Review

Nach acht Studioalben, zuletzt „Universal Satan“ von 2019, und über 650 gespielten Shows griff das Label Nuclear Blast zu und nahm die finnische Band Turmion Kätilöt unter Vertrag. Die Kollaboration trug bereits Früchte und mündet nun im neunten Studioalbum „Global Warning“.

Und erneut trifft unsere Feststellung zu: Für die einen sind sie Krach machende, rüpelhafte Provokateure, für die anderen eine kleine Offenbarung im elektro-lastigen Metal.

Die Songs

Das zeigen die auf „Global Warning“ anzutreffenden 13 neuen Tracks vortrefflich, die schon mit den jeweils ersten Tönen die unverkennbare Handschrift der Band aufweisen. Und auch wenn das aktuelle Album – anders als noch bei dem Vorgänger – vielleicht den einen oder anderen zusätzlichen Durchlauf benötigt, um ins Ohr zu gehen, sind Titel wie etwa „Viha ja rakkaus“, „Turvasana“ oder „Kuoleman juuret“ spätestens aufs zweite Hören absolut eingängig.

Anhand der – für hiesige Hörer unaussprechlichen – Titelgebung wird zudem deutlich, dass sich Turmion Kätilöt mit Nuclear Blast im Rücken nicht nur musikalisch, sondern auch sprachlich treu geblieben sind. Finnische Texte stehen somit auf dem Programm – und dürften bei manch einem Hörer sicherlich auch für Misheard Lyrics und damit zusätzliche humorvolle Unterhaltung sorgen.

Ein Schmunzeln verursacht jedoch nicht nur die für uns ungewohnte harte Phonetik der Finnen. Auch ihre musikalischen Arrangements zaubern den Hörern beständig ein Lächeln ins Gesicht. So fällt beispielsweise der Sound sehr dicht aus und unterstreicht sowohl die elektronischen Finessen eines Titels, als auch die Härte der Songs. Einige Hörer könnten diese Wucht allerdings auch zu gut gemeint finden, verschwimmen die gesamten Effekte doch mitunter ineinander. Für all jene, die so empfinden, wäre ein differenzierteres Klangbild sicherlich willkommener gewesen, um alle Details und Ideen auf „Global Warning“ expliziter heraushören zu können.

Doch diese Hau-drauf-Manier, die sich also auch im Sound widerspiegelt, kennt man von der Band, die immer wieder auch für Überraschungen sorgt. Entsprechend geht es in „Sano kun riittää“ äußerst kontrastreich zu, indem Turmion Kätilöt ihre Hörer zunächst mit einem sakral wirkenden Intro in den Song einführen, der schließlich seine volle Härte entfaltet.

Mit süßen Keys und fast schon tanzbar macht der Dance-Metal-Track „Revi minut auki“ gut von sich hören.

Und episch wird es klanglich auch noch. Nämlich dann, sobald sich die Band nicht nur auf ihren bewährten zweistimmigen Gesang konzentriert, sondern zusätzlich orchestral anmutende Elemente und Chöre in ihren Sound integriert. Diesbezüglich kann erneut der Titel „Sano kun riittää“ überzeugen, dem auch „Syntisten laulu“ in nichts nachsteht.

Turmion Kätilöt (Copyright: Susanna Raitamaa)

Während es diesen Songs dennoch nicht an Härte fehlt, beweist das Sextett mit „Viha ja rakkaus“, dass es auch mal etwas Tempo herausnehmen kann. Eine minimale Verschnaufpause für die Hörer.

Obligatorisch folgt als Rauswurf der einfallsreiche, überraschende und stilbrüchige Track namens „Mosquito A La Carte (To be contiuned 5)“, der zunächst lateinamerikanische Klänge anschlägt, bevor es in für die Band typischer Industrial Metal-Manier wieder ordentlich auf die Zwölf gibt – und damit die Lust auf einen erneuten Durchlauf geweckt wird.

Fazit

Mit ein wenig Anlaufschwierigkeiten gelingt es „Global Warning“ schließlich noch vorbildlich, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Wo Turmion Kätilöt drauf steht, ist immerhin auch Turmion Kätilöt drin. Und dies betreffend enttäuschen die Finnen definitiv nicht.

Video

Tracklist

01 Naitu
02 Kyntövuohi
03 Sylkekää siihen
04 Viha ja rakkaus
05 Turvasana
06 Kuoleman juuret
07 Syvissä vesissä
08 Sano kun riittää
09 Jumalauta
10 Revi minut auki
11 Syntisten laulu
12 Ikävä
13 Mosquito Á la Carte (to be contiuned 5)

Details

Turmion Kätilöt – Homepage | Turmion Kätilöt – Facebook | Turmion Kätilöt – Twitter

Label: Nuclear Blast
Vö-Termin: 17.04.2020
Spielzeit: 49:06

Copyright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde