Review

Getreu dem Ausspruch „irgendwas ist immer“ geht auch das Album „Twin Flames“ von gleichnamiger Band aus Hamburg nicht kritiklos am Hörer vorbei. Die Formation, die sich vor allem den Ethereal Rock auf die Fahne geschrieben hat, entführt ihre Konsumenten zwar stets schnell in ein akustisches Paradies, vertreibt jene aber auch genauso zügig wieder daraus. Und so wird vor allem genrefremden Hörern der Zugang zum Album nicht unbedingt leicht gemacht. Ein Produkt für Fans also? Definitiv!

Gemäß des zelebrierten Genres ist „Twin Flames“ derart angelegt, dass sich die Hörerschaft durchaus von der Musik einhüllen lassen kann, um letztlich mitzuschwimmen auf den hier gebotenen, dicht präsentierten ethereal Sounds.
Ist dies trackweise auch noch gut dosierbar, besteht auf Albumlänge mit einer Gesamtlaufzeit von einer guten halben Stunde die Gefahr, dass die Musik von Twin Flames eher an den Nerven der Hörer zerrt, statt sie z.B. mit sanftem Gesang und prägnanten Bassläufen (beides vorhanden!) auf positive Weise einzulullen.

Schuld daran ist insbesondere der Umstand, dass – wie eingangs erwähnt – eben immer irgendetwas nicht stimmig erscheint.
Lässt sich der Hörer beispielsweise in den Opener „Andrógynoi“ fallen, ein Leichtes angesichts der doch schönen Melodie des Songs, sorgen die repetitiven Phasen, der immer gleiche hohe Gesang und die variationslosen Textpassagen schnell dafür, dass die Aufmerksamkeit verloren geht. Gedanken driften ab, man bewegt sich weg vom musikalischen Geschehen, das somit nur noch im Hintergrund wahrgenommen wird.

Ein Titel wie „Ekaterina“ erinnert wiederum stellenweise an The Gathering und diese Band hat u.a. auf ihrem Album „Nighttime Birds“ gezeigt, wie atmosphärische Songs funktionieren. Die Intensität und Wirkung von „Twin Flames“ ist von derartigen Ergebnissen jedoch noch weit entfernt.

Twin Flames (Copyright: Twin Flames)

Twin Flames (Copyright: Twin Flames)

Dabei sind die einzelnen Effekte, darunter des Öfteren reichlich Hall, innerhalb der jeweiligen Titel prinzipiell gut platziert, setzen Akzente und bringen Abwechslung. Gleichzeitig eine Notwendigkeit, da insbesondere der Gesang sehr monoton wirkt. Gut gesungen wird hier zwar, aber die hohen Töne strengen doch sehr an.

Insgesamt trifft die Beschreibung „anstrengend“ das Album von Twin Flames ziemlich gut. So münden anfangs oft vielversprechende Hörerlebnisse während eines Songverlaufs zu häufig in ungemütliche Momente. Trotz der ethereal Ausrichtung wäre es für die Band vorteilhaft, den Fokus weniger auf Disharmonien und Wiederholungen zu legen, denn neben aller Kritik ist unumstritten, dass die Instrumente beherrscht werden und ein Händchen für Melodien vorhanden ist.

Video

Tracklist

01 Andrógynoi
02 Surrender
03 Nameless Lover In The Wind
04 Accolade
05 Ekaterina
06 Jorinde & Joringel
07 Tara’s Well
08 Resurrection

Details

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Label: Timezone Records
VÖ-Termin: 08.04.2016
Spielzeit: 30:48

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde