Review

Dunkel und schwermütig fällt die „Romantik“ im Hause Valborg aus, so zumindest meint man, wenn man sich das inzwischen fünfte Album des Trios anhört. Mit den darauf befindlichen sechs Songs frönt man laut Infozettel dem „Funeral Power Doom Metal“, laut Band selbst dem „Obscure Heavy Metal“. Welche Schublade man auch immer für den Stil von Valborg aufziehen möchte, keine wird dem rohen, düsteren und langsam dahinkriechenden Sound der Band wohl hundertprozentig gerecht werden. Fakt ist aber, dass sich eine Schwärze ausbreitet, die über die gesamte Albumlänge nichts an Intensität verliert – und doch so etwas wie Hoffnung verbreitet.

Zurückzuführen ist dies vorrangig auf die ambienten Synthie-Flächen, während der Gesang (vor allem in „Sulphur Vitriol Angel“) knurrend und (in „Kryptische Arroganz“ beispielsweise) überraschend clean die Lyrics zum Besten gibt. Nicht immer sind diese – ohne Booklet – leicht verständlich, der Atmosphäre auf „Romantik“ schadet dies aber nicht.

Wiederholungen der immer gleichen Melodien und ein relativ gleichbleibendes Tempo erzeugen eine willkommene Monotonie innerhalb der Songs, die – anders als bei vielen anderen Künstlern – nicht zum Skippen oder Abschalten animiert, sondern Valborg einen Gleichklang attestiert, der die Stimmung des Albums ausmacht und den Hörer stets in seinen Bann zieht.

Es sind nicht viele Songs, die sich auf „Romantik“ befinden, die jeweilige Spiellänge, die teils die acht Minuten überschreitet, kompensiert die Quantität des Albums von Valborg jedoch.
Zudem finden sich keine Ausreißer auf dem Silberling, welche etwa die Stimmung stören oder sogar zerstören würden, vielmehr sind die Songs sehr ähnlich angelegt. Damit mangelt es zwar gleichzeitig an Überraschungen, andererseits wirkt „Romantik“ dadurch sehr kompakt und in sich stimmig.

Als Vergleich führt man immer wieder die Band Type O Negative an. Dies mag in gewisser Weise stimmen, und doch besitzen Valborg eine Menge Eigenständigkeit, welche die Unterschiede zu den Amerikanern mehr betont als die Gemeinsamkeiten. Einige Male erinnern der experimentelle Charakter einiger Songs und die eigenwilligen Lyrics und Arrangements (hier allen voran „The Haunted Womb“) zudem an die musikalischen Ergüsse von Künstlern wie Angizia und Alexander Kaschte.

Valborg (Copyright: Valborg)

Valborg (Copyright: Valborg)

Insgesamt setzen Valborg auf Selbstverwirklichung statt auf Gefälligkeit und doch werden sie mit ihrer Musik viele Hörer des Genres und der angrenzenden Subgenres erreichen, denn ihre eigenen Ideen finden hervorragend Platz in den ausgedehnten Doom-Songs, auch wenn dies manchmal auf Kosten der Eingängigkeit geht. Doch diese spielt in der Art Musik, wie Jan Buckard, Christian Kolf und Florian Tokya sie praktizieren, sowieso eine eher untergeordnete Rolle.

Und so klingt Valborgs Doom-Sound alles in allem nicht direkt nach dem unmittelbaren genretypischen Weltuntergang; die Band entfernt sich davon durch melodiöse Einschnitte. Der zum Einsatz gebrachte Chorgesang zeugt eher von einer geradezu epischen Atmosphäre, die auf „Romantik“ immer wieder an den Tag gelegt wird. Und die Atmosphäre auf „Romantik“ ist es auch, die den Hörer fesselt. Epische 4,5 Punkte für ein episches Klangerlebnis.

Video

Tracklist

01 Vampyr
02 Blitz aus Sodom
03 Comtesse
04 Sulphur Vitriol Angel
05 Kryptische Arroganz
06 The Haunted Womb

Details

Valborg – Homepage
Valborg – Facebook

Label: Temple Of Torturous
Vö-Termin: 19.05.2015
Spielzeit: 39:57

Copyright Cover: Temple Of Torturous



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde