Review

Wer es gleichermaßen melodisch wie in den Boden stampfend möchte, darf sich freuen, denn Watertank aus Frankreich werden mit ihrem zweiten Erzeugnis „Destination Unknown“ all diese Vorlieben bedienen. Schmutziges Riffing und pumpende Drums treffen auf packende Melodien. Und mit gut einer halben Stunde hat man auch noch etwas für unterwegs.

Watertank drohen mit ihrem rockigen Sound der neun Songs oft in den Slud-Abgrund zu stürzen. Doch die kontrastreichen Einsätze von melodischen Parts bewahren sie stets davor, während sie dennoch für „DVCR“ und „Doom Drifters“ etwas von der Schwere mitnehmen.

Über die langsam dahintrottenden Rhythmen, in denen Akkorde auf Schlagzeug knallen, sticht besonders der kraftvolle Gesang hervor – wie geschaffen für rockige Hooks, deren Dasein als Ohrwürmer gezeichnet sein sollten. Aber schließlich braucht man auch diese kernige Stimme, um mit dem Rest mithalten zu können, obwohl Watertank ab und zu ebenfalls mal auf der weicheren Vocal-Schiene fahren.

Etwas, das man Watertank anrechnen muss, ist ihr plötzlich aufkommender Drang nach Melodie. Es frischt die Titel zunehmend auf, wenn unter der monotonen Last des Kraches abrupt höhere Töne angeschlagen werden. Die typischen Riffs des Rock kommen bereits zu Beginn von „Surrender“ bzw. „Last/Lost Hope“ zum Vorschein und ebenfalls hat der Bass ein paar nette Solo-Momente. Leider schlittert die Band an dem Ziel, sich mit solchen Elementen im Gehör des Hörers festzusetzen, oft vorbei. Die anfangs guten Ideen münden mit der Zeit ins Leere. Da auch die Refrains oft unter einer Masse an geradlinig runtergespielten Akkorden begraben werden, fällt es schwer, einzelne Songs anhand eines bestimmten Charakters akustisch ausfindig zu machen.

Dass es auch anders geht, beweist „Scheme“, einer der wohl besten Songs auf „Destination Unknown“, da er insgesamt alles richtig macht. Atmosphärische Melodien leiten ihn ein und ein paar catchige Parts runden ihn ab. Als Hörer springt man sofort darauf an, was nicht zuletzt auf die übersichtliche Struktur des Titels zurückzuführen ist.

Watertank (Copyright: Watertank)

Watertank (Copyright: Watertank)

Aber genau so wie Watertank Ideen mit in ihren Sound einbringen können, so orientieren sie sich deutlich an bereits bestehendem Material. Besonders wenn es um den Aufbau der Songs und einen Hymnen-Chorus geht. Dies wird hier zwar überzeugend durchgezogen und kommt auch direkt beim Hörer an, aber man hat nicht das Gefühl, damit auf Neuland zu stoßen. Dafür fehlt es auf der Platte einfach an mehr Eigeninitiative, mal über diesen musikalischen Tellerrand zu schauen.

Watertank zeigen sich ansprechend. Sie haben Energie. Sie haben Ideen. Und all das ist auf „Destination Unknown“ auch deutlich zu hören. Eine Platte, die Potenzial hat, mit jedem weiteren Durchgang ein Stückchen besser zu werden, wobei auf lange Sicht da noch ordentlich Luft nach oben ist.

Bis dahin aber darf man hier ein solides Album genießen, auf dem man den einen oder anderen prägnanten Song für sich selbst entdecken kann. Auffälliges Charisma ist hier auf jeden Fall vorhanden.

Anspieltipps:
Scheme / Last/Lost Hope / Doomed Drifters / Contrails / Surrender

Video

Trackliste

01 Automatic Reset
02 Fever
03 Contrails
04 DCVR
05 Last/Lost Hope
06 Surrender
07 Doomed Drifters
08 Scheme
09 Destination Unknown

Details

Watertank – Facebook

Label: Solar Flare Records
Vö-Termin: 29.06.2015
Spielzeit: 33:05

Copyright Cover: Solar Flare Records



Über den Autor

Christopher