Review

Die auch hierzulande durch ihre vielfachen Live-Aktivitäten sicherlich nicht mehr unbekannten Wisdom legen dieser Tage mit „Rise Of The Wise“ ihr neuestes Werk vor. Nach dem überragenden „Marching For Liberty“-Album waren die Erwartungen natürlich entsprechend hoch. Wir lassen uns überraschen, ob die Power Metaller aus Ungarn diesen gerecht werden.

Nach dem kurzen Intro „Over The Wall“ erschallt mit „Raven’s Night“ gleich eine echte Perle aus den Boxen. Schnelle, filigrane Gitarrenläufe, ein druckvoller Bass und Doublebass, dazu die sehr angenehm klingende Stimme von Sänger Gabor Nagy und der inzwischen so typische gemischte Chor im Refrain – Wisdom präsentieren bereits hier alle Trademarks ihres musikalischen Stils. Der Refrain ist sehr eingängig und bleibt aufgrund seiner Melodiestärke umgehend im Ohr. Ein mehr als gelungener Auftakt.

Das folgende „My Heart Is Alive“ reduziert das Tempo merklich und kommt schon fast als Halbballade daher. Ein Song, der viel Atmosphäre erzeugt, aber an dieser Stelle des Albums nicht glücklich platziert wurde.

Mit „Hunting The Night“ prescht der nächste Song ohne echtes Highlight und damit relativ unauffällig an einem vorüber. Ist er vorbei, hat man ihn auch schon wieder vergessen.

Auch „Hero“ drückt das Gaspedal wieder ordentlich durch. Ein kurzer Song, der ohne Schnörkel auskommt, aber gerade deshalb – und durch den leicht epischen Refrain – überzeugen kann.

Zu den überzeugenden Songs zählen auch noch „Nightmare Of The Seas“ mit seinem markanten galoppierenden Gitarrenspiel – sehr eingängig; eine Nummer, die sehr viel Spaß macht und unweigerlich zum Mitsingen einlädt -, und das ebenfalls schnelle „Welcome To My Story“.

Das Album beschließt der Titelsong „Rise Of The Wise“, für den Wisdom keinen geringeren als Joakim Brodén (Sabaton) als Gastsänger gewinnen konnten. Ein leicht martialischer, überaus gelungener Song, der nicht nur durch Brodén einige Ähnlichkeiten zu den Songs der Schweden aufweist.

So bleibt am Ende ein durchwachsenes Fazit. Neben einer Handvoll erstklassigen Power Metal Nummern, in denen Wisdom ihre Qualitäten in allen Belangen ausspielen, enthält „Rise Of The Wise“ leider auch einige mittelprächtige Stücke, die zwar keine Ausfälle darstellen, aber auch keine Nachhaltigkeit offenbaren. Hier fehlt es doch häufig an songwriterischer Kreativität und vielleicht auch etwas an Mut, den nächsten Schritt in der musikalischen Entwicklung zu nehmen.

Wisdom (Copyright: Wisdom)

Wisdom (Copyright: Wisdom)

Auffällig zu den Vorgängeralben ist das Bemühen, durch Tempovariationen mehr Abwechslung zwischen den einzelnen Songs zu schaffen. Dadurch geht auf Albumlänge leider auch einiges an Energie verloren.
Titel wie „Through The Fire“ und „Believe In Me“, ein Midtempo-Song und eine Ballade, sind mit der bereits genannten „My Heart Is Alive“ vielleicht dann doch zu viel der ruhigeren Momente.

Mit „Rise Of The Wise“ legen Wisdom in 2016 somit zwar ein empfehlenswertes, aber gleichzeitig auch nur ein durchschnittliches Power Metal Album vor, das leider nicht die Klasse und Eindringlichkeit des Vorgängers „Marching For Liberty“ erreicht.

Teaser

Videos

Tracklist

01 Over The Wall
02 Ravens‘ Night
03 My Heart Is Alive
04 Hunting The Night
05 Hero
06 Through The Fire
07 Nightmare Of The Seas
08 Believe In Me
09 Secret Life
10 Welcome To My Story
11 Rise Of The Wise

Details

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Label: NoiseArt Records
Vö-Termin: 26.02.2016
Spielzeit: 42:20

Copright Cover: NoiseArt Records



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde