Review

Man nehme ein Schlagzeug, ein Saxophon und einen Bass, mische das Ganze mit etwas instrumentalem Jazz und Rhythmen des progressiven Metal und man erhält Trioscapes. Nach dem von den Fans gut aufgenommenem „Separate Realities“ bringen die drei Amerikaner nun ihr nächstes Werk.

Auf „Digital Dream Sequence“ kalkulieren Trioscapes wieder eine Menge komplexe Song- und Soundstrukturen in ihre Platte ein.

Eröffnungs- und Titelsong „Digital Dream Sequence“ protzt direkt mit hämmerndem Schlagzeug und der Geschwindigkeit angepassten Basslinien. Aber das wohl auffälligste ist das Saxophon, das dem Ganzen eine gewisse Note verleiht. Und so werden die Töne das Griffbrett bzw. die Saxophonklappen rauf und runter gespielt. Ein Blick auf die Spielzeit der anderen Tracks und man macht sich schon einmal bereit, vielseitigen und zähen Riffabfolgen gegenüberzutreten.

Doch überraschenderweise kann man das Wort „zäh“ nach „Stab Wounds“ wieder streichen. Zwar beginnt es erneut mit einer Lawine aus Drums, dröhnendem Bass und Saxophon, aber es schleicht sich ein Xylophon ein, nur um im weiteren Verlauf des Songs ein schönes Flötenspiel zu offenbaren.

Und nun zeigt sich die Stärke von „Digital Dream Sequence“. Wir haben ein punktgenaues Schlagzeug und ein talentiertes Bassspiel mit viel Groove und diversen Effekten. Zusammen mit den Klängen des Saxophons ergibt sich eine jazzige Stimmung. Zudem gibt es diverse Taktwechsel und stellenweise auch viel Wiedererkennungswert. Aber nun zu dem Teil, an dem es interessant wird. Trioscapes arbeiten mit verschiedenen Soundelementen, die dem Hörer beispielsweise einen Dschungel im Kopf vorgaukeln. Geschaffen durch wilde Rhythmen, Xylophon und Samples aus der Tierwelt. Definitiv eine Abwechslung zu dem progressiven Gewitter und die eigentliche Spielzeit vergeht dadurch um einiges schneller.

Hat man jetzt noch behauptet, Trioscapes wären wieder nur eine instrumentale Mathematik-Band, bei der es so kompliziert wie möglich sein muss, gesteht man sich nun ein: „Das ist mal etwas anderes.“

„Digital Dream Sequence“ klingt vor allem sehr interessant; nicht zuletzt dadurch, dass man im Verlauf des Albums auf immer wieder neue Klangerlebnisse stößt. Was natürlich in so experimentellen Projekten nicht fehlen darf, ist die disharmonische Geräuschkulisse. Wer hätte gedacht, dass so ein stimmungsvolles Saxophon auch mal mit den Fingernägeln über die imaginäre Tafel kratzen kann.

Trioscapes (Copyright: Trioscapes)

Trioscapes (Copyright: Trioscapes)

Ab da ist jedem selbst überlassen, ob man so etwas nun gebrauchen kann oder nicht. Allerdings sind diese Teile in der Unterzahl, sodass dieser Stilbruch nur zur Gesamtstimmung beiträgt.

Zum größten Teil entführen Trioscapes jeden Jazz-Liebhaber in eine Welt aus grooviger und abgedrehter Musik. Dadurch kann man sich gehen lassen und muss nicht jeden gespielten Ton genau mitverfolgen, um diese Platte zu genießen.

„Digital Dream Sequence“ verbindet die Komplexität von Scale The Summit mit hämmernden Rhythmen der Animals As Leaders-Truppe. Ein gewagtes Experiment, das zu einem super Ergebnis geführt hat.
Fans, von instrumentaler Musik mit Hang zum Technischem ist diese Platte durchaus zu empfehlen. Aber auch jene, die es dann doch gerne simpel mögen, sollten mal einen Hörgang riskieren. Talent und Kreativität zahlen sich nun einmal doch aus.

Video

Tracklist

01 Digital Dream Sequence
02 Stab Wounds
03 From The Earth And The Moon
04 Hysteria
05 The Jungle

Details

Trioscapes – Facebook

Label: Metal Blade Records
Vö-Termin: 15.08.2014
Spielzeit: 42:01

Copyright Cover: Metal Blade Records



Über den Autor

Christopher