Review

Hart, härter, Unzucht – so könnte die Devise ihrer aktuellen Single „Kettenhund“ lauten, zumindest, wenn man sich den ersten und gleichzeitigen Titeltrack anhört. Jener fährt gleich zu Beginn des Silberlings, den es u.a. als ein auf 999 Stück limitiertes, handnummeriertes Digipak zu erwerben gibt, mit einer Brachialgewalt auf, die es in sich hat.

An die Kette lassen sich Unzucht dabei gewiss nicht legen und so bricht nicht nur eine druckvolle Gitarrenwand und eindringliches Drumming über die Hörer herein, auch einige gutturale Elemente finden hier ihren Einsatz.
Das Tempo wird im Laufe des Titels ein wenig reduziert, und zwar immer dann, wenn gleichzeitig die Melodiösität zunimmt. Damit fräst sich der Refrain binnen kurzer Zeit in die Gehörgänge und bezeugt die Stärke der Band, mit jedem Song einen potenziellen Hit zu liefern.

Folgesong „Ein Tag wie jeder andere“ schraubt die Härte im Gegensatz zu „Kettenhund“ ein wenig runter, von weichgespültem Dark Rock sind Unzucht aber auch mit diesem Track weit entfernt. Hymnenartig entfaltet sich auch hier der eingängige Refrain; ein weiterer Ohrwurm ist geboren. Die elektronischen Beigaben fügen sich dabei sehr unaufdringlich in den instrumentalen Kontext ein, der von hartem Riffing und energetischen Drums bestimmt wird.

Der Qualität der beiden Songs „Kettenhund“ und „Ein Tag wie jeder andere“ werden auch die sich anschließenden drei Remixversionen gerecht und anders als auf vielen anderen Veröffentlichungen haben auf „Kettenhund“ auch die Remixes nicht nur eine Daseinsberechtigung, sondern besitzen auch einen Mehrwert.
Besonders die Die Krupps-Version von „Kettenhund“, welche den Remix-Reigen einleitet, überzeugt auf ganzer Linie. Durch die Konzentration auf die elektronische Ausrichtung des Songs erhält „Kettenhund“ stellenweise tanzbare Parts, die es auch – in verstärkter und technoider Form – im „FunXForce Remix“ zu entdecken gibt.
Auf instrumentaler Ebene minimalistischer fällt der „Randolph’s Grin Remix“ von „Ein Tag wie jeder andere“ aus. Dadurch wirkt der Gesang vordergründiger, während Gitarren und Drums überwiegend durch Elektronik ersetzt werden.
Bleibt diesbezüglich festzuhalten: Gute Songs können auch durch Remixversionen nicht schlechter werden; zumindest dann nicht, wenn das Ausgangsmaterial derart perfekt ausfällt, wie es das im Falle von Unzucht tut.

Unzucht (Copyright: Tom Row / Frontrow Images)

Unzucht (Copyright: Tom Row / Frontrow Images)

Auch mit nur zwei neuen Songs stellen Unzucht, die damit ihren üblichen Dark Rock mehr in die Metal-Richtung navigieren und ihm zudem einige Industrial-Elemente hinzufügen, einmal mehr unter Beweis, wie dieses Genre deutschsprachig und auf hohem Niveau klingen kann. Für Fans der Band stellt die Single damit einen gelungenen Wartezeitverkürzer dar, auf den man wohl nicht verzichten möchte. Inwieweit die Remixversionen den Nerv der jeweiligen Hörer treffen werden, bleibt dabei eine Geschmacksfrage, die die Überzeugungskraft der Unzucht-Songs „Kettenhund“ und „Ein Tag wie jeder andere“ jedoch nicht tangieren wird.

Tracklist

01 Kettenhund
02 Ein Tag wie jeder andere
03 Kettenhund (Die Krupps Remix)
04 Kettenhund (FunXForce Remix)
05 Ein Tag wie jeder andere (Randolph’s Grin Remix)

Details

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Label: Out of Line
Vö-Termin: 11.03.2016
Spielzeit: 25:49

Copyright Cover: Out of Line



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde