Review

Mit ihrer Platte „The Fall“ haben es Tiny Fingers wohl vollends geschafft, ihren gewaltigen Sound aus pychedelischer Elektronik und Post-Rock einzufangen. Dieses Album bietet die volle Ladung dessen, was die Band während der letzten beiden Veröffentlichungen („Megafauna“ und „We Are Being Held By The Dispatcher“) ausgemacht. Mit den neun Songs geht man sogar noch weiter – so weit, dass nicht einmal mehr das Cover einen Titel oder Bandnamen braucht, sondern nur die dunkle Tiefe des Meeres mit seinen Bewohnern zeigt.

So unspektakulär wie „The Fall“ beginnt, verwandelt es sich schnell in ein Album, auf dem jeder Ton perfekt sitzt, jeder Synthi-Sound einem durch die Glieder fährt und das Schlagzeug auf den Groove genau arbeitet. Der Track „Eyes Of Gold“ verbindet all das und vollbringt den Schritt, seine Atmosphäre förmlich greifbar zu machen.

Aber auch die energetische Attitüde der Tiny Fingers ist wieder präsent, ebenso wie die catchigen Riffs, die man zeitweise auf „We Are Being Held By The Dispatcher“ vermisst hat. Mit „Deuterronomy“ bekommt man all dies zurück, inklusive eines richtig bösen elektronischen Sounds, der aus dem Nichts alles abzureißen vermag.

Musikalisch und instrumental hat die Band mit diesem Album einen großen Schritt nach vorne getan. Es scheint fast so, als wären die Songs noch besser arrangiert und komponiert worden, sodass sich hier Bereiche erschließen, die Tiny Fingers bis jetzt noch nicht betreten haben. Man setzt nicht nur ausschließlich auf Atmosphäre, sondern verbindet innovative Melodien mit dynamischen Rhythmen und hält dadurch den Hörer über längere Passagen bei Laune.

Natürlich hämmert man sich auch regelmäßig durch die Trommelfelle, so wie in „The Other“, aber oft besinnen sich die Mitglieder und lassen Ruhe einkehren. Nicht selten erscheinen auf Alben der Tiny Fingers daher ruhigere Songs, doch „9 Of Swords“ scheint der erste zu sein, der nicht allzu vorhersehbar ist und immer noch so viel Stimmung transportiert, dass man ihn direkt ein weiteres Mal genießen möchte.

Der Ideenreichtum auf „The Fall“ ist überwältigend. Hier wird wirklich auf die Musik eingegangen, sie wird geformt und auch gerne mal in andere Richtungen gelenkt. Aber all diese verschiedenen Elemente, wie die Beats oder die Riffs, finden auf der kompletten Platte stets einen gemeinsamen Nenner. Die Titel wahren sich die Struktur und driften mit ihren Intentionen selbst durch die merkwürdigsten Klänge nicht ab, die die Truppe ihnen da hinzufügt.

Tiny Fingers (Copyright: Tiny Fingers)

Tiny Fingers (Copyright: Tiny Fingers)

Einzig der 8-Bit Sound wurde hier vernachlässigt. Ein wenig schade, aber wenn man das Konzept von „The Fall“ berücksichtigt, hätten diese auch wohl einfach nicht da reingepasst. Überhaupt wirkt der Electronica-Anteil weniger verspielt und dennoch mitreißend.

Tiny Fingers beweisen wieder einmal, dass sie ihre Musik nicht nur weiterentwickeln, sondern sie noch viel weiter treiben können. Dabei geht nichts von der Qualität des Songwritings oder der musikalischen Umsetzung verloren. Innovative Elemente definieren ihren Stil neu, während sie sich wie ein Puzzle Stück für Stück zusammenfügen. Ein Album für Körper und Seele.

Video

Trackliste

01 The Fall
02 Eyes Of Gold
03 Traveller Soul
04 Deuteronomy
05 Drops
06 The Other
07 9 Of Swords
08 Dispatcher
109Music For The Sun

Details

Tiny Fingers – Homepage
Tiny Fingers – Facebook

Label: Pelagic Records
Vö-Termin: 13.05.2016
Spielzeit: 46:37

Copyright Cover: Pelagic Records



Über den Autor

Christopher