Review

Walking Dead On Broadway aus Leipzig sind noch eine sehr junge Band; 2009 gingen sie musikalisch ihre ersten gemeinsamen Wege. Diese führten sie zum Deathcore, und so wundert es nicht, dass sich der Hörer mit ihrem Schaffen an alte All Shall Perish oder Suicide Silence erinnert fühlt.
Ihr zweites Album „Slaves“ schafft den Sprung in Richtung der ganz Großen, nicht zuletzt deshalb, da der Release über das Label Arising Empire gesichert ist.

Mit dem ersten Song „Intro“ erwartet den Hörer auch ein solches: ein klassischer Einspieler mit Frauenstimme, ein wenig Industrial-Geplänkel und Alarmhorn. So weit, so unspektakulär.
Danach wird es mit „Pitchblack“ jedoch pechschwarz. Die damit servierte klassische Deathcore-Kost macht schon zu Beginn klar, dass Walking Dead On Broadway etwas tiefer in die Materie einsteigen – vor allem im Vergleich zum Vorgängeralbum „Aeshma“, das deutlich einfacher gestrickt war.

Zum Deathcore-Konzept passt der Mix aus derben Tunes mit tiefen Gitarren und ein wenig Gefühl super, leider zeigt der Song aber auch, dass der Sound relativ unausgeglichen ist. Werden die derben Gitarren nicht gerade vom Gesang fast übertönt, wird der Gesang von den Gitarren übertönt. Die Bass des Drummers kommt zudem nicht immer gut weg bzw. wird verschluckt. Insgesamt wirkt alles einfach etwas übersteuert und wirr. Hier die Empfehlung, dass man sich gute Kopfhörer aufsetzt und die Platte darüber genießt.

Belohnt wird man – ob mit oder ohne Kopfhörer – mit bolzenden Breakdown-Parts. Der gesamte Song „Haunted“ ist ein Beispiel dafür, dass Stimmung und Brachialität sehr gut zusammenpassen.

War Sänger Robert in der Vergangenheit bei anderen Bands schon für sein massives Organ bekannt, holt er bei Walking Dead On Broadway nun die amerikanische Deathcore-Keule heraus. Man fühlt sich an Whitechapel erinnert; Bozeman scheint hier Pate gestanden zu haben.

„Silen“ bringt einen schönen Groove in die Platte – und das können die Jungs auch ziemlich gut. Im zweiten Teil wird der Track zudem sehr atmosphärisch und episch. Genau das ist die Stärke des neuen Albums, auch wenn diese viel häufiger hätte eingebaut werden können, um weniger Potenzial zu verschenken.

Wem das schon gefallen hat, der sollte in den Titeltrack „Slaves“ reinhören, denn der zeigt das Spektrum der Band, vor allem bestehend aus Aggression, Melancholie und Schnelligkeit, ziemlich gut.

Death Metal-Fans werden hingegen an „Scapegoat“ Freude finden. Blastbeats mit fiesen Chords bringen die benötigte Vielfalt in die Scheibe. Der Track geht gut ins Ohr und lockert die sehr breakdownlastige Platte etwas auf.

Walking Dead On Broadway (Copyright: Walking Dead On Broadway)

Walking Dead On Broadway (Copyright: Walking Dead On Broadway)

Wirklich herausstechend ist allerdings „01110010“. Ein instrumentales Werk in epischer Breite mit Chor und einer Soundwand, die sich ab der Hälfte nicht mehr halten lässt und den Hörer verschlingt. Dieses Stück ist ganz anders und unfassbar gut. So eingefahren sind die Jungs also dann doch nicht, wie die erste Hälfte von „Slaves“ vermuten lässt.

Man kann also festhalten, dass Walking Dead On Broadway deutlich mehr auf dem Kasten haben, als sie derzeit zeigen. Aktuell scheinbar noch unter ihrem Potenzial spielend, verdeutlicht gerade die zweite Hälfte von „Slaves“, wohin die Reise gehen kann oder vielleicht auf der nächsten Scheibe schon gehen wird. Mit „Slaves“ findet man bis dahin eine gute Weiterentwicklung zum Vorgängeralbum vor, die sich Deathcore-Fans zu Gemüte führen sollten.

Video

Trackliste

01 Intro
02 Pitchblack
03 Cage
04 Haunted
05 Silen
06 Slaves
07 Scapegoat
08 01110010
09 The Sinner

Details

Walking Dead On Broadway – Facebook

Label: Arising Empire
Vö-Termin: 11.11.2016
Spielzeit: 36:41

Copyright Cover: Arising Empire



Über den Autor

Marcus
Marcus