Review

TraumeR aus Brasilien dürften in Deutschland die wenigsten Hörer kennen. Angesprochen fühlen sollen sich mit dem aktuellen Album „Avalon“ einmal mehr jedoch klassische Power Metal Fans, denn diesem Genre verschreiben sich die fünf Mannen rund um Sänger Guilherme Hiroses mittels elf neuen Songs auch 2016.

Die Erwartungen sind hoch, ist doch von einer einprägsamen Stimme und von epischen Titeln die Rede. In höchste Höhen schraubt die Hoffnungen, die man in „Avalon“ setzt, zudem die Erwähnung, dass sich Mika Jussila von den Finnvox Studios für das Mastering verantwortlich zeigt. Bei derlei Namedropping kann doch an sich nichts falsch gemacht werden? Leider doch.

Bereits das Intro haut nicht wirklich um oder weckt die Neugier auf das folgende Material. Skippbar statt Atmosphäre aufbauend ertönt „Tempus Est“ aus den Boxen und setzt dabei zwar auf sinfonische Arrangements, bleibt insgesamt aber zu unauffällig, um seiner Rolle als Eröffnungstrack ausreichend gerecht zu werden. Klanglich gemahnen gerade die potenziellen Opulenz-Geber, allen voran die orchestralen Beigaben, an eine „Trompet“-Einstellung auf dem guten alten Roland-Keyboard. Das Gefühl von Dichte und Bombast wird somit nicht erzeugt.

Erst mit Einsetzen der Gitarren im folgenden Song und Titeltrack „Avalon“ gewinnt der TraumeR’sche Power Metal an mehr Energie, doch vergeblich wartet man insbesondere soundtechnisch auf den ersehnten Aha-Effekt. Selbst ein Griff an die Lautstärkeregler nützt nichts, denn die Produktion bleibt druck- und kraftlos. Hier hätte man für durchaus mehr Bums sorgen sollen, um der gewählten Stilrichtung deutlich mehr Durchschlagskraft zu verpassen.

Versäumt wird diese auch in Form der Schlagzeugarbeit. Variationslos spielt man sich von Song zu Song und klingt dabei (abgesehen vielleicht vom einzigen Ausreißer „Let You Go“) immer gleich oder zumindest ähnlich. Jeder Drumcomputer hätte diesbezüglich mehr Spieloptionen aufgezeigt.

Insgesamt bleibt das Songwriting unspektakulär. Melodien sind zwar vorhanden, bleiben allerdings nicht im Ohr oder in irgendeiner Form nachhaltig beim Hörer hängen. Ebenso fallen die Titel highlightlos – und Balladen wie „Changes“ sogar emotionsarm – aus. Gänsehaut entsteht gerade bei den ruhigen Titeln eher durch die Penetranz der Kopfstimme anstatt durch die ganz großen Gefühle.

Womit wir beim nächsten Kritikpunkt wären, denn auf Dauer kann der oftmals in die Höhen geschraubte Gesang nicht nur sehr eintönig, sondern sogar nervig wirken. Stimmlich wird hier zumindest kein Grund geboten, das Album „Avalon“ erneut hören zu wollen.
Obschon es scheint, als würden TraumeR den Falsettgesang (nicht ganz unbegründet) als die Power Metal-Zutat schlechthin betrachten, hätte die Arbeit am Mikro dennoch flexibler ausfallen können. Zudem fehlt es stimmlich hin und wieder an Volumen – eine mögliche Erklärung, weshalb der Sound eher auf Sparflamme gefahren wird?

TraumeR (Copyright: TraumeR)

TraumeR (Copyright: TraumeR)

TraumeR haben die Grundprinzipien des Genres unumstritten verstanden, allerdings reizen sie dessen Markenzeichen (wie beispielsweise die Kopfstimme) enorm aus, sodass „Avalon“ dadurch recht abwechslungsarm ausfällt. Für kleine Lichtblicke sorgen immerhin die immer wieder eingestreuten und hervorragend gespielten Gitarrensoli.
Angesichts der großen (und auch besseren) Konkurrenz werden es TraumeR daher hierzulande leider eher zum Ladenhüter als zum großen Exportschlager bringen. Wer jedoch einmal fern der bekannten all-inclusive Power Metal-Club-Angebote einen Kurztrip nach Brasilien antesten möchte, der hat in Form von „Avalon“ die Möglichkeit dazu.

Video

Tracklist

01 Tempus Est
02 Avalon
03 Forever Starts Tomorrow
04 TraumeR
05 Changes
06 Let You Go
07 Angel Of The Night
08 The Song Of Broken Hearts
09 Don’t Believe Their Lies
10 Symphony
11 Our Spirit Never Dies

Details

TraumeR – Homepage
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TraumeR – Twitter

Label: Fastball Music / Soulfood / Believe Digital
Vö-Termin: 11.11.2016
Spielzeit: 57:51

Copyright Cover: Fastball Music



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde