Review

Diesem Release habe ich sehr entgegengefiebert. Unloved ist eine Ausnahmeband aus Leipzig, die ziemlich viele Stile zu vereinen weiß. So spiegeln sich in ihrer Musik Bands wie Placebo, Depeche Mode oder nu-metallische Klänge wider. Ihr neustes Werk trägt den Titel „Pay One Bliss With Another“.

Thematisch dreht es sich um die Gedankengänge zwischen Existenzängsten und Selbstzweifeln und der Hoffnung auf positive Energien, die oft nicht erklärbar sind. Nach ihrer grandiosen Acoustic Platte „You Can Leave Your Head On“ war es eben endlich wieder Zeit für mehr Rock und Metal. Wer die Vorgängerscheiben der Truppe kennt, freut sich auf harte Klänge im Mix mit elektronischen Sounds und gitarrenlastiger Musik. Das sind erst mal ein paar ordentliche Punkte, die hier abverlangt werden. Lang mussten wir warten, war es die Zeit wert? Kurzum: Ja, verdammt!

Unloved spielen einfach in einer ganz anderen Liga als klassische Rockbands aus diesem Genre. Sie sind Meister der Vereinigung. Rock, Metal, Synthi Pop oder Jazz, alles wirkt wie aus einem Guss und man verliert sich ziemlich schnell in ihrer Musik. Doch warum ist das so?

„Tempest“ ist der erste Song und steht als Beispiel direkt mal Pate. Die ersten Sekunden sind schon äußerst einnehmend, da der Song auch nicht geskippt wird. Ein extrem flabbernder Bass kratzt sich durch den Song. Unterstützt wird er durch die einzigartige Stimme von Shya und den schnellen Snarewirbeln vom Trommler Clemens. Allein nach den ersten zwei Minuten hat mich die Band wieder in ihren Bann gezogen. Atmosphäre und Spannung werden hier großgeschrieben. Der krachige Gitarrensound tut sein Übriges. Ein gewisser sludge-iger Tenor bleibt ebenfalls, denn grooven können sie und der Democharakter fördert dieses Empfinden.

„All At Sea“ ist dann ganz nach meinem Geschmack. Hartes und prägnantes Gitarrenriff trifft eingängige Schlagzeugarbeit. Dazu gesellt sich immer wieder die wirklich atemberaubende Stimme von Shya. Nicht zu vergessen ist die Bassarbeit, denn Bassist Tschacke füllt die Lücken richtig aus, anstatt einfach immer präsent zu sein.
Der progressive Charakter der Band ist hier etwas prägnanter und zeigt, wie viel mehr noch in ihnen steckt. Shya spielt mit ihrer Stimme von hoch bis tief inklusive Backing Vocals. Klare Reinhörempfehlung.

Das gilt auch für „Redundancer“. Hierzu gab es das erste Musikvideo und es war auch die richtige Wahl, denn der Song strotzt vor Energie und Kraft, auch wenn er eher etwas ruhiger daherkommt. Keine Sorge, er ist ziemlich intensiv!

Wer kennt das nicht, nach der Hälfte einer Platte stellt sich ab und an eine gewisse Monotonie ein. Das Gehörte wiederholt sich und bekannte Elemente kommen wieder. Das ist bei Unloved aber nie der Fall. Jeder Song steht für sich, sodass die Platte nicht langweilig wird.
Mit „Day Off“ lädt man uns in andere Sphären ein, es wird träumerisch, wobei mich der Song stark an Filmmusik erinnert.
Oftmals überzeugen auch die ruhigen Klänge. Die sind natürlich nicht so stark wie auf ihrer Acoustic Platte ausgeprägt, dafür aber umso intensiver auf „Pay One Bliss With Another“.

Unloved (Copyright: Unloved)

Unloved (Copyright: Unloved)

Neben den ganzen Lorbeeren gibt es einen Kritikpunkt: Der Sound bzw. der Mix.
Roh ist gut und schön, aber leider stimmen die Verhältnisse zwischen den Lautstärken nicht so ganz. So sind ab und an Instrumente zu leise oder zu laut und es kommt selten zu Überlagerungen. Das ist schade, denn es verwischt den Gesamteindruck ein wenig.

Fazit: Unloved bringen endlich das lang erwartete Album „Pay One Bliss With Another“ auf den Markt und schlagen damit ein, wie eine Bombe. Die Songs sind abwechslungsreich und strotzen nur so vor Ideen. Female fronted Rock/Metal trifft auf elektronisch-poppige Klänge, die gekonnt miteinander verknüpft werden. Starke Instrumentalisten und eine starke Stimme bringen diese Band ganz nach vorne und es ist wichtig, dass sie das tun, denn Unloved sollte jedem ein Begriff sein. Wer über den etwas unausgeglichenen Sound hinwegsehen kann, wird mit ihrem neuen Werk extrem viel Spaß haben und eine gute Zeit verbringen.

Video

Trackliste

01 Tempest
02 All At Sea
03 Final Person
04 Sober
05 Day Off
06 The home You Could Have Found
07 Really Soon Now
08 Aha Namnar
09 Frau Ridicule
10 Deadlock
11 Redundancer
12 Saviour

Details

Unloved – Homepage
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Unloved – Twitter

Label: Kick The Flame / Broken Silence
Vö-Termin: 20.02.2015
Spielzeit: 50:53

Copyright Cover: Kick The Flame



Über den Autor

Marcus
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