Review

Atmosphärischen Gothic Metal für Fans von Bands wie Sentenced, To/Die/For, Ghost oder Charon kündigt die Presse-Information zur EP „Ashes“ der finnischen Band Welkins Boreal an. Und wie schön und begrüßenswert wäre es, wenn dies tatsächlich zutreffen würde. Leider ist dem nicht so – und damit die Katze bereits aus dem Sack.

Woran das liegt, hat vielerlei Gründe, beginnen wir mit dem Naheliegendsten:

Die Songs

Sehr sparsam gehen Welkins Boreal mit neuem Songmaterial um, sodass sich lediglich drei Titel auf der EP befinden. Das macht die Angelegenheit nicht gerade aussagekräftig, noch punktet man somit durch Quantität.

Dass „Ashes“ auch hinsichtlich der Qualität nur bedingt überzeugen kann, wird schon mit dem Opener „Are You A Witch?“ deutlich. Der Song lässt zwar gute Ideen und Ansätze erkennen, kann aber letzten Endes die Hörer nicht abholen.

Folgetrack „Triumph Of Steel“ fällt dann sehr (und insgesamt zu) ruhig aus. Der Titel kann seine Spannung nicht halten respektive überhaupt aufbauen und zieht sich daher ungemein in die Länge ohne zu berühren oder den Hörer – in welcher Weise auch immer – zu tangieren.

Gute Ansätze lassen sich erneut im Titeltrack und gleichzeitigen Abschlusssong „Ashes“ erahnen. Erstmals ist hier eine angenehme Melodie erkennbar, während bis dato auf eingängige Elemente verzichtet wurde. Dennoch plätschert das Lied nur am Hörer vorbei und kann den Gesamteindruck von der EP nicht mehr ändern.

Allerlei Kritikpunkte

In allen drei Songs begeben sich die Hörer indes vergebens auf Spurensuche nach dem angekündigten „Atmospheric Gothic Metal“, finden stattdessen jedoch eher Heavy Metal, Alice Cooper-Anleihen, progressive Nuancen und teils sogar (ungewollte?) disharmonische Klänge. Das mag zwar abwechslungsreich sein, ist aber ferner durchzogen von weiteren Störfaktoren.

Darunter insbesondere der gewöhnungsbedürftige Gesang mit wenig Ausdrucksstärke und keiner allzu angenehmen Stimmfarbe sowie die schlechte Aussprache der englischen Lyrics. Letzteres hätte eventuell vermieden werden können, wären Welkins Boreal ihrer Heimatsprache treu geblieben; vielleicht wäre dadurch sogar auch mehr Atmosphäre erzeugt worden.

Zu beidem passt allerdings die Wahl, die EP im 80er Jahre Analog-Stil aufzunehmen. Nicht dass das hervorragend klingt, im Gegenteil, verpasst auch dies den modernen Sound gewohnten und verwöhnten Ohren vielmehr einen amateurhaften Anstrich – und wirkt um Jahre verspätet veröffentlicht. Doch Perfektion war auch nicht der Anspruch der Band, wie folgendes Zitat belegt:

Daher mögen das Spiel und der Gesang auf „Ashes“ nicht perfekt sein, aber der Produzent und die Band folgten der Philosophie, dass die Emotionen der Musik die roboterhafte Präzision überwiegen und ein Gefühl der Gefahr interessanter ist als vorhersehbare Perfektion.

Schade, wäre einem Titel wie „Triumpf Of Steel“ ein moderneres Soundgewand doch sehr zugutegekommen, um in ihm fettere Chöre, dichtere Klanglandschaften, eindringlichere Melodien und vor allem auch gefühlvollere Momente entstehen zu lassen.

Fazit

Welkins Boreal (Copyright: Mirkka Pihlajamaa)

Eventuell möchten Teemu Kautonen und seine Mannen mit der EP testen, wie ihre Musik ankommt, und sich dann entscheiden, wie es weitergeht. Dies auch stilistisch, denn noch wirkt „Ashes“ – trotz der knappen Anzahl von drei Songs – sehr durcheinander und zusammengewürfelt.

Kein Song bleibt hängen, kein Track versprüht die Atmosphäre, die man sich – wie angekündigt – von einer Atmospheric Gothic Metal Band à la To/Die/For gewünscht hätte, kein Titel besitzt packende eingängige Melodien, kein Lied kann Emotionen transportieren, nicht einmal Gothic Metal in seiner reinen Form, wie erwartet, ist hier zu vernehmen. Kurzum: Auf ganzer Linie enttäuschend.

Tracklist

01 Are You A Witch?
02 Triumph Of Steel
03 Ashes

Details

Welkins Boreal – Homepage | Welkins Boreal – Facebook

Label: Eigenproduktion
Vö-Termin: 11.09.2020
Spielzeit: 12:45

Copyright Cover: Pavel Kurbanov (All4Band Design)



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde