Review

Schon 1999 setzten Tomorrow’s Eve mit ihrem Debütalbum „The Unexpected World“ den Grundstein für ihren musikalischen Werdegang. Darauf sollten nicht nur weitere Veröffentlichungen folgen, auch hinsichtlich der Bandbesetzung nahm man Änderungen vor. Schließlich wurde es bis heute ruhig um die Truppe, die sich nun mit dem Album „Mirror of Creation III – Project Ikaros“ im Musikgeschehen zurückmeldet.

Im Progressive Metal beheimatet, scheut das mit Mike LePond am Bass (u.a. Symphony X) und John Macaluso an den Drums (u.a. Yngwie Malmsteen) mittlerweile international besetzte Quintett auch die Zugabe von Power Metal-Elementen nicht, die der Verspieltheit des als Fundament dienenden Genres mehr Dynamik und Eingängigkeit verpassen. Darüber hinaus sorgen auf „Mirror of Creation III – Project Ikaros“ orchestrale Arrangements, Pianoparts oder der Griff zur Akustikgitarre nicht nur für die nötige Portion Epik und Opulenz, die dem als Konzept angelegten Album äußerst dienlich ist, sondern auch für Abwechslung.

Inhaltlich hätte man sich aber eventuell etwas mehr und vor allem Neues gewünscht, als – allgemein formuliert – auf die Missstände der Gesellschaft aufmerksam zu machen. Da bleiben beliebte Phrasen nicht aus und so halten die Lyrics, obschon sie eine gewisse Tiefgründigkeit aufweisen und einige Male sogar philosophischen Charakter haben, mit der Komplexität der Musik nicht ganz mit.

Stimmlich trägt Sänger Martin LeMar die Texte jedoch auch dann an die Hörer, wenn er jene phasenweise eher gesprochen zum Besten gibt. Sein voluminöses Organ passt zudem hervorragend zum episch-bombastischen Anstrich des Albums, sodass er dessen Wirkung noch einmal zu intensivieren versteht.

Möchte man Vergleiche zu anderen Bands heranziehen, dürften Namen wie Savatage und Dream Theater ganz oben auf der Liste stehen. Als Kopie genannter Bands verkommen Tomorrow’s Eve allerdings nicht, denn stets ist ihren Songs eine eigene Handschrift anzuhören.

Tomorrow’s Eve (Copyright: Tomorrow’s Eve)

Im Prog Rock Bereich auf Nummer sicher zu gehen, ist schon aufgrund der ausgedehnten Songlängen und der Verspieltheit des Genres ein Ding der Unmöglichkeit. Nichtsdestotrotz vermittelt das Album diesen Eindruck. Pop-angehaucht, die bereits erwähnten Einflüsse des Power Metal und ein daraus resultierendes hohes Maß an Eingängigkeit machen „Mirror of Creation III – Project Ikaros“ nicht nur leichter zugänglich als Veröffentlichungen von manch Genrekollegen, einige der elf Titel versprühen darüber hinaus zudem einen kommerziellen, hitverdächtigen Charme. Das kann man kritisieren, muss man aber nicht. Vielmehr kann man dies als Kunststück der Band werten, die es schafft, nicht nur stiltreue Fans hier ins Boot zu holen, sondern diese gleichzeitig auch ausreichend bedient, dass keine großen Beschwerden folgen werden.

Video

Tracklist

01 Welcome To The Show
02 Morpheus
03 Bread And Circuses
04 Imago
05 The System
06 Law And Order
07 Dream Within A Dream
08 Terminal
09 Inner Sanctum
10 Somnium Ex Machina
11 Gods Among Each Other

Details

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Label: Baze Records / Dr. Music Records / Soulfood
Vö-Termin: 27.04.2018
Spielzeit: 68:47

Copyright Cover: Dr. Music Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde