Review

Wagner und Falgalas, beides Musiker der bekannten Formation Dance or Die, beschreiben ihr Projekt Winterhart als von Neofolk und Martial Industrial inspiriert. 2015 erschien die erste LP „Time doesn’t Wait“, 2016 legen sie mit „Ryk of Glory“ nach.

Martialisch startet das Album mit „Brave New World“ als Einmarsch ihrer musikalischen Geschichtsstunde: Simple Melodien, Getrommel von imaginären Ureinwohnern und die unverwechselbare Stimme Wagners erzählen von der Entdeckung Amerikas, oder wie es das Thesenpapier eines Booklets beschreibt von der schönen neuen Welt, die der weiße Mann auf dem Mord der Native Americans gebaut und dabei die Afrikaner als Sklaven missbraucht hat.

Auch die weiteren Songtexte kommen ambitioniert daher, wirken aber beim Hören leider schnell wie eine Aneinanderreihung ausgetretener Allgemeinplätze und erfüllen den Anspruch der Gesellschaftskritik kaum.

Die Spannung auf den eingangs erwähnten Genre-Mix erfüllt sich gleichsam nicht, auch wenn es einige kleine Lichtblicke gibt. Einer davon ist „War in Heaven“, das mit Keyboard und Soundeffekten und einer düsteren Erzählstimme die Kulisse einer regnerischen Nacht zeichnet und vom Krieg im Himmel und dem bis heute dauernden Kampf der Anhänger des Antichristen gegen das Licht erzählt.

Dahingegen plätschern „El Dorado“ und „King of the Sun“ regelrecht frohgemut vor sich hin mit den Indianergesängen und Akustikgitarren und schaffen es dabei nicht, auf musikalischer oder inhaltlicher Ebene zu fesseln.

Auch der Gesang wirkt oft kraftlos und rückt bei aller rituellen Entschleunigung angesichts der manchmal tatsächlich anregenden Hintergrundgesänge wie in „War in Heaven“ schnell in den Hintergrund. Aber leider werden auch solche Aspekte regelrecht heruntergeleiert – das klerikal anmutende „Panem et Circensis“ klingt so vielversprechend wie die anderen Titel auch, verliert sich aber im mahnenden Mantra der Konsumkritik und verhallt in Monotonie, ohne sich durch diese bei richtiger Anwendung sehr effektvollen Mittel im Gedächtnis festzusetzen oder die Aufmerksamkeit für mehrfaches Hören und tieferes Eindringen in Musik und Materie zu halten.

Winterhart (Copyright: Pixelstudio Berlin)

Winterhart (Copyright: Pixelstudio Berlin)

Auch die vielen Gastmusiker und zwei Coverversionen steigern den Mehrwert nicht unbedingt und „Warriors of the World“ ist in der Winterhart-Version wirklich grenzwertige Geschmackssache.

Leider wird „Ryk of Glory“ damit seinen Ankündigungen kaum gerecht, simple Arrangements versuchen mit großen Worten Anklang zu finden; auch vor Plattitüden wie „ashes to ashes, dust to dust“ wird nicht haltgemacht.

„El Dorado“ gibt die Prognose für dieses Nebenprojekt: „your destiny is sealed“.

Video

Tracklist

01 Brave New World
02 El Dorado
03 King of the Sun
04 Panem et Circenses
05 Ryk of Glory
06 Song of Zeraphine
07 War in Heaven
08 Die Macht
09 The Ten Plagues
10 When Silence is a Warning
11 Warriors of the World
12 Atmosphere

Details

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Label: Danse Macabre
Vö-Termin: 26.02.2016
Spielzeit: 66:06

Copright Cover: Danse Macabre



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Maria
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