Review

„Blasphemischer Gothicrock aus der Mormonenhochburg Salt Lake City“ – so werden Tragic Black mit ihrem neuen Album „Nostalgia“ angekündigt. Und tatsächlich lässt vor allem die unterschwellige düster-morbide Atmosphäre auf ebenjene Beschreibung schließen, die musikalisch um Batcave-, Darkwave- und einige elektronische Elemente ergänzt wird. In diesen stilistischen Breitengraden toben sich Tragic Black auf neun regulären Songs und drei Remixversionen der Titel „Nostalgia“, „Unexpected Nightmare“ sowie „Beyond The Veil“ aus.

Bequem klingt dies nicht immer, denn auf „Nostalgia“ passiert soundtechnisch vor allem im Hintergrund sehr viel. Eine permanente Geräuschkulisse mit Effekten, Zerrsounds und Samples durchzieht jeden einzelnen Track, was unweigerlich zur bedrückenden Atmosphäre des Albums beiträgt, erstaunlicherweise den Titeln aber nichts an ihrer häufig vorhandenen Tanzbarkeit nimmt. Es bedarf jedoch – insbesondere für Freunde des straighteren Gothic Rock – den einen oder anderen zusätzlichen Durchlauf des Silberlings, um sich an die einzelnen Details eines Songs zu gewöhnen, die selbst vor technoiden Beats wie in „Horrifier“ nicht haltmachen.

Stimmlich erinnern Tragic Black zuweilen an die Sanges- und Artikulationskünste von Bands wie Nox Interna, während sich allgemein dem Genre entsprechend präsentiert wird. Die bereits erwähnten Zerrsounds und Sampleeinlagen komplettieren die gesangliche Ebene und sorgen dafür, dass auch nach mehrmaligem Hören diesbezüglich immer noch Neues entdeckt werden kann. Dazu trägt auch der oftmals als Duett-Charme wahrgenommene Wechsel der Mikrobediener untereinander bei, denn nicht selten wird hier (zwie)gesprächsartig ein Titel performt.

Diese Vielschichtigkeit, mit der die Band auf „Nostalgia“ zu Werke geht und die sich sowohl im Gesang als auch in der Musik manifestiert, ist jedoch insgesamt ein großer Vor- und gleichzeitig auch Nachteil des Albums.
Wird der Spielverlauf auf der einen Seite zu keinem Zeitpunkt langweilig, stehen dem Hörer die vielen akustischen Geschehnisse des Öfteren für einen flüssigen akustischen Konsum im Weg. Zusätzlich klingen einige Titel durch diese Überdosis an Sounds und Effekten schon fast wie Remixvarianten.

Tragic Black (Copyright: Wendy Karr)

Tragic Black (Copyright: Wendy Karr)

Das Resultat: Die Stimmung drückt auf das eigene Gemüt, auch die Band scheint über die gesamte Spielzeit im wahrsten Sinne des Wortes unter Strom zu stehen und es braucht eine gewisse Eingewöhnungsphase, bis die Titel zünden oder das akustische Drumherum soweit ausgeblendet werden kann, um die Essenz eines Songs wahrnehmen zu können. Da darüber hinaus nur selten mit dem Tempo gespielt wird, laufen Tragic Black Gefahr, in ihren Titeln zu wenig abwechslungsreich zu klingen. Einzig „Crossing The Barrier“, der den Abschluss der regulären Songs markiert und die Remixfassungen einläutet, weiß komplett auszubrechen und wirkt im Vergleich zum Vorausgegangenen beinahe fröhlich und unbeschwert.

Alles in allem – und vor allem nach mehrmaligen Runden im Player – kann „Nostalgia“ trotz der genannten Kritikpunkte aber überzeugen und ist eine Empfehlung an alle wert, die Gothic Rock mit starkem Batcave-Einschlag und elektronischer Note favorisieren. Wer es lieber geradliniger und weniger soundeffektvoll mag, sollte jedoch vorab Probe hören.

Video

Tracklist

01 Nostalgia
02 Horrifier
03 Vatican Vultures
04 Unexpected Nightmare
05 Ripe For Decay
06 Beyond The Veil Of Delusion
07 (Dis)Graceful
08 Broken Believers
09 Crossing The Barrier
10 Nostalgia (Seputus Black Remix)
11 Unexpected Nightmare (Save Me From Myself Remix by Larva)
12 Beyond The Veil (Vision Remix)

Details

Tragic Black – Homepage
Tragic Black – Facebook 

Label: Danse Macabre
Vö-Termin: 13.05.2016
Spielzeit: 48:15

Copyright Cover: Danse Macabre



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde