Review

Bereits ihr siebtes Studioalbum veröffentlicht die finnische Goth Metal Band To/Die/For mit „Cult“. Der erste Hördurchlauf zeigt jedoch schon, dass der gebotene Inhalt in Form von acht Songs dem Namen nicht unbedingt gerecht wird. Einen gewissen Kultstatus haben To/Die/For zwar sicherlich innerhalb der Szene und vor allem in ihrer Heimat Finnland inne, es scheint aber 2015 ein wenig die Luft raus zu sein, sodass „Cult“ mehr oder weniger unspektakulär und unauffällig am Hörer vorbei läuft. Es bleibt nicht viel hängen und die einstige Melodiestärke ihrer Songs ist nicht so präsent wie sie einst mal war.

Konnte das Quintett bisher etwaige fehlende Melodiosität durch Atmosphäre wettmachen, will sich auch diesbezüglich nicht so recht die richtige Stimmung einstellen. Ihre düstere Melancholie, bis dato hervorgezaubert durch dunkle Gitarren und den ausdrucksstarken kratzig-krächzenden, rauen-rauchigen Gesang von Jape Perätalo, wird auf „Cult“ nicht in Perfektion an den Hörer transportiert, wie man es gewohnt ist. Selbst die tragende Ballade „Mere Dream“ scheint nur ein längeres Vorspiel für den Tempo wieder anziehenden Folgesong „You“ zu sein, ohne berühren zu können oder Höhepunkte aufzuweisen.
Zudem verliert die Stimme genau dann an Wiedererkennungswert, wenn einige Songs gesanglich stark an Lordi-Obermonster Tomi Putaansuu erinnern. Anders als in Songs wie „Unknown III“, in dem es melodischer und gesanglich weniger heiser und roh zugeht, womit man an alte Zeiten gekonnt anknüpfen kann. Leider aber nicht häufig genug.

Ebenfalls in „Unknown III“ zu hören sind gepitchte weibliche Gesangparts, die kurzzeitig für eine gewisse Pop-Note sorgen, darüber hinaus oder deswegen aber als Störfaktor und Stimmungskiller wahrgenommen werden könnten.

Wenn man dann noch hört oder liest, dass einige der Meinung sind, der beste Song des Albums sei „Straight Up“, so mag das vielleicht stimmen, ist gleichzeitig jedoch ebenso lustig wie traurig, denn dabei handelt es sich nicht um einen To/Die/For-Song, die Band folgt damit allerdings ihrer Tradition, eine weitere Coverversion unters Volk zu bringen.
Im Original von Paula Abdul 1989 veröffentlicht, zeigen die Finnen mit dieser Auswahl ihre Vorliebe für 80er (Synth)Pop Tracks, die die Reihe um Covertitel wie „In the Heat of the Night“ (Sandra) und „(I Just) Died in Your Arms“ (Cutting Crew) fortsetzt. Dies geschieht sehr solide, aber mit viel Luft nach oben, denn es fehlt dem Titel an Durchschlagskraft. „Straight Up“ in der To/Die/For-Fassung hätte (insbesondere im Refrain) mehr Härte vertragen können, während die ziemlich dünne Frauenstimme entbehrlich ist. Je öfter man „Straight Up“ allerdings laufen lässt, desto besser zündet er schließlich. Und dass sie sich aufs Covern verstehen, das müssen die Finnen kaum mehr unter Beweis stellen.

„Let It Bleed“, ebenfalls eine Lordi-eske Nummer, wirkt soundtechnisch schließlich noch ein wenig „verwaschen“, sobald Gesang und Instrumente aufeinandertreffen. Im „Alleingang“ können sich aber sowohl der Gesang als auch die Gitarrrensoli, lediglich begleitet durch angenehmes Drumming, behaupten.

To/Die/For (Copyright: To/Die/For)

To/Die/For (Copyright: To/Die/For)

Ähnliches beobachtet man auch im Track „End Of Tears“, dessen Gesang zu undeutlich wirkt.
Eine klare (Über)Produktion erwartet der To/Die/For-Hörer zwar gar nicht, denn dies würde dem Charme und Charakter der Band nicht gerecht werden; etwas mehr Differenzierung hätte stellenweise (vor allem gegen Ende des Albums) aber nicht geschadet.

Was bleibt, sind eher lange Gesichter bei all denen, die den Werdegang der Band schon seit ihrem 1999er Debütalbum „All Eternity“ verfolgt haben, denn „Cult“ ist zwar nicht schlecht, aber auch weit davon entfernt, die Diskografie von To/Die/For mit einem Meilenstein ihrer Karriere zu erweitern. Wer bisher noch keinen Kontakt zur Musik der Finnen hatte, sich dafür aber für Gothic bzw. Dark Metal interessiert, der sollte jedoch in die aktuelle Platte einmal reinhören und sich am besten den Backkatalog einmal näher anschauen, denn To/Die/For gehören – unabhängig von ihrem eher durchschnittlichen Album „Cult“ – gehört!

Anspieltipps:
Unknown III / Straight Up / In Black

Video

Tracklist

01 In Black
02 Screaming Birds
03 Unknown III
04 Mere Dream
05 You
06 Straight Up
07 Let It Bleed
08 End Of Tears

Details

To/Die/For – Homepage
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Label: Massacre Records
Vö-Termin: 26.06.2015
Spielzeit: 37:27

Copyright Cover: Massacre Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde