Review

Dass Thrash Metal eine schnelle und extreme Spielart des Metal ist, wissen die meisten. Auch dass dieses Genre immer mehr Bands hervorbringt, ist nicht neu. Die Herausforderung für die Musiker ist es dann aber, aus dieser fast schon unübersichtlichen Masse herauszustechen. Und dies gelingt der noch recht jungen Band Toxic Waltz aus Bayern mit ihrem ersten Vollwerk namens „Decades Of Pain“ ziemlich eindrucksvoll.

Das Fünfergespann drückte in jüngster Vergangenheit wohl erfolgreich die Schulbank in der San Francisco Bay Area, denn in Anlehnung an die Ausrichtung der dort entstandenen Szene treiben ihre insgesamt neun Songs energetisch nach vorne, warten mit handwerklichem Geschick auf und bringen zudem die zu erwartende Portion Aggressivität, aber auch Melodiösität mit.

Toxic Waltz sehen sich also zum einen mit „Decades Of Pain“ in der Bay Area Tradition verortet, blicken aber zum anderen immer mal wieder über den Tellerrand. Das führt dazu, dass man dem Quintett des Öfteren große Vorbilder wie Exodus als Inspirationsquelle anhört, gleichzeitig bringen sie jedoch etwas Eigenes mit und wirken nicht wie eine billige Kopie. Dies heißt es, zukünftig unbedingt weiterhin im Auge zu behalten und zu intensivieren, denn nur so ist ihnen in diesem überlaufenen Genre ein längerfristiges Bestehen gesichert.

Doch was ist es, das Toxic Waltz‘ „Decades Of Pain“ bereits jetzt erwähnenswert macht?
Die fünf Münchner limitieren sich in ihren Songs nicht einfach auf stumpfes Geknüppel, Geschredder und Geschreie, vielmehr sorgen immer wieder gut durchdachte Melodien (vor allem häufig in den handwerklich perfekten Gitarrensoli zum Ausdruck gebracht und zur Geltung kommend) für überraschende Momente und ein abwechslungsreiches Songarrangement.

Toxic Waltz (Copyright: Toxic Waltz)

Toxic Waltz (Copyright: Toxic Waltz)

Natürlich fehlt es „Decades Of Pain“ trotzdem nicht an Aggressivität; gutturale Elemente sind genügend vorhanden und auch die Felle werden ordentlich malträtiert. Damit machen Toxic Waltz sehr wohl deutlich, zu welchem Genre sie gezählt werden wollen.
Es geht temporeich zu auf dem Silberling, der bereits Anfang Januar veröffentlicht wurde. Ihr Faible für schnelle, harte Parts hält die Band jedoch nicht davon ab, vereinzelte Songs immer mal wieder mit ruhigen kurzen Sequenzen zu durchziehen. Die damit präsentierten Rhythmus- und Melodiewechsel lockern den meist gutturalen Gesang auf und lassen den Rundling nicht langweilig erscheinen.

Dazu bleibt allerdings sowieso kaum Zeit, denn nach lediglich knappen 39 Minuten ist der Thrash Metal Spaß schon vorbei. Die Nackenmuskeln werden es einem jedoch danken, immerhin steckt in allen Tracks sehr viel Livepotenzial. Die Hörer werden mitgerissen und dieses Talent der Band blieb scheinbar auch einigen Größen der Szene nicht verborgen, sodass Toxic Waltz bereits die Bühne mit u.a. Six Feed Under oder Debauchery teilen durften.

Was daher nun noch folgt, ist Meckern auf hohem Niveau, denn ob einige Tracks tatsächlich derart ausschweifend angelegt werden mussten und inwieweit Toxic Waltz ihre Eigenständigkeit nicht doch schon ausgeprägt haben, ist sicherlich Geschmackssache. Für mich sind dies jedoch die einzigen Punkte, die man noch verbessern kann, ansonsten liegt mit „Decades Of Pain“ ein Album vor, das die Sammlung eines Thrash Metal Fans durchaus bereichern könnte.

Video

 

Tracklist

01 Arising Pain (Intro)
02 Decades Of Pain
03 World Of Hate
04 Toxic Hell
05 Suicide Squad
06 Green
07 Morbid Symphony
08 Priest Of Lie
09 Obsession To Kill

Details

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Label: Eigenvertrieb
Veröffentlichung: 23.01.2014
Spielzeit: 38:42 Minuten

Copyright Cover: Toxic Waltz



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde