Review

James Toseland, Namensgeber und Kopf der Band Toseland, schlugen schon seit jeher zwei Herzen in der Brust, eines für den Motorradrennsport und eines für die Musik. Nachdem der Brite verletzungsbedingt 2011 seine aktive Karriere als Profi-Rennfahrer beendete, jedoch nicht ohne zuvor Weltmeistertitel im Superbike eingefahren zu haben, konzentriert sich der Sänger verstärkt auf seinen musikalischen Werdegang. Unterstützt wird er durch seine Frau, der Sängerin und Komponistin Katie Melua, deren Bruder Zurab Melua eine der beiden Gitarren von Toseland bedient. Mündete das kreative Schaffen zunächst im viel gelobten Debüt „Renegade“, folgt nun „Cradle The Rage“.

Das mit elf Songs bestückte Rockalbum erinnert des Öfteren an den musikalischen Sexappeal von Bands der 80er und 90er Jahre wie Europe, Guns N‘ Roses und Co. Changierend zwischen hitverdächtigem Stadionrock und solider Kneipen- oder Konzertumbauphasen-Beschallung wird hier eine breite rockaffine Hörerschaft bedient.

Dafür wissen Toseland einiges aufzufahren. Die klassische Rockband-Besetzung ergänzt man beispielsweise nicht nur um einen weiteren Sechssaiter und Keyboards, sondern verpasst dem Album „Cradle The Rage“ zusätzlich den einen oder anderen Posaunen-, Saxofon-, Streicher- und Hammondorgel-Ton. Retrocharme trifft dabei auf eine moderne Produktion, während stilistisch – trotz der abwechslungsreichen Zugaben – nicht vom Weg abgekommen wird.

Bezüglich ihres gewählten Genres hat die Band Toseland ihre Hausaufgaben gemacht und lässt es diesbezüglich auch nicht an Backingvocals mangeln, die für zusätzliches Stimmvolumen sorgen. Dennoch hätte es nicht geschadet, auf dem konsequent beschrittenen Weg ab und zu mal nach rechts oder links zu schauen, um auch den Tracks, die eher gewöhnlich klingen, das gewisse Etwas zu verleihen, ohne sich lediglich auf bewährtes Riffing oder bekannte und damit allzu vorhersehbare Strukturen und Arrangements zu verlassen.

Toseland (Copyright: Toseland)

Toseland (Copyright: Toseland)

Nichtsdestotrotz bieten Toseland auf „Cradle The Rage“ für jeden etwas. So werden auf dem Album wie erwähnt Kneipenbesitzer jener Songs fündig, die, eingesetzt als Hintergrundmusik, den Umsatz ankurbeln, während Konzertveranstalter gelungenes Warm-up Material für die Umbaupausen finden – und Fans erfreuen sich natürlich an den Titeln, in denen die Band ihr Händchen für eingängige Melodien und mitreißende, zeitlose Rocknummern unter Beweis stellt.
Kein Volltreffer, aber ein empfehlenswertes Album, dem die Spielfreude der Musiker anzuhören ist. Dass die meist temporeichen Songs außerdem mit ausreichend Dynamik daherkommen, verstärkt den Willen der Hörer, „Cradle The Rage“ auch ein weiteres Mal in den Player zu legen.

Tracklist

01 Too Close To Call
02 Puppet On A Chain
03 Living In A Moment
04 Fingers Burned
05 Stranger Things
06 We’ll Stop At Nothing
07 Never Love Another
08 Livin‘ A Lie
09 Waiting For The Answers
10 Nothing You Can Do About It
11 Cradle The Rage

Details

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Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 15.04.2016
Spielzeit: 42:50

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde