Review

Drei Jahre war es eher ruhig um eine der wohl ungewöhnlicheren Metal-Rock-Bands der letzten zehn Jahre. Doch nun haben sie sich zurückgemeldet. Sie, damit sind die vier Dänen der Kombo Volbeat gemeint. Und auch wenn sich an ihrer Musik – liebevoll auch Elvis-Metal genannt – die Geister scheiden, so muss man doch sagen, dass sie ihrem Sound auf dem sechsten Studioalbum „Seal The Deal & Let’s Boogie“ auf jeden Fall weitestgehend treu bleiben. Aber ist treu = langweilig?

Der Einsteiger „The Devil’s Bleeding Crown“ bringt diese zentrale Frage des Albums direkt aufs Tableau. Denn während die saftigen Gitarrenriffs, die coolen Schlagzeugeinlagen und die ganz besondere Stimmfarbe von Michael Poulsen einem direkt den heißgeliebten Volbeat-Sound um die Ohren schmettern, stellt sich doch die Frage – hatten wir diesen Song nicht schon einmal auf einer der vorhergehenden Platten? Hatten wir natürlich nicht, aber hier bewegen sich die Dänen doch sehr in ihrer Komfortzone.

„Marie Laveau“, ein Song über eine Voodoo-Priesterin aus dem 18. Jahrhundert, schlägt in eine ähnliche Kerbe. Die Melodie ist gefällig, fast schon poppig. Die Instrumente rocken fröhlich vor sich hin. Insgesamt eher eine leichtere Nummer, die auch den Charts schmecken würde.

Auch bei der Single-Auskopplung „For Evigt“ mutet einem dieser Eindruck zunächst an, doch der Song weiß zu überraschen. Hier besticht der leidenschaftliche Gesang mit diesem ganz eigenen Vibrato im Timbre von Poulsen, insbesondere beim hymnischen Refrain. Sicherlich für Radio und CD-Player ein klasse Song, der jedoch eigentlich auf eine große Bühne gehört, vor der das Publikum ihn inbrünstig mitschmettern kann. Der wohlüberlegte Einsatz des Banjos im Finale hebt den Song endgültig auf ein Level, das vielen Fanherzen einfach ein Gefühl der Glückseligkeit bescheren wird.

Auf etwas exotischeren Pfaden wandeln die Dänen in „The Gates Of Babylon“. Der Song baut immer wieder ägyptisch anmutende Gitarrenmelodien ein. Es entsteht eine kraftvolle Komposition, die ein gewisses Potenzial hat, im Ohr zu bleiben. Diese Eigenschaft vermisst man jedoch beim folgenden „Let It Burn“. Ein guter, solider Rock-Song, der diese gewisse „Fuck off“-Stimmung transportiert und sicher auch gute Laune zaubert. Allerdings um welchen Preis?

„Black Rose“ erhebt sich etwas aus diesem Einheitsbrei. Insbesondere die Strophen von Gastsänger Danko Jones bringen Abwechslung und Tempo in den Track. Gegen dessen hart wirkenden Sprechgesang ist der Refrain in guter alter, fast schon schmachtender Elvis-Manier ein spannender Kontrast. Hinzu kommen die klassischen Rockinstrumente, samt schmissigem Gitarrensolo.

Verglichen mit diesem Song sinkt das Unterhaltungsniveau in den folgenden beiden Titeln leider wieder etwas. „Rebound“ versucht es mit rotzigem Gitarrensound, in „Mary Jane Kelly“ hingegen dominiert das Schlagzeug eher. Herausgekommen sind gut gemachte Rocknummern, die jedoch nicht die für Volbeat eigentlich üblichen Schlenker in andere Genres haben und somit leider ein wenig in der beliebigen Rock-Song-Masse untergehen. Hier hätte man sich nach drei Jahren doch ein wenig mehr Liebe zum Detail gewünscht.

Ein Schmankerl auf dem Silberling ist wiederum der neunte Track. „Goodbye Forever“ ist Poulsen eine Herzensangelegenheit gewesen. Denn, so sagt er selbst, es war schon immer sein Traum mit einem großen Gospelchor zusammenzuarbeiten. Diesen konnte er sich nun endlich erfüllen und vereint Metal mit Gospel auf eine ausgesprochen gut hörbare Art und Weise. Der noch recht gediegene Einstieg wandelt sich nämlich alsbald in einen marschierenden Sound, der schließlich vom Harlem Gospel Choir epische Unterstützung erhält.

Wieso das Album übrigens „Seal The Deal“ heißt, wird klar, wenn man den gleichnamigen Song anspielt. Denn hier glänzen die Dänen in ihrer ganzen musikalischen Bandbreite. Der hämmernde, harte Einstieg, die jaulende Gitarre, der treibende Rhythmus – ein cooler Song, der gerne mehr Einfluss auf die anderen Songs hätte haben dürfen. Nach dieser Bombe mussten sich Volbeat wohl noch einmal ausruhen, weswegen „Battleship Chains“ und „You Will Know“ wieder eher in seichteren Gewässern unterwegs sind. Ein Hauch von Country, eine leichte Rockbrise.

Volbeat (Copyright: Nathan Gallagher)

Volbeat (Copyright: Nathan Gallagher)

Doch zum Glück haben sie noch ein furioses Finale im Gepäck namens „The Loa’s Crossroad“. Der vermeintliche Rausschmeißer ist tatsächlich wohl mit der genialste Song auf dem Album, auf den sich das Warten definitiv lohnt. Härter, schneller, lauter – was wie ein Scooterzitat klingt, ist tatsächlich die treffendste Beschreibung für dieses Stück. Die Melodien sind frisch, der ganze Sound ist mutiger. Die Krönung ist schließlich der kleine Folk-Einschlag, den man so wohl nicht in diesem Song erwartet hätte. Aber so sind Volbeat eben. Immer für eine Überraschung gut.

Letzten Endes bleibt man nach dem Hören von „Seal The Deal & Let’s Boogie“ jedoch etwas ratlos zurück. Denn obwohl es einige Perlen auf dem Album zu entdecken gibt, die ordentlich Fahrt aufnehmen, dümpeln dafür andere Songs auf der leisen See der Beliebigkeit herum, wodurch die Platte insgesamt leider einen mittelmäßigen Gesamteindruck hinterlässt.
Volbeat machen nichts falsch, die Musik geht ins Ohr und macht Stimmung. Allerdings fehlen ein wenig der gewohnte Esprit und die manchmal waghalsigen Spagate zwischen den Genres. Zu rockig, zu westlich, zu gefällig? Eine Band darf sich entwickeln, darum ist es nicht schlimm, wenn sie die harten Metaltage hinter sich lassen. Allerdings sollten sie ihr Können nicht im Mainstream-Treibsand verlaufen lassen, denn sonst drohen sie zu versinken.

Anspieltipps
For Evigt | Seal The Deal | The Loa’s Crossroad

Video

Tracklist

01 The Devil’s Bleeding Crown
02 Marie Laveau
03 For Evigt
04 The Gates Of Babylon
05 Let It Burn
06 Black Rose
07 Rebound
08 Mary Jane Kelly
09 Goodbye Forever
10 Seal The Deal
11 Battleship Chains
12 You Will Know
13 The Loa’s Crossroad

Details

Volbeat – Homepage
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Label: Vertigo Berlin (Universal Music)
VÖ-Termin: 03.06.2016
Spielzeit: ca. 53 min

Copyright Cover: Vertigo Berlin (Universal Music)



Über den Autor

Silvana
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A Cat is Purrfect.