Review

Lautmalerisch und funky, so mögen es Tiny Fingers aus Israel. Und mit „Megafauna“ schlägt das Quartett schon mächtig große Wellen – und zwar mit der puren Leidenschaft aus psychedelischer Elektronik, gepaart mit energetischem Post-Rock. Diesen Sound sollte man nicht unterschätzen, denn er bringt nicht nur auf technischer Seite eine Menge mit, sondern wirkt dabei noch sehr künstlerisch und eigen.

Es ist schon fast so, als würden die Instrumente selbst mit den elektronischen Elementen eine synthetische Symbiose eingehen. Der Sound von Tiny Fingers lässt sich wiederum nicht unbedingt mit nur einem einzigen Song definieren, da die Jungs eine Menge ausprobieren und alles – angefangen vom Psychedelic- über Math- bis hin zum omnipräsenten Post-Rock – mitnehmen. Besonderes bei letzterem liegt häufig etwas 80s oder 90s Flair in der Luft.

Mit den Melodien, sowohl elektronisch als auch direkt von den Saiten, hat man sich wirklich gehen lassen. Es gibt kaum einen Ton, der sich nicht in höheren Lagen bewegt. Allerdings gestaltet sich das Ganze weniger unangenehm, als es sich anhört. Tiny Fingers scheinen ein Gefühl dafür zu haben, den Sound exzentrisch, aber dennoch ansprechend zu gestalten.

Mit „Demands“ geht es auch sofort schon mit diesen Klängen los, die gut ein Soundtrack für neumodische Horrorfilme hätten sein können. Dazu gibt es ein paar knackige Funk-Riffs, die den Titel noch weiter nach vorne treiben. In diesem Song stechen vor allem die Drums hervor, die alles mit passenden Beats untermalen.

„El Dorado“ profitiert ebenfalls von den kreischenden Tönen, wobei man hier eine ganz andere Atmosphäre versprüht, nicht zuletzt durch die pulsierenden Gitarren. Nettes Detail bei diesem Song sind die 8-Bit-Samples, die zwischendurch eingeworfen werden.

Generell sind Tiny Fingers immer dann erfolgreich, wenn es darum geht, schnelle und dynamische Strukturen aufzubauen. „Money-Time“ strotzt nur so vor verzerrten Saiteninstrumenten, die bis zum Mittelteil eigentlich nur nach vorne preschen. Danach verändert sich der Charakter des Songs und die Band zeigt dadurch, wie flexibel sie sein kann. So bekommt „The Reduction Wheel“ durchweg einen psychedelischen Anstrich, der allerdings weniger etwas mit bunten, tanzenden Farben, als mit einem 3-wöchigen LSD-Trip zu tun hat.

Tiny Fingers (Copyright: Tiny Fingers)

Tiny Fingers (Copyright: Tiny Fingers)

Tatsächlich sorgen nur solche Songs für Highlights, während es auf „Megafauna“ zudem durchaus mal ruhiger zugehen kann.
„Pasadena Matador“ besinnt sich auf mehr Atmosphäre, erzeugt aber nicht dieses innovative Gefühl, das die Hörer bei den vorherigen Titeln so gepackt hat.
In „Cyclamens“ konzentriert man sich auf langsameren Post-Rock mit ein paar netten Riffs hier und da, doch im Großen und Ganzen wirkt auch dieser Song vorhersehbar.

Wenngleich bei den letzten Aspekten der Geschmack entscheiden muss, bleibt zu sagen, dass mit „Megafauna“ ein Album entstand, das mehr bietet als generischen Post-Rock, der seine Ideen aus dem Alternative-Bereich schöpft. Der Sound von Tiny Fingers ist individuell und catchy zugleich. Vielleicht gerade weil hier etwas mehr Abwechslung geboten wird, zündet dieses Album direkt nach den ersten Takten. Material für Dauerberieselung.

Video

Trackliste

01 Intro
02 Demands
03 The Reduction Wheel
04 Preloade
05 Pasadena Matador
06 Money-Time
07 Cyclamens
08 El Dorados
09 Outro

Details

Tiny Fingers – Homepage
Tiny Fingers – Facebook

Label: Pelagic Records
Vö-Termin: 13.05.2016
Spielzeit: 41:12

Copyright Cover: Pelagic Records



Über den Autor

Christopher