Review

Sie selbst bezeichnen ihre Musik als Indie-Surf und warum das Kind nicht direkt beim Namen nennen, wenn es doch auch so ist, denn das Kölner Quartett Wellness verfeinert auf ihrem Album „Immer Immer“ ihren Indie-Rock mit dem Sound aus dem Surf-Rock der 60er und bringt damit buchstäblich frischen Wind in das moderne Genre.

Natürlich trifft man auf diesen Einfluss bereits in den ersten Sekunden von „Bazooka“. Mit ihren ansteckenden Tremolo- und Reverbeffekten auf den Gitarren könnten sie den Beach Boys gut Konkurrenz machen. Durchgängig groovt das Schlagzeug noch dazu, was den „Das kenne ich doch irgendwoher“-Effekt auf den Plan ruft.

Wellness lassen sich nicht lange bitten und präsentieren mit „Exit Exit“ und „Was Du Denkst“ zu Beginn gleich zwei Highlights der Platte.
„Exit Exit“ folgt der bekannten Formel und auch der Bass ist hier unglaublich pulsierend. Jener sorgt über die gesamte Spielzeit für die konstante Dynamik des Albums.
Mit „Was Du Denkst“ beweisen die Jungs, wie sie mit ihrem Stil spielen können, ohne nur ihre Tonleitern im hohen Tempo abzuklappern.

Dies bewahrt „Immer Immer“ jedoch nicht davor, diesen Sound stellenweise abgenutzt klingen zu lassen – zum Teil in „Duell“, aber etwas deutlicher in „Besucher“ und „Endlich Endlos“. Der Hörer trifft dabei auf die gleiche Herangehensweise, was den anfangs starken musikalischen Charakter ein wenig blasser wirken lässt.

Doch Wellness machen es im darauffolgenden Track „Mirabelle“ wieder wett, mit einem Riff, das ruhig öfter im gesamten Song hätte fallen können. Es ist aber vor allem der Anteil von Indie, der überzeugt. Ebenfalls geht es in zwei Titeln instrumental zur Sache und einer davon, „Aloha Arne“, wäre auch ein typischer Vertreter für eine Tito & Tarantula Performance.

Deutsche Texte benötigen auch einen Gesang mit Indie-Charakter. Weil mit der Stimmfarbe zwischendurch ein wenig variiert wird, entpuppt sich das Ganze als sehr warmherzig und unweigerlich betörend. Im Großen und Ganzen fehlt jedoch ein gewisser catchiger Höhepunkt in Kombination mit den restlichen Instrumenten, denn gerade weil der Sound oft sehr verträumt und lässig erscheint, ist es für den Hörer schwer, seinen Fokus zu finden.

Wellness (Copyright: Thilo Schmülgen)

Wellness (Copyright: Thilo Schmülgen)

Konzentriert man sich aber dann auf die Gegebenheiten, wird einem der eine oder andere mitreißende Titel mehr auffallen. Manchmal braucht es dann einen zweiten Durchgang, um den energetischen „Transmitter“ oder den metaphorisch angehauchten Song „Heiße Liebe“ wertzuschätzen.

Man könnte sagen, dass Wellness sich hier ihre eigene kleine Welt erschaffen haben. Sie nutzen bewusst bestehende Elemente und bringen sie durch ihre musikalischen Fertigkeiten in Einklang mit dem Hörgenuss. „Immer Immer“ bietet definitiv etwas Neues und dazu ein ganzes Arsenal von Songs, die im Einzelnen auch noch qualitativ überzeugen.

Jetzt noch eine Surfer- bzw. Band-Anspielung oben drauf: Wellness reiten die perfekte Welle Richtung Sonnenuntergang. Mahalo.

Video

Trackliste

01 Bazooka
02 Exit Exit
03 Was Du Denkst
04 Aloha Arne
05 Duell
06 Besucher
07 Endlich Endlos
08 Mirabelle
09 Calamari
10 Heiße Liebe
11 Amnestie
12 Transmitter
13 Müdes Licht

Details

Wellness – Homepage
Wellness – Facebook

Label: Popup Records
Vö-Termin: 12.02.2016
Spielzeit: 43:35

Copyright Cover: Popup Records



Über den Autor

Christopher