühne stets gelungen aus. Der Fokus liegt zwar hauptsächlich, aber nicht nur auf Sharon den Adel, sodass die eingefangenen Bilder sehr ausgewogen sind und sich das Augenmerk und der Lichtkegel auch schon mal auf Gitarristen (vor allem in Soli), Drummer und die zahlreichen anderen Mitwirkenden richtet.

Wie alte Hasen bewegen sich alle Beteiligten auf der Bühne, interagieren mit dem Publikum und sprühen vor Energie. Ganz anders als Kollegin Tarja Turunen weiß Sharon den Adel die Kulisse und Bühnenwege zu nutzen, und das sogar in Balladen wie „Fire And Ice“. Dabei ist ihr die Anstrengung nicht anzumerken. Die Erfahrung und Kondition der Musiker ist zu jedem Zeitpunkt präsent.

Songtechnisch liefert man ein bunt gemischtes Potpourri aus Klassikern wie „Stand My Ground“, über zahlreiche Titel des Albums „The Unforgiving“ bis hin zur Performance von „Candles“, zu finden auf dem Debütalbum „Enter“.
Zu „Candles“ lud man sich außerdem George Oosthoek (ehemals Sänger bei Orphanage) ein, der hier die Growls beisteuert, im genialen Zusammenspiel (nicht nur gesanglich, auch die Performance betreffend) mit Sharon den Adel brilliert und auf dem Debüt „Enter“ bereits als Gastvocalist mit der Band zusammengearbeitet hat.

„Hydra – Live In Concert“
Das hier festgehaltene finale Konzert der europäischen „Hydra“-Arena-Tour, welche anlässlich des sechsten Albums „Hydra“ stattfand, fängt ähnlich episch an wie das auf einem Silberling verewigte „Elements“-Konzert, nur auf das opulente Orchester und die fetten Chöre muss man verzichten.

Gemäß dem Songtext des titelgebenden Tracks „Let Us Burn“ („Let us burn and light up the skies here tonight. Let us burn in this fire that makes us yearn. We’re fighting our fear of the silence. We’re running through walls where they stand“) heizen die Niederländer dem Publikum ordentlich ein und wirken sogar noch befreiter im Spiel und Gesang als während des „Elements“-Konzerts. Dies kann eventuell daran liegen, dass hier weniger auf Perfektion und Zusammenspiel mit den vielen weiteren Elementen wie Orchester, Gastperformer etc. geachtet werden musste, sondern sich aufs reine Bandgefüge konzentriert werden konnte.

Auch die Setlist betreffend gibt es nur wenige Überschneidungen mit dem ersten Mitschnitt, denn der Schwerpunkt liegt auf den Tracks des „Hydra“-Albums, auch wenn man die bewährten Klassiker der Band nicht missen muss. Es stehen also nicht nur zwei Konzerte auf der DVD-Verpackung, es werden auch weitgehend verschiedene Konzerte geboten, die in ihrer Inszenierung kaum miteinander zu vergleichen sind.

Within Temptation (Copyright: Patric Ullaeus)

Within Temptation (Copyright: Patric Ullaeus)

Zwar performen Within Temptation einige Duette wie beispielsweise „And We Run“ (feat. Xzibit), „Dangerous“ (feat. Howard Jones von Devil You Know) und „Paradise (What About Us?)“ (feat. Tarja Turunen), alle Gastkünstler erscheinen aber nicht leibhaftig auf der Bühne, sondern werden lediglich mittels Videosequenz im Hintergrund eingespielt.

Obwohl die Location vermutlich nicht oder nur geringfügig kleiner ist, so wirkt es zumindest, erscheint das Event sehr familiär.

Ebenso gibt es an der Bildqualität nichts auszusetzen.
In Kombination mit der Pyrotechnik kommen vor allem die Slow Motion Effekte super an.

Die DVD mit ihren zwei Konzerten macht eine Menge Spaß. Die darauf zu sehene Spielfreude überträgt sich binnen kürzester Zeit auf die Zuschauer und auch am Sound gibt es rein gar nichts zu meckern. Selbst wenn man den Lautstärkeregler ‚gen lautlos stellt, klingen die Mitschnitte kraft- und druckvoll aus den Boxen.

Zwei Audio-CDs
Als Bonus gibt es schließlich noch die zwei Audio-CDs, welche – abgesehen von den Intros – die exakte Playlist der Livemitschnitte enthalten. Somit ist gewährleistet, dass man sich die Liveaufnahmen auch ohne Bild überall anhören kann. Auch hier ist die Tonqualität nicht zu beanstanden.

Insbesondere Fans von Livemusik kommen auf ihre Kosten, wurde der Livecharakter doch authentisch beibehalten, ohne den Sound zu kompromittieren.
Ein mehr als gelungenes Paket, das jede Kritik im Keim erstickt. Daher gibt es auch trotz kleiner Anmerkungen die volle Punktzahl.

Trailer

Video

Tracklist DVD

„Elements – Live In Concert“
01 Intro
02 Iron
03 In The Middle Of The Night
04 Faster
05 Fire And Ice
06 Our Solemn Hour
07 Stand My Ground
08 Angels
09 Sanctuary Intro
10 The Last Dance
11 Say My Name
12 Candles
13 Sinéad
14 The Promise
15 Mother Earth
16 Ice Queen
17 Stairway To The Skies

„Hydra – Live In Concert“
01 Intro
02 Let Us Burn
03 Paradise (What About Us?)
04 Faster
05 Iron
06 Edge Of The World
07 In The Middle Of The Night
08 Dangerous
09 And We Run
10 Stand My Ground
11 Covered By Roses
12 Mother Earth
13 What Have You Done
14 Silver Moonlight
15 Whole World Is Watching
16 Sinéad
17 Ice Queen

Tracklist CDs

CD 01: Elements Live At Sportpaleis Antwerp
01 Iron
02 In The Middle Of The Night
03 Faster
04 Fire And Ice
05 Our Solemn Hour
06 Stand My Ground
07 Angels
08 Sanctuary Intro
09 The Last Dance
10 Say My Name
11 Candles
12 Sinéad
13 The Promise
14 Mother Earth
15 Ice Queen
16 Stairway To The Skies

CD 02: Hydra Live At Heineken Music Hall Amsterdam
01 Let Us Burn
02 Paradise (What About Us?)
03 Faster
04 Iron
05 Edge Of The World
06 In The Middle Of The Night
07 Dangerous
08 And We Run
09 Stand My Ground
10 Covered By Roses
11 Mother Earth
12 What Have You Done
13 Silver Moonlight
14 Whole World Is Watching
15 Sinéad
16 Ice Queen

Details

Within Temptation – Homepage
Within Temptation – Facebook
Within Temptation – Twitter

Label: BMG Rights Management / Rough Trade
Vö-Termin: 14.11.2014
Spielzeit: 170 (DVD) + 80:17 (CD 01) + 78:28 (CD 02)

Copyright Cover: BMG Rights Management



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde