Review

Mit „Erde“ veröffentlicht Tom John Wolff ein Album, das eine sehr spezielle und äußerst eng gesteckte Zielgruppe ansprechen wird. In den Weiten der Weltmusik, angereichert durch mittelalterliche Klänge, Folk-Elemente und orientalische Anleihen tummelt sich das Soloalbum des Multiinstrumentalisten, das damit mal sehr esoterisch, an anderer Stelle mystisch klingt.

„Erde“ ist Tom John Wolffs Einladung an seine Hörer, einmal komplett abzuschalten und sich von seiner Musik berieseln zu lassen. Entsprechend entschleunigt, unaufgeregt und phasenweise meditativ ist das 14 Tracks umfassende Album ausgefallen.

„Erde“ zeigt außerdem die Vielschichtigkeit des Musikers Tom John Wolff und seiner Musik. Deutlich wird dies in Hinblick auf die eingesetzten Instrumente, die kulturellen Einflüsse, die auf dem Album zu einem harmonischen Ganzen zusammenlaufen, die miteinander kombinierten Stilistiken sowie die Lyrik, die selbst die im 20. Jahrhundert ausgestorbene Sprache Manx (gesprochen einst auf der Isle of Man) im keltischen Song „Irree Seose“ wieder lebendig werden lässt.

Über lange Strecken bleibt „Erde“ rein instrumental. Platz für den Einsatz der unterschiedlichen Instrumente lässt Tom John Wolff in nahezu jedem Song und die diesbezügliche Bandbreite ist beeindruckend. Von den Standards wie Gitarre, Harfe und Tin Whistle über diverse Perkussionsinstrumente bis hin zu Rasseln und Glocken gibt es scheinbar nichts, was Wolff nicht bewältigen könnte. Ganz so spektakulär oder wirr, wie es zunächst klingen mag, ist das im Ergebnis aber gar nicht, denn der Solokünstler stimmt den Gebrauch der Instrumente stets passend aufeinander ab.

Tom John Wolff (Copyright: Tom John Wolff)

Tom John Wolff (Copyright: Tom John Wolff)

Der Gesang, wenn er dann mal zum Einsatz kommt, ist sehr ruhig, fast schon andächtig und durchaus mediaval-typisch.
Insbesondere in den orientalisch angehauchten Parts variiert zudem das Tempo ein wenig. „Erde“ ist aber weit davon entfernt, die sprichwörtlichen Puppen tanzen zu lassen. Vielmehr wird es seinem Namen gerecht, denn als Zuhörer fühlt man sich einige Male eng mit der Natur verbunden.

Um vollständig Zugang zu Tom John Wolffs Musik zu finden, ist es jedoch vonnöten, sich auf seine Spielweise einzulassen. Auch wenn die 14 Titel sehr abwechslungsreich sind, dominiert doch der ruhige Charakter des Albums. Dies und der Umstand, dass einige Titel vor allem aufgrund ihres musikalischen Ursprungs auf die Hörgewohnheiten der meisten Konsumenten zuerst fremdartig wirken, schrecken erst einmal ab. Wir sprechen dennoch für all jene eine Empfehlung aus, die sich mit „Erde“ eine verdiente Auszeit vom Stress des Alltags nehmen wollen, Meditationen nicht abgeneigt gegenüberstehen und offen für den Hauch von Esoterik und Mystik sind. Diejenigen, auf die dies bereits jetzt schon auf ganzer Linie zutrifft, dürfen getrost zugreifen und unserer Wertung gedanklich noch einen Stern hinzufügen.

Video

Tracklist

01 Es geht ein dunkle Wolk herein
02 Wurzellos
03 Versuch es
04 Lied der Erde
05 An Lauretten
06 Andalusischer Traum
07 Eines jeden Menschen Geschichte
08 Graulandbrandle
09 Naz Barı
10 Hicâz Ilâhî
11 Kürdî
12 Auf der Wacht
13 Irree Seose
14 Es geht ein dunkle Wolk – Reprise

Details

Tom John Wolff – Homepage

Label: Danse Macabre Records
Vö-Termin: 17.04.2015
Spielzeit: 67:19

Copyright Cover: Danse Macabre Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde