Review

Wohnen tun sie in Hagen in Nordrhein-Westfalen, doch ihren Dark bzw. Gothic Rock spielen sie, als ob sie aus den einsamsten Winkeln Finnlands kommen – WEAK bedienen nach einigen EPs nun auch auf ihrem Debütalbum „Dark Desires“ bestens das Genre und erfüllen alle Kriterien, um sich dort ganz oben zu platzieren.

Mit den ersten sieben Tracks auf „Dark Desires“ räumt das Quartett schon ordentlich ab und zieht Genre-Fans vor allem durch eingängige Melodien und dunkel-melancholische Stimmung in seinen Bann.
Die Breitseite an gothrockigen Riffs treibt die Titel energisch nach vorne und insbesondere die warme, volle Stimme von Sänger Quim packt die Hörer prompt. Innovatives muss man zwar nicht erwarten, denn textlich dreht sich alles – ganz genretypisch und -tauglich – um den Albumtitel, also um „Dark Desires“, was wiederum ganz im klassischen Gothic Rock Stil mit finnischer Prägung gekleidet wird, doch genau das wird in kraftvoller Produktion überzeugend dargeboten, dass man bei WEAK von einem würdigen Nachfolger der finnischen und 2011 aufgelösten Band Charon sprechen könnte.

Neben Charon-Ähnlichkeiten blitzen hin und wieder auch moderne Momente à la end of green und Lacrimas Profundere auf. An anderer Stelle erinnern WEAK an die „One Second“-Zeiten von Paradise Lost und die „Down“-Phase von Sentenced. Ebenfalls könnte sich die Band eine Bühne mit The 69 Eyes oder (wie „The Devil’s Rose“ zeigt) mit Scream Silence teilen. Wer also Veröffentlichungen dieser und ähnlich gearteter Bands in seiner Sammlung hat, der sollte sich auch dringend „Dark Desires“ von WEAK zulegen.

Hört man sich das Album „Dark Desires“ von WEAK also erstmals an, möchte man schon die Höchstwertung vergeben, doch ganz kritiklos kommt das Debüt der vier Mannen nicht davon.

Auf dem Weg in die finnischen Wälder sind WEAK scheinbar einmal falsch abgebogen und haben sich sowohl von einem Electro-Tanzschuppen inspirieren lassen, als auch irgendwo noch eine Sopranistin aufgegabelt, die man dann gleich als Duettpartnerin engagiert hat; anders kann man sich die Songs „Hellfire“ und „Jede Nacht“ (einer der zwei Titel, die mit deutschen Texten „Dark Desires“ bereichern) nicht erklären.

WEAK (Copyright: WEAK)

WEAK (Copyright: WEAK)

„Hellfire“ stört mit seinem auffälligen Stilbruch das Gesamtkonzept des Albums und damit auch den Hörfluss, denn was an melancholischer Atmosphäre und finnischem Flair aufgebaut wurde, endet durch den ausgeprägten Ausflug in Electro-Gefilde ganz abrupt. Zwar finden immer wieder elektronische Einschübe und Industrial-Elemente Eingang in die Songs auf „Dark Desires“, dabei verliert man jedoch zu keinem Zeitpunkt die darkrockige Grundausrichtung aus den Augen. Mit „Hellfire“ geht man einen Schritt weiter – und stolpert leider.
„Jede Nacht“ hätte hingegen den klassischen Sopran eigentlich gar nicht nötig gehabt, der damit recht deplatziert wirkt.
Hier wird mit Überraschungen und Abwechslung aufgewartet, die den Songs, dem Sound und dem Stil der Band nicht entgegenkommen.

Gut gelungen ist WEAK jedoch ihre Interpretation der Coverummer „The Safety Dance“ (im Original von Men Without Hats). Dieser 80er Jahre Titel fügt sich mit seiner WEAKschen Gitarrenlastigkeit gut in das Album ein.

Damit bleibt trotz der kleinen Kritik immer noch ein hervorragendes Debütalbum, das bei keinem Gothic Rock Hörer fehlen sollte.
WEAK stellen unter Beweis: Auch in Nordrhein-Westfalen kann man finnisch!

Video

Tracklist

01 Wolfmoon
02 Jede Nacht
03 Into The Night
04 Don’t Farewell
05 Going Nowhere
06 The Safety Dance
07 The Devil’s Rose
08 Folge mir
09 The Art Is Mine
10 Hellfire
11 My World

Details

WEAK – Homepage
WEAK – Facebook

Label: Woodhouse Records
Vö-Termin: 09.10.2015
Spielzeit: 40:37

Copyright Cover: Woodhouse Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde