Review

Der neuseeländische Exportkracher Ulcerate bringt ohne viel Tamtam seine neue Platte „Shrines of Paralysis“ auf den Markt.
War man bei „Vermis“ noch in freudiger Erwartung, hat Ulcerate hier nicht gerade die Werbetrommel gerührt, dabei würde es der Band guttun. So richtig explodiert sie nicht und wird stattdessen immer noch als Geheimtipp gehandelt. Doch woran liegt das? Ihre Alben zehren oft an den Nerven der Hörer. Sie sind kompliziert und grandios zugleich. Kann man das auch von „Shrines of Paralysis“ behaupten?

Zu Beginn kann man festhalten, dass „Shrines of Paralysis“ wieder deutlich mehr Chaos als ein straightes Death Metal-Album ist. Die Jungs spielen gerne mit Atmosphäre, Geschwindigkeit und einfachen Riffs, die durch einen phänomenalen Drummer namens Jamie Saint Merat nach vorne geschoben werden. Paul Kelland growlt zudem schön finster ins Mikro – dieses Mal mit massivstem Hall-Einsatz. So weit, so Ulcerate.

„Abrogation“ zeigt schon ganz gut, wo die Reise mit „Shinres of Paralysis“ hingeht: Brutale Schlagzeugparts werden mit verträumten Gitarrenriffs verknüpft, die nicht mit Härte glänzen, sondern verspielt daherkommen. Ulcerate waren eben schon immer etwas anders.

Beim Sound fällt auf, dass die Bass sehr natürlich klingt. Das sollte eigentlich ein positiver Aspekt sein, doch auf der Scheibe geht sie durch die extreme Soundwand etwas unter. Dafür knallt die Snare etwas zu laut und wirkt unnatürlich. Auf „Vermis“ war der Mix deutlich ausgewogener.

Immer wieder erinnern Ulcerate an Hate Eternal, sofern es um die chaotischen Parts geht. Viele straight-forward-Momente gibt es aber nicht, womit man sich ein wenig vom letzten Album abhebt. „Shrines of Paralysis“ wird zumindest ab der Mitte etwas gradliniger und nachvollziehbarer. Mit knapp zehn Minuten erwartet den Hörer hier ein Spektakel an Inszenierung. Gerade der Haudegen Jamie gibt am Schlagzeug alles. Er ist aber auch ein Technikwunder und kann solch gewaltige Tones auch hervorragend umsetzen.

„Bow To Spite“ bildet danach einen guten Abgang, denn hier wird es ruhiger und nicht so gewaltig. Man arbeitet jetzt zudem mit Interludes – und das können die Jungs einwandfrei.

Ulcerate (Copyright: Relapse Records)

Ulcerate (Copyright: Relapse Records)

Doch hat die Platte nach 2-3 Durchläufen stark zu kämpfen – und zwar mit dem Wiedererkennungswert. Ulcerate waren noch nie eine Band für zwischendurch, auf „Vermis“ fielen die Songs schon sehr schwer, obwohl sie gut waren. Auf „Shrines of Paralysis“ wird es jedoch noch einmal ein Stück schwerer, wodurch gerade Einsteiger ganz schnell abgeschreckt werden und das Interesse verlieren könnten. Natürlich sind die Jungs auch extrem technisch, keine Frage, aber wenn dann Songs wie „Extinguished Light“ dabei herauskommen, die einfach nur wirr und verspielt sind, dann wird es auf dem Technikbaum recht dünn. So richtig fehlt das Konzept. Die Tracks könnten alle auf anderen Platten sein und dort auch eher schlecht als recht funktionieren.

Leider wirkt es so, als hätten die Jungs ein wenig den Faden verloren. Die Tracks haben keinen großen Wiedererkennungswert und spielen ein bestimmtes Programm immer und immer wieder ab. Das ist schade, da vorherige Alben zeigen, was die Band imstande ist zu leisten. Mit „The Destroyer of All“ oder „Vermis“ werden die meisten besser beraten sein, nichtsdestotrotz ist „Shrines of Paralysis“ ein kraftvolles und gewaltiges Album mit viel Atmosphäre und Tiefe.

Trackliste

01 Abrogation
02 Yield To Naught
03 There Are No Saviours
04 Shrines Of Paralysis
05 Bow To Spite
06 Chasm Of Fire
07 Extinguished Light
08 End The Hope

Details

Ulcerate – Homepage
Ulcerate – Facebook

Label: Relapse Records
Vö-Termin: 28.10.2016
Spielzeit: 57:51

Copyright Cover: Relapse Records



Über den Autor

Marcus
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