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Lindsey Stirling, Benjamin Richter, The Dark Tenor oder David Garrett, sie alle sind nur einige der Beispiele dafür, wie man Pop- und Rockmusik mit Klassik kombinieren kann. Die einen inszenieren ihre eigenen Songs sowie Neuinterpretationen bekannter Hits mit der Geige, andere greifen in die Tasten oder konzentrieren sich auf die Stimme. Wie auch immer die bisherige Bandbreite an moderner Klassik präsentiert wird, Valentina Babor möchte sich in die illustre Runde jener Künstler einreihen. Dafür veröffentlicht die Pianistin ihr Debütalbum „Piano Princess“, für dessen Produktion sie sich vertrauensvoll in die Hände von Star-Geiger Garrett gegeben hat.

Schon die Songauswahl zu „Piano Princess“ zeigt jedoch, dass hier nur wenig gewagt wird; keinerlei Eigenkompositionen und nur wenige (aktuelle) Klassiker sind es, die sich Valentina Babor zu eigen macht. Nichtsdestotrotz reist der Hörer mittels der hier vorzufindenden zwölf Tracks durch die Musikgeschichte, denn neben den rein klassischen Stücken wie Beethovens „Grande Sonate Pathétique“, Chopins „Revolutionary Etude“, einem Medley aus Mozarts „Donna Giovanna“ und Franz Liszts „Hungarian Rhapsody NO. 2“ wagt die Pianistin mit der Jazz und Sinfonik-Kombi „Rhapsody In Blue“ von Broadway Komponist George Gershwin einen Abstecher in die 20er, macht für eine Stippvisite durch den einstigen James Bond-Song „Nobody Does It Better“ Halt in den 70er Jahren, gelangt schließlich mit „When The Rain Begins To Fall“ in die 80er, legt eine etwas ausgedehntere Pause in den 90ern ein und erreicht das Jahr 2012 schließlich mit der Coverversion des Pop-Duetts „Just Give Me A Reason“ von Pink! und Nate Ruess.

Apropos Duett: Natürlich ließ es sich David Garrett nicht nehmen, auf „Piano Princess“ ebenfalls musikalisch aktiv zu werden, anstatt lediglich die Aufgaben eines Producers wahrzunehmen und so ist er mit seinem Geigenspiel in der Nummer „Anything For Love“ (ursprünglich von Meat Loaf) zu hören, stellenweise sogar dominanter als das Piano.

Wie es bei rein instrumentalen Alben nun einmal so ist, ist es Aufgabe der puren Musik, Emotionen auszudrücken, sie an den Hörer zu transportieren und genug Ausstrahlung und Energie zu besitzen, ganz ohne Worte fesseln und begeistern zu können. Diesbezüglich steht und fällt alles mit der Art und Weise, wie das jeweilige Instrument, in diesem Fall das Klavier, be- bzw. gespielt wird. Harmonische Übergänge, virtuoser Fingersatz, der Wechsel von lauten und leisen Klängen sind nur einige der vielen Möglichkeiten, die Hörer mit Klaviermusik flashen zu können. Die klanglichen Möglichkeiten werden von Valentina Babor auf „Piano Princess“ leider nicht komplett ausgeschöpft.

Valentina Babor (Copyright: Sandra Ludewig)

Valentina Babor (Copyright: Sandra Ludewig)

Alle Titel orientieren sich sehr nah am Original. Auf Eigenheiten der Pianistin wartet man vergebens. Diese spielt im Prinzip die ausgewählten Lieder nur nach – das „Besondere“, was Klaviermusik ausmachen kann, bleibt dem Hörer somit bis auf ganz wenige Ausnahmen verwehrt. Es fehlt nicht nur an Virtuosität, auch der Klang des Klavierspiels wirkt zuweilen zu steril und seelenlos.

Gegen den Pop-betonten Ansatz in Titeln wie „Children“ (ursprünglich ein instrumentaler Pop-/Trance-/Dreamhouse-Song von Robert Miles) ist nichts auszusetzen, die Originaltitel geben dies einfach schon vor und da entschieden wurde, die Tracks nicht nennenswert umarrangieren zu wollen, fällt auch die hintergründige Klangkulisse entsprechend aus. Gleichzeitig führt dies aber dazu, dass jene Tracks keine emotionalen Auswirkungen auf die Hörer haben.

Der Musikerin kann auf „Piano Princess“ damit eine solide Leistung am Tasteninstrument bescheinigt werden, mehr aber auch nicht. Valentina Babor versteht ihr Handwerk, nun muss sie nur noch lernen, ihr Talent auch für die Hörer packender und vor allem emotionaler zu inszenieren. Anderen Künstlern ist dies schon weitaus besser und mit deutlicherer Eigenständigkeit gelungen.

Video

Tracklist

01 Children
02 Nobody Does It Better
03 I Believe I Can Fly
04 When The Rain Begins To Fall
05 Just Give Me A Reason
06 Libertango
07 Grande Sonate Pathétique
08 Anything For Love (feat. David Garrett)
09 Rhapsody In Blue
10 Revolutionary Etude
11 Donna Giovanna
12 Hungarian Rhapsody NO. 2 (Bonustrack)

Details

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Label: Sony Music
Vö-Termin: 10.07.2015
Spielzeit: 52:32

Copyright Cover: Sony Music



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde