Review

Ein erneuter wilder Ritt aus Finnland

Acht Studioalben, darunter das 2019er Werk „Universal Satan“, hat es gebraucht, bis ein hiesiges Label auf die finnische Band Turmion Kätilöt aufmerksam geworden ist. Mit ihrem letzten Album „Global Warning“ debütierte das Sextett 2020 dann bei ihrem neuen und gegenwärtigen Label Nuclear Blast und legt nun mit Album Nummer zehn namens „Omen X“ nach.

Und erneut trifft unsere Feststellung zu: Für die einen sind sie Krach machende, rüpelhafte Provokateure, für die anderen eine kleine Offenbarung im elektro-lastigen Metal. Fakt ist zudem: Wo Turmion Kätilöt drauf steht, ist immer auch Turmion Kätilöt drin.

Über die Tracks

Und so entführen die elf Songs des aktuellen Albums ein weiteres Mal in die wilde Welt der Finnen, die neben harschen Industrial Metal-Beats auch des Öfteren orchestral anmutende Elemente und Chöre in ihren Sound integrieren.

Schon nach den ersten Tönen des Openers „Totuus“ unverkennbar, gibt es auch im Folgenden keinen Song, der nicht überzeugen kann. Denn jeder Titel trägt eindeutig die Handschrift dieser kreativen Band, die sowohl für ihre „Hau-drauf-Manier“, die sich auch im Sound widerspiegelt, bekannt ist, als auch immer wieder für Überraschungen sorgt.
Eine solche ist beispielsweise der Track „Sormenjälki“, der dezente J-Metal Nuancen erahnen lässt und die Vermutung weckt, Babymetal hier für den Background-Chor engagiert zu haben. Für derlei Überraschungsmomente sorgt zudem „Käy Tanssiin“, der Passagen enthält, die man so wohl im Kontext dieser Industrial-Metal-Wucht namens „Omen X“ nicht erwartet hätte.

Bekannter und mit erwartbarer Eingängigkeit fallen da schon „Vie Se Pois“, das nach vorne stampfende „Pyhä Kolminaisuus“ und der Dauerrotationskandidat „Verestä Sokea“ aus. Während demnach in der ersten Hälfte des Albums mit eher (für Turmion Kätilöt Verhältnisse!) unauffälligen Songs aufgewartet wird, die an Ohrwurmpotenzial nichts missen lassen, gerät die zweite Hälfte ein wenig „mutiger“. Auch wenn die dort eingestreuten innovativ-kreativen Parts den einen oder anderen aus dem Hörfluss reißen könnten und teils gar stilistische Umbrüche darstellen, muss man die Band dafür einfach lieben. Ihre vor Genre-Grenzen nicht zurückschreckenden Ideen und deren stimmige Integration in die Songs bringen eine etwas andere Abwechslung und zeigen die Experimentierfreude der Truppe. 

Turmion Kätilöt (Copyright: Turmion Kätilöt)

All dies verpackt die Band in sehr dichten Sound, der sowohl die elektronischen Finessen eines Titels als auch die Härte der Songs gelungen unterstreicht. Metallische Härte trifft somit auf spannende Electro-Effekte, ohne auf gute, einprägsame Melodien verzichten zu müssen. Das Ergebnis ist hartes, zeitloses Hitmaterial, das gerne die Geschwindigkeit aufdreht, sodass hier weder sich selbst noch den Zuhörer:innen eine Verschnaufpause gegönnt wird.

Fazit

Turmion Kätilöt geben sich „ästhetisch“ wie eh und je, wobei der Begriff „Ästhetik“ bei den Finnen ganz eigen zu interpretieren ist. Das macht nicht nur das Cover ihrer neuen Scheibe „Omen X“ bereits deutlich, das spiegelt sich auch in dem wilden musikalischen Ritt wider, der einen mitreißenden Hit nach dem anderen präsentiert.

Wer des Finnischen nicht mächtig ist, der/die versteht natürlich kein Wort auf dem in der Heimatsprache der Band eingesungenen Album, aber: völlig egal! Denn wie bei keiner anderen Band gehen hier Sprache und Musik eine gelungene Symbiose ein, was im Ergebnis wie die Faust aufs Auge passt. Eingängig, energetisch und eindringlich – einfach ein Muss für Genre-Fans.


Turmion Kätilöt – Omen x

Video

Tracklist

01 Totuus
02 Gabriel
03 Vie Se Pois
04 Pyhä Kolminaisuus
05 Puoli Valtakuntaa
06 Verestä Sokea
07 Isä Meidän
08 Sormenjälki
09 Käy Tanssiin
10 Kun Kesä Kuoli
11 Kuolettavia Vammoja

Details

Homepage | Facebook | Twitter

Label: Nuclear Blast
Vö-Termin: 13.01.2023
Spielzeit: 39:27

Copyright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde