Review

Der Clan der Kettensäge ist zurück und will mit dem Album „Mark of the Blade“ des Hörers Gesicht zerreißen.
Whitechapel feiern ihr 10-jähriges Jubiläum mit einer neuen Platte, auf der sie vor allem den Fans danken, ähnlich wie bereits auf ihrer Dokumentation, die gezeigt hat, dass die Band gerne tourt, dies aber für sie Fluch und Segen zugleich ist. Frontmann Bozeman verarbeitet auf „Mark of the Blade“ nun aber nicht das Tourleben, sondern seine Kindheit und ein Thema, das bestimmt jeder schon einmal erlebt hat: elitäre Metalfans!
Der Ansatz, dass wir eine Community sind, überzeugt. Doch kann das neue Album der Elite aus Knoxville ebenfalls überzeugen?

„The Void“ gab es bereits als Singleauskopplung und er ist einer der besseren Whitechapel-Songs. Warum? Er klingt nun mal ganz nach der Band; wir befinden uns im Revier von „This is Exile“ und dort waren wir schon lange nicht mehr. Bozeman ist in Höchstform und zeigt seine stimmlichen Muskeln. Die Nummer hat dank vieler Chuc Chuc und Humpa Beats einen guten Flow. Ab dem Mittelteil gibt es noch einen feinen Part mit Stereo-Gitarrenintro. Ziemlich fesselnd und klasse gemacht.

Dominiert wird die ganze Platte von einem derben Meshuggah-Gitarrensound, dem es allerdings massiv an Druck fehlt. Die Riffs sind dafür relativ eingängig und durch das treibende Schlagzeug kommt Moshpit-Feeling auf.

Die Drucklosigkeit bekommt der Hörer auch im Titeltrack „Mark of the Blade“ zu spüren, der somit nur so vor sich hinfließt. Mit diesem Song eröffnet uns die Band zudem ihr gesamtes Soundspektrum für ihr Album. Mehr als langsames Bum-Klack und Riffs im superlangsamen Gewand kann man nicht erwarten. Die massiv gewollte Brutalität im Sound ist einfach nicht vorhanden. Die Subbass ergibt zwar hier und da ein wenig Kraft, aber die eigentlich bekannten saftigen Breakparts der Band fruchten gar nicht. Wer den Song „The Saw is the Law“ der letzten Platte kennt, hat hier ein ganzes Album aus einem, nämlich diesem Song gewonnen, denn die Titel auf „Mark of the Blade“ ähneln sich wie ein Ei dem anderen. Klar lässt sich die Band seit Jahren nicht vorschreiben, was sie zu machen haben, aber wo ist ihre Intension, die Brutalität mit etwas Raffinesse zu verbinden? Ihr selftiteld Album hat gezeigt, wozu die Jungs in der Lage sind. „Mark of the Blade“ verkommt hingegen zu einer schwächeren Version von „Our Endless War“.

Heiß diskutiert wurde bereits der Song „Bring Me Home“. Bozeman singt? Wie kann das sein? Na ja, er hatte Bock darauf und sicherlich spielte auch die inhaltliche Ebene des Songs, seine Vergangenheit, diesbezüglich eine Rolle. Die Band spielt mittlerweile, worauf sie Lust hat, und wenn es Gesang geben muss, dann gibt es den. Und jener kann hier überzeugen.

Whitechapel (Copyright: Whitechapel)

Whitechapel (Copyright: Whitechapel)

Lichtblicke gibt es auf „Mark of the Blade“ generell immer nur in Form von einzelnen Parts. Ganze Songs können nicht brillieren, außer vielleicht „The Void“. Auch zum Ende hin flacht die Platte noch einmal ab. Einzig die Message der Scheibe bleibt positiv im Gedächtnis.

Schade, dass die neue Whitechapel Platte so wenig Interessantes bietet. Nach den letzten Stimmen sollte es wieder in Richtung „Whitechapel“ gehen und den Spaß an der Band bekräftigen. Stattdessen sucht man sich seine Lieblingsparts mühselig zusammen.
Fans können diese Platte zunächst getrost beiseite lassen, live kann man sich jedoch vorstellen, dass die Stücke mörderisch abgehen. Vielleicht ein Fünkchen Hoffnung?

Video

Trackliste

01 The Void
02 Mark of the Blade
03 Elitist Ones
04 Bring Me Home
05 Tremors
06 A Killing Industry
07 Tormented
08 Brotherhood
09 Dwell in the Shadows
10 Venomous
11 Decennium

Details

Whitechapel – Homepage
Whitechapel – Facebook

Label: Metalblade Records
Vö-Termin: 24.06.2016
Spielzeit: 47:58

Copyright Cover: Metalblade Records



Über den Autor

Marcus
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