Review

Wandel- und gleichsam unberechenbar veröffentlichen David A. Line und Greta Mila Csatlós mit ihrem gemeinsamen Projekt Untoten bereits seit den 90er Jahren interessante Alben, die stets mit Überraschungen für die Hörer aufwarten. Dass diese Überraschungen auch mal negativer Natur sein können, zeigt das aktuelle Release „Grabsteinland V“.

Mit verstörenden Klängen und beinahe hörspielartig heißt „Erdenwurm“ die Hörer stimmungsvoll im „Grabsteinland“ willkommen, doch schon jetzt und intensiver im dann folgenden Song „Nur Du Allein“ vernimmt man Unstimmigkeiten und Unausgewogenheiten in der Produktion. So geht David A. Lines hintergründiger Gesang im Refrain völlig unter, während es der übrigen Instrumentierung an Differenzierung mangelt.

Mit „Wenn das Eis zerbricht“ schließt sich ein eigentlich wunderschöner Titel an, der musikalisch perfekt einer Melancholie von Bands wie Illuminate und Mantus hätte habhaft werden können, doch auch hier versagt der Sound auf ganzer Linie. Zu blechern und hell klingen die Drums, zu dominant der Bass, eher amateurhaft erschallt das musikalische Grundgerüst breiartig aus den Boxen. Etwas Wärme bringen die Streicher-Einlagen in den Track, doch täuschen auch diese nicht über den fast mono, teils dumpf und insgesamt zu kraftlos wirkenden Sound hinweg. Da kann auch die Stimmgewalt von Sängerin Greta Mila Csatlós nicht viel reißen, zumal ihre Vocals unfreiwillig mal nah, mal entfernt scheinen. Tummeln sich die Untoten mit „Wenn das Eis zerbricht“ musikalisch und gesanglich zwischen Rosenstolz, Nina Hagen und Schneewittchen, hat gerade letztgenanntes Projekt mit ihrem Album „Für die Liebe sterben“ gezeigt, wie man es richtig macht.

Besser wird es bei den Untoten immerhin im Titel „Waldgänger“, da hier die Blasinstrumente und die dunklere Percussion in ihrem Klang nicht so negativ auffallen wie die sonstigen hellen Drums. Dennoch: setzt in „Waldgänger“ der Gesang ein, vermischt sich auf instrumentaler Ebene alles zu einem einzig großen Soundbrei, der den Hörgenuss nicht nur schmälert, sondern den Konsum nur schwer erträglich macht. So sind auch die (ausnahmslos deutschen) Texte häufig unverständlich und es kommt der Eindruck auf, dass ein schlechtes und zigfach abgespieltes Kassettenmixtape besser klingt als „Grabsteinland V“.

Wenn dann der Gesang zeitweise sogar noch „verzerrt“ wird, wie beispielsweise in „Die Wölfe des Abends“, mutiert der als ausgeleiert wahrgenommene Kassettensound endgültig zum Bandsalat.

Dabei – und nun kommen wir zu den Vorzügen des Albums – überzeugt das Konzept des Albums, das gut und konsequent umgesetzt wird, sodass man den Songs und Texten mehr als gerne lauschen würde. Umso enttäuschender, dass dies klanglich so erschwert wird.

Untoten (Copyright: Untoten)

Untoten (Copyright: Untoten)

Auch die Dominanz der ruhigen Stücke lädt zum längeren Verweilen im „Grabsteinland“ ein, wäre da nicht der miserable Sound. Zu viel Potenzial geht dadurch verloren. Angeboten hätte sich in vielen Tracks die Betonung einer eher bombastischen Klanglandschaft, die auch die Chanson-Ausrichtung kontrastreich ergänzt sowie die Atmosphäre hervorragend unterstützt hätte. Versuche werden diesbezüglich gestartet, erweisen sich durch die klanglichen Defizite jedoch schnell als Stimmungskiller.

Was gibt man also einem Album, das konzeptionell und musikalisch an sich – vor allem für Freunde des gotisch angehauchten Chansons – sehr gut ist, klanglich aber zu wünschen übrig lässt und sich auf dem Niveau eines Kassettenbandsalats befindet? Theoretisch müsste die Wertung entsprechend zweigeteilt ausfallen, doch resümieren wir und kommen daher auf eine Punktzahl von gut gemeinten, aber (und insbesondere gemessen an vorherigen Untoten-Veröffentlichungen) unterdurchschnittlichen 2 Punkten, verschuldet wohlgemerkt dem Sound, der einen Hörgenuss stellenweise zur Zumutung werden lässt. Schade!

Video

Tracklist

01 Erdenwurm
02 Nur Du Allein
03 Wenn das Eis zerbricht
04 Waldgänger
05 Mit eigenen Augen
06 Der geheime Ort
07 Ein Vers geblieben
08 Die Wölfe des Abends
09 Dirge
10 Wolfsblut
11 Eis
12 Im Grabsteinland (Verzeih)
13 Pars pro toto
14 Runenlied
15 Der Rabe

Details

Unoten – Homepage
Untoten – Facebook

Label: Von Grafenwald Records / Soulfood
Vö-Termin: 06.11.2015
Spielzeit: 58:29

Copyright Cover: Von Grafenwald Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde