Review

Für wen? Für diejenigen unter den Indie-Liebhabern, die Wert auf simple und effektive Einfälle in der Musik und darüber hinaus auf alltägliches, manchmal nostalgisches, deutsches Flair legen. „Brems das Karussell“ vermag hier alle Punkte zu erfüllen.

Die Bremer Band WirFürWen ist wieder mal ein Paradebeispiel dafür, dass deutscher Indie-Rock ab der ersten Sekunde zünden kann; und das nicht einmal unbedingt nur auf der rockigen Seite, obwohl „Gute Zeit“ schon gut mit stämmigen Riffs loslegt. Hinzu kommt ein ansprechender, melodischer Refrain. Mit diesen treffen WirfürWen übrigens stets den Nerv, der die Ohrwürmer hervorruft.

Und bereits beim dritten Song der Platte, „Werd dich nicht los“, bleibt man immer wieder hängen. Er besitzt durch die einfachen Synthie-Klänge eine leichte Pop-Note sowie klaren Gitarrensound und einen rollenden Bass.
Vorhin beschriebenes Symptom des Refrains tritt auch hier wieder auf, gemeinsam mit einer perfekt getimten und catchigen Hook. Außerdem geht dazu noch eine nette Lebensweisheit einher:

„Ich bin zwar kein Arzt, doch ich kenn ein paar Patienten“

In welchen Situationen passt dieser Satz denn bitteschön nicht?

Wodurch die Jungs soundmäßig besonders hervorstechen, ist die Lässigkeit, mit der sie ihre Musik angehen. Dabei kommen funkige Gitarren zum Tragen und die Bassmaschine scheint irgendwie nie wirklich stillzustehen. Weiterhin schwebt immer ein anderer Stil in der Luft: Einmal abgesehen von geradlinigen Rock-Pop-Hymnen geht es zudem mit „Einmal mehr“ viel dynamischer, etwas bluesiger, vielleicht etwas jazziger zu, aber alles unter der Indie-Flagge. Davon profitieren auch Songs wie „Katharina“, durch den WirFürWen wieder als Gesamtpaket und mit Groove ihre Zuhörer zur Bewegung zwingen.

Leider scheint kein Album heutzutage mehr ohne konstruierte Ballade auszukommen. So auch „Brems das Karussell“, wobei das Piano in „Lieben uns still“ den Song gut zu füllen weiß und der Mundharmonika-Part gelungen ist. Dieser hat bei „Katharina“ aber deutlich besser in den Kontext gepasst.
Auch „Bleib wach“ und „Mensch“ hätten ruhig mit mehr Innovation glänzen können, doch dafür gestalten sich die Lyrics hier sehr ansprechend.

Die Texte sind eine der Stärken auf „Brems das Karussell“ und es sind auf jeden Fall lyrische Gegebenheiten, mit denen man sich durchaus identifizieren oder einfach unterhalten werden kann; vor allem wohl deshalb, weil eine Menge Zeilen direkt im Ohr hängen bleiben, da man nicht – wie bei vielen anderen Texten aus dem Indie-Bereich – um zig Ecken denken muss.

WirFürWen (Copyright: WirFürWen)

WirFürWen (Copyright: WirFürWen)

Gesanglich ist die Band hier ebenfalls solide unterwegs, ohne dass man sich an eine eigenwillige Stimme gewöhnen muss. Obwohl manchen Stellen etwas mehr emotionale Fülle bzw. Experimentierfreudigkeit gutgetan hätte. Gute Performance, Luft nach oben, aber man spart sich definitiv das Zusammenzucken bei verfehlten Tönen.

„Brems das Karussell“ misst sich mit so manchen Songs an sich selbst, wodurch dann einige weniger spektakulär wirken als die akustischen Sympathieträger der Platte. Wichtiger ist dennoch, dass die zwölf Titel immer auf den Punkt genau gespielt sind.

WirFürWen überzeugen durch einen typisch ausgeglichenen Indie-Sound, der zudem ansprechend und bunt daherkommt. Abwechslungsreiche Kompositionen mit cleveren Texten und musikalischer Offenheit.
WirFürwen? Für dich!

Video

Trackliste

01 Sexy Falten
02 Gute Zeit
03 Werd Dich nicht los
04 Einmal mehr
05 Lieben uns still
06 Steig ein
07 Alltagstreue
08 Katharina
09 Spielerei
10 Ja klar
11 Bleib wach
12 Mensch

Details

WirFürWen – Homepage
WirFürWen – Facebook

Label: Timezone Records
Vö-Termin: 18.03.2016
Spielzeit: 45:42

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Christopher