Review

Wie Phönix aus der Asche erheben sich Vogelfrey mit ihrem neuen Album „Titanium“ – und ihr Label Metalville beschreibt dieses wie folgt:

Metallisch hart und doch voll folkiger Spielfreude lassen VOGELFREY auf ihrem sechsten Studioalbum „Titanium“ kräftig die Funken sprühen und veredeln einmal mehr ihre einzigartige Legierung aus Mittelalter und Moderne. […] „Titanium“ betont machtvoll die musikalischen und textlichen Stärken aus achtzehn Jahren Bandgeschichte, ohne vor neuen kreativen Ideen zurückzuschrecken.

Die Tracks

Mit brennenden Schwingen erhebt sich der „Flammenvogel“ als Opener. Die Band feiert mit der Textzeile „Aus Asche geboren, zur Sonne gewandt, entsteigen wir unserm Grab“ ihre Rückkehr nach pandemiebedingter Stille. Der Gesang wirkt in den Strophen leicht verzerrt und klingt etwas metallisch. Nach der ersten Textzeile erfolgt das Intro, welches mit Jubelgeschrei gespickt ist und so die Leute zum Mitgrölen anfeuert. Der Mix aus Rock-Instrumenten und Geige wird hier wieder einmal perfekt in Szene gesetzt und so verleitet auch der Refrain zum Mitsingen und Feiern.

Mit dem „Stahlhammer“ geht es Schlag auf Schlag weiter. Der dem Donnergott Thor und dessen Hammer Mjölnir gewidmete Song lässt entsprechend donnernde Drumschläge vernehmen. In den Strophen sind Flöte und Geige sehr gut zu hören, da die Gitarre – zumindest am Anfang der Strophe – etwas zurückhaltender ist. Wie schon der vorige Track ist auch dieser sehr vorantreibend, vermittelt gute Laune und wartet noch dazu mit einem fetten Gitarrensolo auf.

Mit dem Titel Nicht A nimmt die Band sich selbst und die Mittelalter-/LARP-Szene aufs Korn. So werden im dazugehörigen Musikvideo die Gäste eines bekannten Mittelalter-Events von der A-Polizei auf ihre Mittelalter-Authentizität geprüft. In den Strophen werden die Vergehen der Gäste ausführlich im Sprechgesang präsentiert. Die Refrains sind hingegen etwas kurz gehalten. Dazwischen platzieren sich kurze Instrumentalparts. Um zu zeigen, wie A die Band ist, wird ab Minute 3 die bisherige Instrumentierung über den Haufen geworfen und durch Electro-Sound und Disco-Stimmung ersetzt. Der Song kann sich durchaus zum Ohrwurm entwickeln.

Um beim Thema Mittelalter zu bleiben, folgt als nächstes der Track Nie wieder Met. Dieser wird mit einem fetten Gitarrenlauf und donnernden Drumschlägen eingeleitet. Die Stimme wird kurzzeitig verzerrt und künstlich in die Höhe gezogen. Dieser Song hat ordentlich Bums, denn der fette Sound der Drums zieht sich durch den ganzen Song, so als treibe er diesen voran. Der Refrain wirkt indes durch die Streicher fast schon sakral.

Legendenwerden mit tiefem Bass- und Gitarrensound, klagenden Violinen-Klänge und schweren Drum-Schlägen intoniert. Der Track birgt eine gewisse Schwere und Melancholie. Dies wird durch die perfekte Kombination zwischen Instrumentierung und Gesang hervorgebracht.

Ein tiefer, schwerer Rocksound bahnt sich in Gott gegen Gott seinen Weg in die Gehörgänge. Sehr prägnant in diesem Track sind die fetten Bassläufe, aber auch die Streicher tragen mit ihren tiefen Klängen zu einem voluminösen, beeindruckenden Sound bei.

Im Song Sawney Beanwird die Geschichte vom gleichnamigen legendären Oberhaupt einer kannibalistischen Familie in Schottland im 15. Jahrhundert erzählt. Der Gesang wird in der ersten Strophe nur mit einer akustischen Gitarre begleitet. Die Instrumentierung und Melodieführung bringt ein nostalgisches Feeling hervor, welches sich perfekt in die auf Englisch gesungene Geschichtenerzählung einbettet. Der Song ist ruhig, kommt ohne viel Tamtam aus, sodass man einfach nur der Stimme des Erzählers lauschen kann.

Vogelfrey (Copyright: Sebastian Speetzen Fotografie)

In Samael hilfwinden sich ganz frech und keck die Klänge der Violine um den spitzbübisch boshaft wirkenden Gesang. Auch die anderen Instrumente scheinen wie vom Teufel besessen eine wilde, vom Bösen durchtriebene Melodie von sich zu geben.

Bei dem Deichkind Cover 1000 Jahre Bier hat sich die Band gesangliche Unterstützung von Mr. Hurley geholt. Der Track ist von der Kombination der Instrumente und Sounds sehr interessant gestaltet. So treffen Synthie- und Elektrosounds auf Klavier und Streicher. Wo im Original eher mit Electrosound gearbeitet wird, übernimmt hier ein klassisches Streichinstrument. Ein Song mit gutem Groove.

Unsterblich, der letzte Track auf der Scheibe, wird mit einem wunderschönen Violinen-Intro eingeleitet. Eine schwere, gefühlvolle Melodie trägt die Hörer:innen durch eine herzzerreißende Liebesgeschichte. Ein epischer Song als perfektes Ende.

Fazit

Mit dem aktuellen Album „Titanium“ verbreiten Vogelfrey gute Laune und bringen die Fans zum Singen, Tanzen, Headbangen und Mitgrölen. Es macht schlichtweg Spaß, sich dieses Album immer und immer wieder anzuhören.


Vogelfrey – Titanium

Video

Tracklist

01 Flammenvogel
02 Stahlhammer
03 Nicht A
04 Nie wieder Met
05 Legenden
06 Gott gegen Gott
07 Sawney Bean
08 Samael hilf
09 1000 Jahre Bier (feat. Mr. Hurley / Deichkind Cover)
10 Unsterblich

Details

Vogelfrey – Homepage | Vogelfrey – Facebook | Vogelfrey – Twitter

Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 16.09.2022
Spielzeit: 43:07

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Selina
Carpe Noctem