Review

Stampede – „eine unvermittelte Fluchtbewegung in einer Herde“ (vgl. Wikipedia).
Lässt diese Definition schon auf die musikalische Ausrichtung der Band Watch Out Stampede und ihr neues Werk „SVTVNIC“ schließen? Ein wenig, denn hier und da reißen die Jungs tatsächlich aus ihrem Post-Hardcore-Kosmos aus und werfen dem Hörer gefühlvolle Brocken vor die Füße. Solide Kost trifft damit auf sinnvolle Weiterentwicklung.

Hat man „SVTVNIC“ das erste Mal durchgehört, wird man feststellen, dass die kurze Spielzeit von knapp 36 Minuten deutlich länger wirkt, insbesondere deshalb, weil in den Songs so viel Interessantes steckt, dass man sogar gerne noch einen Nachschlag nehmen würde.

Durchschlagend geht es auf „SVTVNIC“ definitiv zu – und so startet „Sharks“ nach kurzem Rumgeschrei genau so, wie man es sich von den Jungs erhofft. Dafür sorgen ein coriges Riff mit Doublebass-Untermalung und ein lässiger Groove im Mainriff. Dazu gesellt sich im Refrain ein metalcorelastiger Gesangpart, der im Verlauf an Tiefe gewinnt. Immer wieder kehren Watch Out Stampede zur modernen Härte zurück, sodass man sich an verschiedene Metalcore-Bands der letzten Jahre erinnert fühlt. Der Opener kann auf ganzer Linie überzeugen.

Der Einsatz von Synthis, Breakdowns und viel Melodie macht ebenfalls richtig Laune. Stimmungsmacher wie „Feather“ gemahnen stark an die Neuausrichtung von Bring Me The Horizon, haben aber ihren eigenen Charakter. Die Energie, die die Band verströmt, ist spürbar. Die Songs schieben zum größten Teil schön nach vorne. Was allerdings etwas negativ ins Gewicht fällt, sind die Shouts von Andreas. Daran hat man sich relativ schnell sattgehört. Dafür drücken seine seltenen Growls umso mehr.

Was bei der Musikrichtung nicht fehlen darf, sind die lieb gewonnenen Breakdowns, die Watch Out Stampede gerne zuhauf einsetzen. Zum Glück werden diese nicht langweilig, sondern sorgen für den benötigten Härtegrad.

Watch Out Stampede (Copyright: Watch Out Stampede)

Jene stehen außerdem im Kontrast zu den allseits bekannten 0-7-8 Riffs, die man schon zu lange hören musste. Entsprechend hätte es davon gerne noch deutlich weniger auf „SVTVNIC“ geben dürfen, denn der Rest klingt richtig frisch. „Paper Hearts“ zeigt dies ziemlich gut, denn die Kombination aus Härte und Gefühl ist hier am besten geglückt.

Was macht die Produktion? Die klingt sauber und solide. Nichts wird verschluckt und die Drums sowie die Gitarrenfraktion haben genug Raum zum Atmen. Positiv fällt auch die Natürlichkeit im Sound auf, fern ab vom Clinic-Core.

Watch Out Stampede klingen auf „SVTVNIC“ energiegeladen. Die Band aus Bremen hat Bock auf hardcorelastigen Post Metal mit viel Gefühl. Sie meinen es ehrlich und das transportiert auch ihr Album. Daher kauft man den Jungs jedes Wort ab und freut sich auf weitere Alben.

Video

Trackliste

01 Sharks
02 Feather
03 H.A.T.E.
04 Guacamole Takeover
05 Fingers Crossed
06 Paper Hearts
07 SVTVNIC
08 The Last Walk
09 Wires
10 Solaris

Details

Watch Out Stampede – Homepage
Watch Out Stampede – Facebook
Watch Out Stampede – Twitter

Label: Noizgate Records
Vö-Termin: 24.03.2017
Spielzeit: 35:29

Copyright Cover: Noizgate Records



Über den Autor

Marcus
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