Review

Passend zu den langsam sinkenden Temperaturen lassen White Empress mit ihrem Debüt „Rise Of The Empress“ die Eiszeit durch die Boxen strömen. Gitarrist Paul Allender wollte sich fernab von Cradle Of Filth anderen Projekten widmen und so entstand eine Band mit typischen Metal Sound aus allen Ecken des Genres. Neben Ausflügen in den Death Metal Bereich, schwingen Allenders düstere Riffgewitter auf elektronischen Keyboardklängen mit.

Natürlich werden wie zu erwarten alle Ansprüche Fans lauter Musik zufriedengestellt. „Rise Of The Empress“ ist gut produziert, knallt ordentlich und geht gut nach vorne. Das Prinzip Metal-Band eben. Dennoch unterscheiden sich White Empress, obwohl sie auf viel bewährte Werkzeuge zurückgreifen, von dem Einheitsbrei.

White Empress haben ein Konzept, das sie lyrisch und musikalisch in zehn Songs verpacken. Die Idee dahinter mag zwar nicht sehr innovativ sein, aber darüber tröstet die gute Umsetzung hinweg.

Um den Wünschen der Schneekönigin gerecht zu werden, werden alle Titel mit Chören untermalt, eigentlich nichts Ungewöhnliches, aber in Kombination mit dem Keyboard klingen diese sehr dynamisch und nicht zu abgedroschen. Auf „Rise Of The Empress“ hat man sich mit der Epik deutlich mitreißen lassen. Allerdings schweben immer ein gewisses Unbehagen und etwas Bösartiges mit, das einen hypnotisch zu den Songs mitnicken lässt.

Diese Stimmung wird unter anderem deutlich von dem Gesang geprägt. Weibliche Vocals sind im Metalbereich ja schon lange nichts Ungewöhnliches mehr. Bezogen auf White Empress könnte man oberflächlich Parallelen zu Arch Enemy ziehen. Mit der Betonung auf „oberflächlich“, denn stimmlich wird dem Hörer hier ein facettenreiches Klangerlebnis geboten. Fangen wir mit dem Dämonenorgan Mary Zimmers (Luna Mortis) an, welches die tiefen Growls sehr sauber wiedergibt. Im Kontrast dazu der klare Gesang, welchen man, wie man so schön sagt, „engelsgleich“ erwartet. Doch weit gefehlt. Es dominiert die kräftige, tiefe, an Operngesang erinnernde Stimme.

White Empress (Copyright: White Empress)

White Empress (Copyright: White Empress)

Überleitend zum nächsten Punkt, denn „Rise Of The Empress“ hört sich tatsächlich wie eine total verdrehte Oper an mit den schizophrenen Vocals, die hin und her wandern zwischen Bestie und emotionsloser Königin. Der Monolog zu „Dethroned“ trägt dazu noch einmal eine Menge bei. Gleichzeitig wird die Musik nicht durch Breaks unterbrochen, sondern läuft immer, bis auf diverse Tempowechsel, flüssig und Blasbeat ballernd durch.

Am Rande sehr interessant ist der scheppernde Bass, der so sein eigenes Soloding auf der Platte durchzieht. Interessant deswegen, weil er von Coal Chamber Mitglied Chela Harper gespielt wird und dem Gesamten etwas Anarchisches verleiht.

White Empress bedienen sich ihrer gesamten Erfahrung aus eigenen Projekten, um die Intention auf „Rise Of The Empress“ so authentisch wie möglich zu gestalten. Und das gelingt. Zwar werden erprobte Hörer weniger überrascht, finden sich dafür aber umso mehr in den Sound ein. Unterstützt durch die klasse Elektronik und die Atmosphäre wird das Album von der Band ausgezeichnet in Szene gesetzt. „Rise Of The Empress“ ist gnadenlos, bösartig und doch so betörend, dass man sich der neuen Herrscherin aus freien Stücken unterjochen lassen möchte.

Video

Trackliste

01 Rise Of The Empress
02 The Congregation
03 A Prisoner Unleashed
04 Darkness Encroaching
05 Sven´s Tower
06 Erased And Rewritten
07 The Ecstatic And The Sorrow
08 Dethroned
09 Obession With The Empress
10 Ours To Burn

Details

White Empress – Homepage
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White Empress – Twitter

Label: Peaceville / Edel
Vö-Termin: 03.10.2014
Spielzeit: 43:22

Copyright Cover: Peaceville



Über den Autor

Christopher