Review

Es war in den frühen 90ern als Ugly Kid Joe ihre Hochzeit hatten. Hits wie „Everything About You“ (1992) und „Cats in the Cradle“ (1993) sind wohl auch heute noch jedem geläufig, denn gerade diese Songs rotierten selbst bei „genrefremden“ Hörern in der Anlage.
2015 – und somit genau 20 Jahre nach ihrem letzten offiziellen Studioalbum („Menace To Sobriety“) – stoßen die Amerikaner um Sänger Whitfield Crane und Gitarrist Klaus Eichstadt ihr Comeback mit dem neuen Album „Uglier Than They Used Ta Be“ an, das sie – wie viele andere Künstler auch – via Crowdfunding realisierten. Das „Projekt“ stieß auf große Resonanz und das Album ist seit September erhältlich.

Darauf gibt es elf Songs von der inzwischen siebenköpfigen Band zu hören.
Lässt man die Coverversionen wie „Ace Of Spades“ (im Original von Motörhead) und „Papa Was A Rolling Stone“ (ursprünglich von The Undisputed Truth, erfolgreicher aber von The Temptations gecovert) einmal außen vor, denn diese sind zwar solide auf die Platte gebracht (Ersteres noch nah am Original, Letzteres improvisierter und Ugly Kid Joe-tauglicher), doch mehr noch ist man schließlich heiß auf neues Material von Ugly Kid Joe, so bleiben neun Titel, die die Musik der Mannen heutzutage repräsentieren wollen.

Was dabei besonders ins Auge respektive Ohr sticht, ist die Betonung der Melodiestärke und vor allem der ruhigen Seite der Band.
Letztere kommt durch gleich drei Akustikballaden zum Ausdruck, die hier mit „Mirror Of The Man“, „Nothing Ever Changes“ und „The Enemy“ ihren Platz auf „Uglier Than They Used Ta Be“ gefunden haben.
Diese Balladen mögen den Anschein erwecken, dass die einstigen Rock-Rotzlöffel ziemlich zahm und stellenweise sehr still geworden sind. Diesbezüglich hätte man – allem Erwachsenwerden zum Trotz – eventuell etwas mehr Energie, Enthusiasmus und eine immer noch lodernde rebellische Ader erwartet.

Dem gegenüber stehen jedoch Songs wie „Hell Ain’t Hard To Find“ und „Let The Record Play“, mit denen man ohne Umschweife jeweils einen Volltreffer landet.
Mal rockig nach vorne gespielt, mal etwas chilliger daherkommend („Bad Seed“) und in der Mehrheit der Songs mit überzeugenden Hooks auftrumpfend macht „Uglier Than They Used Ta Be“ auch – oder gerade – nach mehrmaligem Hören richtig Laune.

Ugly Kid Joe (Copyright: Ugly Kid Joe)

Ugly Kid Joe (Copyright: Ugly Kid Joe)

Die Produktion ist recht erdig ausgefallen; der „Garage-Charakter“ schwingt in einigen Titeln noch deutlich mit. Ein kristallklarer überproduzierter Sound hätte zu der Band auch nicht gepasst. So bleibt stets noch der Charme der Vergangenheit an dem aktuellen Album haften.

Während die 2012 bereits erschienene 6-Track EP „Stairway To Hell“ als erstes Lebenszeichen der Band nach ihrer langjährigen Pause zumindest an mir komplett vorbeiging, kann sich das Album von Ugly Kid Joe weitaus prägnanter bemerkbar machen. Auch wenn die Coverversionen ruhig durch eigenes Material ersetzt hätte werden können und Ugly Kid Joe das Wagnis eingegangen sind, gleich drei Balladen auf „Uglier Than They Used Ta Be“ zu verewigen, kann das Album als Ganzes doch überzeugen. Bleibt zu hoffen, dass die Band am Ball bleibt und es nicht erneut knapp 20 Jahre dauert, bis man wieder von den Überfliegern der 90er etwas hört.

Video

Tracklist

01 Hell Ain’t Hard To Find
02 Let The Record Play
03 Bad Seed
04 Mirror Of The Man
05 She’s Already Gone
06 Nothing Ever Changes
07 My Old Man
08 Under The Bottom
09 Ace Of Spades
10 The Enemy
11 Papa Was A Rolling Stone (CD Bonustrack)

Details

Ugly Kid Joe – Homepage
Ugly Kid Joe – Facebook
Ugly Kid Joe – Twitter

Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 18.09.2015
Spielzeit: 48:27

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde